Abschied von Domkapitular em. Prälat Konrad Hölzl

„Apostel des Ohres“ und „Seele von Mensch“

18.11.2021 16:14

In einem feierlichen Requiem im Hohen Dom zu Augsburg wurde am Donnerstag der emeritierte Domkapitular Prälat Konrad Hölzl zu Grabe getragen. Bischof Bertram würdigte den Verstorbenen als Seelsorger mit offenen Ohren und Mensch mit Leib und Seele.

"Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens": Eucharistiefeier zur Verabschiedung von Prälat Hölzl (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Das Jahr 1967 sei für die ganze Kirche durch die Aufbruchsstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt gewesen, und im altbayerischen Thierhaupten besonders durch die feierliche Primiz des aus dem Ort stammenden Neupriesters Konrad Hölzl, führte der Bischof in seiner Predigt aus. Hölzls erste Jahre als Priester seien ganz im Zeichen des Konzils und der dadurch gesetzten Impulse gestanden.

„Ob in Günzburg – ‚seiner ersten Liebe‘, wie er die Pfarrstelle nannte -, in Kaufbeuren oder später in der Dompfarrei: Konrad verstand sich zuallererst als Diener der Einheit“, erinnerte sich Bischof Bertram. Prälat Hölzl habe oft von der „lebendigen Gemeinde“ gesprochen, die ihm nicht nur äußere Struktur, sondern geistliches Leben gewesen sei. Besonders die würdige Feier der Eucharistie sei ihm dabei am Herzen gelegen.

Eine besondere Begabung sei für Prälat Hölzl das Hören und Sich-Öffnen gewesen, das er schon als Kind inmitten einer zwölfköpfigen Geschwisterschar von klein auf gelernt habe: „Anhören, zuhören, nicht aushören oder verhören: eine Grundhaltung, die er mit der Muttermilch aufgesogen hat. Sein Elternhaus wurde ihm auch eine Hörschule des Glaubens. Denn der Glaube kommt vom Hören.“

Bischof Bertram betonte in seiner Predigt die Gabe des Verstorbenen, Menschen sein offenes Ohr zu schenken.

Die Fähigkeit, sich anderen zu öffnen und in sie hinein zu hören sei eine Grundvoraussetzung der Seelsorge. „Die persönliche Qualifikation, um das Wort Gottes überzeugend verkünden zu können, gründet darin, dass der Priester sich selbst unter das Wort stellt, sich öffnet und zum Hörenden wird“, betonte der Bischof. Konrad Hölzl habe aus und mit dem Wort gelebt und darin die Wahrheit entdeckt, die er in Liebe nahebringen und weitergeben wollte.

Es sei also kein Wunder gewesen, dass Prälat Hölzl auch in der Ökumene einen hervorragenden Ruf weit über die Bistumsgrenzen hinaus genoss: „ökumenisch zog er weite Kreise – weniger durch theologische Spekulationen, geschweige denn riskante Experimente, sondern durch seine Berechenbarkeit, Klarheit und Ehrlichkeit“, so der Bischof. Der „Johannes Heesters vom Dom“, wie er scherzhaft genannt worden sei, habe dem Motto der „liberalitas Bavarica“, der bayerischen Freiheitlichkeit bzw. Freigebigkeit gemäß gelebt und gehandelt: „Leben und leben lassen. Das ist die Einstellung eines noblen und gebildeten Mannes. Nur logisch, dass Konrad auch Ritter vom Heiligen Grab war, verbunden mit Jerusalem und dem Land Jesu!“

Konrad Hölzl sei Mensch mit Leib und Seele gewesen: „er hat gern gelebt, wie er in seinem geistlichen Testament vermerkte. Papst Franziskus hätte seine Freude an ihm.“ Als „Seele von Mensch“ habe er seinerseits die ihm anvertrauten Gemeinden beseelt und sei zur „Seele der Gemeinschaft“ geworden, betonte der Bischof abschließend: „Mögest Du die Stimme des Herrn in anderer, ganz neuen Weise hören, wenn er zu Dir sagt: ‚Konrad, komm! Geh ein in die Freude Deines Herrn.‘ Amen.“

Beisetzung im Innenhof des Domkreuzganges.

Das Pontifikalamt wurde musikalisch durch eine Männerschola der Augsburger Domsingknaben um Domkantor Julian Müller-Henneberg gestaltet. Im Anschluss an die Eucharistiefeier im Hohen Dom trat Prälat Konrad Hölzl seinen letzten Weg auf Erden an und wurde in feierlicher Prozession zu seiner letzten Ruhestätte im Innenhof des Domkreuzganges getragen. Dort wurde er unter Leitung von Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger in der Grablege des Domkapitels bestattet und im Gebet der Gnade Gottes anvertraut.

Prälat Konrad Hölzl wurde 1940 in Thierhaupten geboren und 1967 zum Priester geweiht. Nach Pfarrstellen in Günzburg und Kaufbeuren wurde er 1995 zum Dompfarrer und damit auch zum Domkapitular ernannt. Neben seiner Pfarrstelle nahm er zahlreiche weitere Aufgaben im Bistum und darüber hinaus wahr. Hier finden Sie einen ausführlichen Nachruf auf den Verstorbenen.

Die Domsingknaben begleiteten den Gottesdienst mit einer Schola aus Männerstimmen.
"Zum Paradies mögen Engel dich geleiten..." Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Losinger führt Konrad Hölzl seiner letzten Ruhestätte zu.
Der Verstorbene wurde in der Grablege des Domkapitels bestattet.