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24.06.2015 13:14

Marc Wittmann erklärt im Akademischen Forum am 22. Juni 2015 unser Zeitempfinden und warum die Zeit mit zunehmenden Alter immer schneller zu vergehen scheint

Dr. Marc Wittmann, Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg i. Br.

Wie entsteht unser Gefühl für Zeit?

Warum benötigen wir stets mehr Zeit, als wir geplant haben? Können wir unser Zeitgefühl beeinflussen? Und: Vergeht die Zeit schneller, wenn man älter wird? Der Psychologe und Hirnforscher Dr. Marc Wittmann, Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg, gab in seinem Vortrag im Akademischen Forum Antwort auf diese Fragen. Der Wissenschaft ist es in den letzten Jahren weitgehend gelungen, unseren Zeitsinn zu enträtseln.

Ausgangspunkt des Vortrages war die Feststellung, dass sich der moderne Mensch zunehmend in der funktionalen zielorientierten Lebenshaltung zu verlieren droht. Nicht die bewusst ausgeführte Tätigkeit steht im Mittelpunkt, sondern nur noch das Endergebnis.

Wittmann zeigte auf, wie unser Gefühl für Zeit entsteht, wie wir unsere „subjektive Zeit“ wahrnehmen und welchen psychologisch-neurowissenschaftlichen Antworten (Emotion, Körpergefühl, Gedächtnis) es dazu gibt. Um Zeit bewusst wahrzunehmen und damit auch als „länger“ zu erleben, ist die Achtsamkeit wichtig. Handlungen und Tätigkeiten bewusst auszuwählen und auszuführen ist dabei ein entscheidender Faktor. Sobald sich Routine einstellt, scheint die Zeit schneller zu vergehen. Wittmann plädiert dafür, sich ständig – auch im Alter – auf „Neues“ einzulassen und dieses bewusst zu reflektieren (Meditation, Achtsamkeit). Das Ergebnis: die Erlebnis- und Lebenszeit erscheint uns länger.