Bischof Mixa: Heilig sein heißt auf Gott ausgerichtet sein
Augsburg (IBA). „Das Hochfest Allerheiligen weist auf das innere Wesen der Kirche hin. Die Heiligen haben sich von Gott mit seiner Liebe beschenken lassen und diese Liebe weiter gegeben“, sagte Bischof Dr. Walter Mixa vor zahlreichen Gläubigen im Augsburger Mariendom. Gemeinsam mit dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, und Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger zelebrierte der Augsburger Bischof ein Pontifikalamt zum Hochfest Allerheiligen.
Allerheiligen sei eine Herausforderung für die Kirche, denn es gehe nicht um die äußere Gestalt, sondern um das innere Wesen. Dabei verwies der Bischof auf die zahlreichen Christen, die um ihres Glaubens Willen verfolgt werden. Durch die Taufe und die Firmung sind die Christen Kinder Gottes und hinein genommen in seine Liebe. „Heilig sein heißt auf Gott ausgerichtet sein, im Leben und im Sterben“, so der Bischof. Beispielhaft sei der heilige Pfarrer von Ars gewesen, der seine Gemeinde zur Heiligkeit geführt habe. Darin werde das innere Wesen der Kirche erkennbar, dass am heutigen Fest Allerheiligen gefeiert werde.
Allerheiligen ist ein Fest mit österlichem Charakter, das an die Auferstehung und das Ewige Leben erinnert. Die Kirche versteht sich nach ihrem Glaubensbekenntnis insgesamt als Gemeinschaft der Heiligen, das heißt der Lebenden und der schon verstorbenen Gläubigen. Das Fest wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 9. Jahrhundert am 1. November gefeiert.
Allerheiligen und Allerseelen
Das Fest Allerheiligen wird in der westlichen Kirche seit dem 9. Jahrhundert am 1. November gefeiert. Näherhin fassbar in der lateinischen Kirche wird ein solcher Gedenktag seit dem 7. Jahrhundert. In der östlichen Kirche finden wir bereits bei Johannes Chrysostomos im 4. Jahrhundert den „Herrentag aller Heiligen“. An diesem Fest wird nicht nur der offiziell selig oder heilig gesprochenen Menschen gedacht (die erste offizielle Heiligsprechung ist die des Bischofs Ulrich von Augsburg im Jahre 993 durch Papst Johannes XV. gewesen), sondern aller Menschen, deren Leben für immer geglückt ist und die eine volle Gemeinschaft mit Gott gefunden haben. Ursprünglich hatte ein solcher Gedenktag eine enge theologische Anbindung an das Osterfest, denn die Heiligen – vor allem die Märtyrer – folgten Christus, dem Erlöser auf seinem Weg nach. Im Irland des 8./9. Jahrhunderts wurde das Fest schließlich auf einen Termin des keltischen Kalenders – nämlich den Winteranfang – gelegt. Dadurch sollte verdeutlicht werden, dass die Heiligen durch die Gnade Gottes über das Dunkel gesiegt haben.
Später – im 11. Jahrhundert – beginnt sich in theologischer Ergänzung zum Fest Allerheiligen das Fest Allerseelen, das am 2. November gefeiert wird, vom französischen Benediktinerkloster Cluny aus zu verbreiten und zu etablieren. Dieses Fest geht auf Abt Odilo von Cluny (994-1048) zurück. An diesem Tag gedenkt die Kirche jener Verstorbenen, die – zwar in der Gnade Gottes verstorben, aber noch nicht von allen Sündenstrafen befreit – sich in einem Reinigungszustand befinden und noch keine volle Gemeinschaft mit Gott erreicht haben, diese aber, auch durch fürbittendes Gebet, erlangen werden. Mit diesen Festen wird – nicht zuletzt durch die zeitliche Nähe – verdeutlicht, das Lebende und Verstorbene nach wie vor zusammengehören, eine Gemeinschaft von Heiligen, d. h. der durch die Taufe Geheiligten bilden.