Abendveranstaltung des Akademischen Forums am 26. Juli 2010

26.07.2010 13:57

BYZANTION - CONSTANTINOPOLIS - ISTANBUL

Über die 2700-jährige Geschichte der Metropole Istanbul referierte am Montag, 26. Juli 2010, Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff von der Universität Augsburg. Prof. Dr. Kuhoff ist durch seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Fachbeiträge ein international ausgewiesener und anerkannter Experte für die Spätantike.

Prof. Dr. Wolfgang Kuhoff

Für das Jahr 2010 wurde die Megametropole der Türkei, Istanbul, zu einer der drei Kulturhauptstädte Europas ausgewählt. Diese Wahl würdigt die jahrhundertelange Bedeutung der Stadt für die europäische Geschichte, welche seit der Antike bis heute andauert. Das um 660 v. Chr. gegründete griechische Byzantion war schon Schnittpunkt der Handelswege zwischen Europa und Asien. Aber erst in römischer Zeit, als die Stadt mit latinisiertem Namen Byzantium eine strategische Rolle zu spielen begann, bahnte sich ihre Funktion als zweite Hauptstadt des römischen Reiches neben Rom selbst an: Es war Kaiser Konstantin der Große, der am 11. Mai 330 n. Chr. seine nach ihm benannte Residenzstadt feierlich einweihen ließ. Als Constantinopolis gelangte die Stadt zu reichsweiter Bedeutung.

Als in den Jahren 476/480 das Kaisertum im Westen des Imperium Romanum endete, wurde Konstantinopel zur alleinigen Hauptstadt. Doch schmolz das Territorium des von hier regierten Staates immer weiter zusammen, was Auswirkungen auf die Infrastruktur zeitigte. Viele Bauwerke verfielen, und als am 29. Mai 1453 die Türken unter Sultan Mehmed II. die Stadt einnahmen, war sie nur noch ein Schatten einstiger Pracht. Als Hauptstadt des Osmanischen Reiches jedoch nahm sie wieder einen deutlichen Aufschwung. Trotz des später einsetzenden politischen Niedergangs blieb das nunmehrige Constantiniye mit seinen Moscheen, Palästen, Holzhäusern und Bädern das Zentrum von Kultur und Zivilisation.

Der Gründer der neuen Türkei, Mustapha Kemal mit dem Ehrennamen Atatürk, benannte die Stadt im Jahre 1930 in Istanbul um, und als solches ist sie trotz Verlusts der Hauptstadtfunktion weiterhin geistige Metropole am Bosporus.