Vortragsabend mit Gesprächskonzert auf der Orgelempore der Basilika St. Ulrich und Afra am 24. Juli 2015
Von Monteverdi bis Rumba
Mit einem Streifzug durch die Musikgeschichte stellte Peter Bader die Musik-Form Toccata zunächst in einem Vortrag im Haus Sankt Ulrich einem zahlreichen Publikum vor. Ausgehend von der Bezeichnung „toccare“ (schlagen, berühren) nahm diese Musikform ihren Ursprung im 15. Jahrhundert vor allem bei Pauken- und Trompetenmusik. Claudio Monteverdi griff diese Musikform schließlich in seiner Oper „L’Orfeo“ (1607) und im Introitus der „Marienvesper“ auf. Immer mehr setzte sich ab dem 16. Jahrhundert die Toccata vor allem in Italien und den deutschsprachigen Ländern durch: zunächst für Orgel und Chor (Kyrie) wurde die Toccata bei Claudio Merulo (1598), Girolamo Frescobaldi (1615-1627 Organist am Petersdom) und Georg Muffat (1690) weiter entfaltet.
Als Stylus Phantasticus eroberte die Toccata schließlich ab dem 17. Jahrhundert Nordeuropa (Jan Pieterszoon Sweelink 1562-1621). Die Synthese von südländischen und nördlichen Toccaten vollzog schließ Johann Sebastian Bach in der populären d-Moll Toccata.
Nach 1750 verschmolz die Toccata zunehmend mit der Etüde (Robert Schumann, Carl Czerny, Claude Debussy). Von Max Reger (1873-1916) und anderen wurde sie dann im barocken Sinn für Orgel spätromantisch erneuert. Die Toccata wird bis heute auf verschiedenste Weise musikalisch umgesetzt – bis hin zum Rumba.
Im Anschluss fand auf der Orgelempore der Basilika St. Ulrich und Afra ein Orgelkonzert statt. Peter Bader stellte dabei die Toccaten verschiedener Komponisten vor: Hans Leo Hassler (1564-1612), Girolamo Frescobaldi (1583-1643), Georg Muffat (1653-1704), Dietrich Buxtehude (1637-1707), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Johann Pachelbel (1653-1706), Charles-Marie Widor (1844-1937), Pietro A. Yon (1886-1943) und Brita Leutert-Falch( geb. 1966).