ZUGEHÖRIGKEIT ALS GENERATIONENPROJEKT
Familie, Emanzipation und Assimilation im jüdischen Familienroman um 1900
Junges Akademisches Forum.
In lockerer Folge stellen profilierte Nachwuchswissenschaftler im Akademischen Forum ihr besonderes Promotions- oder Habilitationsthema vor.
Vortrag am Donnerstag, den 8.10.2026 um 18.30 Uhr im Haus Sankt Ulrich, Augsburg
In Kooperation mit der der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben und anderen
Gesellschaftliche Zugehörigkeit war für jüdische Menschen um 1900 ein zentrales Thema, das ihre Familien bereits seit Generationen begleitet hatte. Dieser Befund lässt sich eindrucksvoll farbig und perspektivenreich anhand Jüdischer Familienromane um 1900 erarbeiten. Diese Romane erzählen nicht nur von privaten Schicksalen, sondern verhandeln grundlegende Fragen gesellschaftlicher Zugehörigkeit: Konflikte um Emanzipation, Assimilation und Konversion, aber auch um Geschlechterrollen, Generationenverhältnisse und die Spannung zwischen familiärer Bindung und gesellschaftlichem Wandel. Gerade die Familie erscheint in diesen Texten als jener Ort, an dem Hoffnungen auf Anerkennung, Teilhabe und sozialen Aufstieg ebenso sichtbar werden wie Erfahrungen von Unsicherheit, Ausgrenzung und innerem Konflikt.
Der Vortrag richtet den Blick anhand von Werken Auguste Hauschners (1850–1924), Georg Hermanns (1871–1943), Ulla Wolff-Frankfurters (1848–1924) und Friedrich Fürst Wredes (1870–1945) auf jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum zwischen deutschem Kaiserreich und Habsburger Monarchie. Blitzlichter werden auch auf das jüdische Leben in Augsburg geworfen.
Deutlich wird dabei, dass Zugehörigkeit nicht als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Vielmehr erscheint sie als ein offener, konflikthafter und über Generationen hinweg auszuhandelnder Prozess, in dem sich gesellschaftlicher Fortschritt, familiäre Ordnung und literarische Gestaltung auf besondere Weise verschränken.
(Sarah Sosinski)
Programm
18.30 Uhr Begrüßung und Einführung
18.40 Uhr Zugehörigkeit als Generationenprojekt
Familie, Emanzipation und Assimilation im jüdischen Roman um 1900
Sarah Sosinski M.A.
Ca. 20.15 Rückfragen und Diskussion
20.30 Uhr Ende der Veranstaltung
Leseempfehlung:
Zur Vertiefung des Vortrags empfehlen sich Georg Hermanns Roman Jettchen Gebert (Wallstein Verlag, 2022 [1907]) sowie der von Bettina Bannasch und Markéta Balcarová herausgegebene Band „Ein irrender Mensch mit dem anderen.“ Zum literarischen und journalistischen Werk Auguste Hauschners (1850–1924) (Wallstein Verlag, 2025).
REFERENTIN
Bildrecht: privat
Sarah Sosinski M.A.
Seit April 2024 Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Internationale Literatur (Komparatistik) an der Universität Augsburg und erwarb Masterabschlüsse in beiden Fächern. Von Oktober 2021 bis September 2023 war sie Koordinatorin der Jüdischen Studien an der Universität Augsburg, anschließend von Oktober 2023 bis Juli 2024 Promotionsstipendiatin an der Hebräischen Universität Jerusalem. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der deutsch-jüdischen Literatur, im literarischen Realismus um 1900, in der Moderne und den Avantgarden sowie in der deutschsprachig-jüdischen Gegenwartsliteratur. In ihrem Dissertationsprojekt Emanzipation als Generationenprojekt. Literarische Zugehörigkeit(en) in jüdischen Familienromanen zwischen 1871 und 1918, das am Graduiertenkolleg Family Matters“ der LMU angesiedelt ist, widmet sie sich den Schnittstellen von Familiennarrativen, Generationsdiskursen und jüdischer Emanzipation. Ihre Forschung präsentierte sie auf internationalen literatur- und kulturwissenschaftlichen Tagungen.
Weitere Kooperationspartner
Jüdischen Studien, Universität Augsburg, Gesellschaft
für christlich-jüdische Zusammenarbeit Augsburg und
Schwaben e.V., Deutsch-Israelische Gesellschaft Augsburg-
Schwaben e.V., Fachstelle für Erinnerungskultur,
Stadt Augsburg
Kosten
6.- EUR/ Schüler und Studenten frei