Ulrichsfest

Bischof Bertram betont Rolle der Frauen

04.07.2020 11:45

Augsburg (pba). In seiner Predigt zum Hochfest des heiligen Ulrich hat Bischof Bertram heute die Rolle von Frauen im Leben unseres Bistumspatrons gewürdigt. „Wir brauchen die von Gott geschenkten Talente und Charismen“, betonte er, und diese seien nicht an das Mannsein gebunden. Der Bistumspatron Ulrich habe sich von Frauen maßgeblich prägen lassen.

Bischof Bertram verdeutlichte dies während des Pontifikalamts in der Basilika St. Ulrich und Afra am Beispiel dreier Frauen, an denen sich zugleich auch die mütterliche Seite Gottes zeige. Zunächst einmal sei es Thietburga gewesen, die Mutter Ulrichs. Sie habe ihren Sohn glauben und beten gelehrt und den jungen Adeligen in das kirchliche Leben eingeführt. In ihr begegne uns die sorgende und suchende Frau und Mutter. „Mutterliebe ist voraussetzungslos; sie kann nie vergolten werden“, so der Bischof.

Als weitere Frau im Leben Ulrichs nannte er die Märtyrerin und Einsiedlerin Wiborada. Ihr sei Ulrich als Jugendlicher und junger Erwachsener während seines Studiums in St. Gallen begegnet. Fern der Heimat sei sie ihm zu einer zweiten Mutter, aber auch zur Ratgeberin geworden. Bischof Bertram: „In Wiborada fand Ulrich eine erfahrene geistliche Begleiterin“, die für ihn auf der Suche nach seiner Berufung wie Gottes offenes Ohr gewirkt habe. In heutigem Deutsch könne ihr Name mit „Weiberrat“ wiedergegeben werden. Von diesem „Weiberrat“ habe sich der heilige Ulrich geistlich beraten und begleiten lassen und damit das vorbereitet, was wir heute geschwisterliche Kirche nennen würden. Bischof Bertram fügte hinzu: „Glücklich, wer um eine gute, ehrliche und konstruktiv-kritische geistliche Begleitung weiß! Das gilt auch für geweihte Amtsträger – den Bischof eingeschlossen.“

Als dritte prägende Frau ging er schließlich auf die heilige Afra ein. Ihre Verehrung zu fördern sei eines der Hauptanliegen Bischof Ulrichs gewesen. Sie repräsentiere alle Christen der ersten Jahrhunderte und sei für ihn Vorbild und Ansporn gewesen, sich furchtlos zu seiner Stadt und der in ihr lebenden Bevölkerung zu bekennen.

In allen drei Frauen zeige sich das individuelle, unverwechselbare Bekenntnis zu Christus. Bischof Ulrich habe um Frauen gewusst, die seinen Glauben und sein Wirken als geistlicher Mensch gefördert, inspiriert und getragen haben. „Wir brauchen einander“, rief Bischof Bertram deshalb am Ende der Predigt seinen Zuhörern zu.

Zudem erinnerte der Bischof noch an die Ulrichswoche 2019: Genau vor einem Jahr hatte Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch seines Amtsvorgängers Konrad Zdarsa angenommen. „Das Messgewand, das der Bischof vor einem Jahr zum Ulrichsfest trug, ist das gleiche. Der Träger hat gewechselt“, sagte Bischof Bertram und dankte seinem Vorgänger von Herzen für seinen Hirtendienst in der Ulrichsstadt.

Gestern Abend, während der Pontifikalvesper zur Erhebung des Ulrichsschreins, hatte Bischof Bertram in einer kurzen Ansprache über die Rolle der pilgernden Kirche und damit über das Leitwort der diesjährigen Ulrichswoche („Miteinander auf dem Weg“) nachgedacht. „Willkommen im Club der Gemeinschaft der Heiligen“, hieß er den Schrein des Bistumspatrons willkommen. „Wir holen den heiligen Bischof Ulrich aus der Krypta zu uns nach oben, wir bereiten ihm einen festlichen Empfang und stellen ihn mitten in unsere Gemeinschaft der Kirche von Augsburg.“ Denn als pilgernde Kirche seien wir auf dem Weg durch diese schwierige Zeit verbunden mit der himmlischen Kirche, mit der Gemeinschaft der Engel, Seligen und Heiligen. „Heiliger Bischof Ulrich, hilf uns, selbst heilig zu werden!“

Musikalisch begleitet wurde die gestrige Pontifikalvesper von der Schola der Männerstimmen der Domsingknaben unter der Leitung von Domkantor Dr. Julian Müller-Henneberg sowie von Peter Bader (Orgel) und Stefan Eding (Trompete). Den musikalischen Part während des heutigen Pontifikalamts übernahmen das Ensemble AUXantiqua und die Dombläser unter der Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann sowie Domorganistin Claudia Waßner (Orgel) und Umberto Kostanić (Chororgel).

Bedingt durch die Corona-Pandemie kann die Ulrichswoche heuer nicht im gewohnten Rahmen mit großen Wallfahrtsgottesdiensten stattfinden. Sie wird deshalb als „stille“ Ulrichswoche begangen mit täglichen Gottesdiensten um 12 und 19 Uhr. Abends sind dazu auch wechselnde Zelebranten und Prediger eingeladen. Ausführliche Informationen zum Programm gibt es unter www.ulrichswoche.de oder bistum-augsburg.de/ulrichswoche.