08.03.2013 09:02

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs hat das Bistum Augsburg umfangreiche Präventions- und Schulungsmaßnahmen eingeleitet. Prof. Dr. Andrea Kerres von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München hat diese einer umfassenden Überprüfung unterzogen und dabei den eingeschlagenen Weg des Bistums bestätigt. Das Ziel der Diözese, eine informative und zufriedenstellende Schulung flächendeckend durchzuführen, sei erreicht worden, hält die Professorin nach einer detaillierten Befragung der Teilnehmer in einem soeben vorgelegten Bericht über die Schulungen fest.

Frau Professor Kerres hatte gemeinsam mit ihrer Kollegin Frau Maria-Johanna Fath in der Diözese bereits Multiplikatoren geschult und ein Handbuch für die Präventionsmaßnahmen erstellt. Auf Grundlage dieses Aus- und Fortbildungskonzepts wurden im Jahr 2012 im Bistum Augsburg 31 halbtägige und 11 ganztägige Schulungen durchgeführt. Daran nahmen 1039 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teil. „Im Rahmen des von der Diözese Augsburg verabschiedeten Präventionskonzeptes werden die Schulungen auch in den kommenden Jahren fortgesetzt“, ergänzt dazu Bernhard Scholz, der Präventionsbeauftragte der Diözese.

„Wir bemühen uns konsequent nicht nur um die Aufklärung und Intervention, sondern auch um die Prävention von Missbrauch und Gewaltanwendung“, betont Generalvikar Harald Heinrich. Zudem sei von allen kirchlichen Beschäftigten im Jahr 2011 ein erweitertes Führungszeugnis nach dem Bundeszentralregistergesetz erbeten worden. Außerdem sei damals die Verpflichtung zur Vorlage eines solchen Zeugnisses in allen Arbeitsverträgen verankert worden. Für alle seit 2011 angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehöre es zudem zu den Bewerbungsunterlagen, dieses erweiterte Führungszeugnis vorzulegen. „Im Rahmen dieser Überprüfung sind uns einige wenige strafrechtlich relevante Eintragungen bekannt geworden“, so der Generalvikar weiter. „In diesen Fällen wurde entsprechend den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz konsequent reagiert, bis hin zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen.“

Inzwischen liegt auch der Arbeitsbericht des ehemaligen diözesanen Missbrauchsbeauftragten Otto Kocherscheidt über seine Tätigkeit in den Jahren 2010 bis 2012 vor. In dieser Zeit stellte er sich der Aufgabe, die eingehenden Vorwürfe des Missbrauchs und der Misshandlung von Minderjährigen durch Priester und kirchliche Mitarbeiter zu prüfen. „Von März 2010 bis Ende 2012 haben sich insgesamt 171 Personen gemeldet, die über Fälle körperlicher Gewalt, sittlicher Verfehlungen, aber auch andere Taten berichtet haben“, legt Kocherscheidt in seinem Bericht dar. Dabei seien von den 148 klar einzustufenden Fällen zwei Drittel sexuelle Verfehlungen und ein Drittel körperliche Gewalt gewesen. Diese gemeldeten Fälle erstrecken sich über die letzten 60 bis 70 Jahre.

Wegen der Vielzahl an Hinweisen sei zunächst der Eindruck entstanden, „körperliche Gewalt und sexueller Missbrauch seien in kirchlichen Einrichtungen eine systembedingte Begleiterscheinung“, schreibt Kocherscheidt in dem Bericht. Die Analyse der Tatzeiten der gemeldeten Fälle habe diesen Eindruck jedoch widerlegt, heißt es in dem Arbeitsbericht weiter. Während körperliche Misshandlungen mehrheitlich in den 1950er bis 1970er Jahren aufgetreten seien, würden die Tatzeiten bei sexuellem Missbrauch vornehmlich in den Jahren zwischen 1950 und 1980 liegen, begründet dies Otto Kocherscheidt.

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hat die Deutsche Bischofskonferenz finanzielle Leistungen in Anerkennung des Leids der Opfer von sexuellem Missbrauch beschlossen. In der Diözese Augsburg wurden sie bislang an 26 Betroffene in einer Höhe von insgesamt 194 000 Euro geleistet. Zusätzlich wurden Kosten für psychotherapeutische Behandlungen in Höhe von 60 000 Euro übernommen.

„Mit seiner Arbeit und dem jetzt vorliegenden Bericht darüber hat Herr Kocherscheidt einen äußerst wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen geleistet. Dafür sind wir ihm sehr dankbar“, betont Generalvikar Heinrich. Damit sei ein wichtiges Fundament für einen weiterhin verantwortungsvollen und achtsamen Umgang in diesem Bereich gelegt.

Otto Kocherscheidt, Vorsitzender Richter i.R. am Oberlandesgericht München, hat seine Tätigkeit als Missbrauchsbeauftragter zum 1. März 2013 aus Altersgründen beendet und an die Augsburger Rechtsanwältin Brigitte Ketterle-Faber übertragen. Er ist weiterhin im Ständigen Arbeitsstab zur Behandlung von Missbrauchsfällen vertreten und seitdem stellvertretender Missbrauchsbeauftragter des Bistums.

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