Hohes Friedensfest

Bischof Bertram über Grenzen der Inkulturation

05.08.2020 10:16

Augsburg (KNA/pba) Bischof Bertram Meier hat sich gestern Abend im Rahmen des Kulturprogramms zum Augsburger Hohen Friedensfest am 8. August über die Grenzen von Inkulturation geäußert. Thematisch befasst sich das Fest heuer mit Ritualen. Daher unterhielt sich Bischof Bertram in der von Seelsorgeamtsleiterin Angelika Maucher moderierten Runde mit Abbé Felix Ouedraogo aus Burkina Faso über "(Christliche) Rituale - in Deutschland und in Westafrika". Musikalisch umrahmt wurde der Abend im Annahof von Markus Kerber aus Kempten.

Podiumsdiskussion im Annahof (v.l.): Bischof Dr. Bertram Meier, Seelsorgeamtsleiterin Angelika Maucher und Abbé Felix Ouedraogo. (Foto: Anton Stegmair)

Der Bischof lehne nach eigenem Bekunden weibliche Jesus-Bilder ab. "Das geht für einen christlichen Theologen nicht, wenn das Jesuskind in der Krippe als Mädchen dargestellt wird", sagte Bischof Bertram zur Frage des Beachtens der Eigenart einer Kultur bei der Mission. Dies höhle den Kern des Glaubens aus, Jesus sei als Gottes Sohn geboren. Es sei aber richtig, die Frohe Botschaft in die Kulturen einzuführen. Man dürfe das Evangelium nicht "in scheinbar idealer Weise" präsentieren und "Exkulturation" betreiben. Ein "europäischer Mainstream des Christentums" könne "Verengung" bergen.

Ein prägendes Ritual in seinem Leben sei das Handauflegen, so der Bischof. Schon bei der Taufe habe ihm der Priester die Hand aufgelegt - "wohl zur Beruhigung, weil ich so laut geschrien habe". Später hätten seine Eltern ihm vor dem Weg zur Schule ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Schließlich habe er die Hände bei seinen kirchlichen Weihen aufgelegt bekommen. "Das Handauflegen darf aber kein Automatismus werden", warnte er. Bei Diakon- und Priesterkandidaten versprach er, "künftig genau hinschauen" zu wollen, "wem ich die Hände auflege".

Der Bischof berichtete zudem von ihm fremden Ritualen. Nach seiner Priesterweihe habe er einst in Italien einen Gottesdienst gefeiert, hinterher seien zahlreiche Menschen zum Gratulieren gekommen. Er sei sehr lange und sehr viel geherzt worden. Schließlich habe er "alle Nuancen und Farbtöne der Lippenstifte" an sich gehabt, "ich musste mich abputzen".

Höhepunkt des seit Juni laufenden Augsburger Friedensfest-Programms ist am Samstag die Bekanntgabe des neuen Friedenspreisträgers. Der Friedenspreis wird seit 1985 alle drei Jahre vergeben. Mit ihm ehren die Stadt Augsburg und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und Verdienste zur Verständigung zwischen den Religionen. Zuletzt ging der Preis 2017 an Martin Junge, den Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB).

Das Hohe Friedensfest am 8. August wird seit 1650 in Augsburg gefeiert und ist einzig dort gesetzlicher Feiertag. Es kam auf, nachdem die Protestanten das Recht zur Religionsausübung und ihre Kirchen wiedererlangt hatten. Das Friedensfest steht im Bayerischen Landes- und im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.