Josefstag

„Das Ohr des Herzens auf Empfang gestellt“

19.03.2021 23:30

Am Josefstag, 19. März, hat Bischof Dr. Bertram Meier bei Patronatsgottesdiensten in Augsburg und Nördlingen den Hl. Josef als einen Menschen vorgestellt, der sich als Hörender und gehorsamer Pilger in zweifacher Weise für die Botschaft Gottes „aufmacht“. Am Vormittag feierte der Bischof ein Pontifikalamt für Mitarbeiter des Klinikums „Josefinum“, am Abend in der Kirche St. Josef in Nördlingen.

Foto: Maria Steber / pba.

„Josef hat das Ohr des Herzens auf Empfang eingestellt“, betonte Bischof Bertram in seiner Predigt vor den Gläubigen. „Er macht sich auf, er ist offen für die Botschaft, die ihm zugesprochen wird, und für die Berufung, die er leben soll.“ Sein „Resonanzkörper des Herzens“ sei zum „Ohr für die Botschaft Gottes geworden“. Weil er das Herz aufgemacht habe, sei er dem Geheimnis nähergekommen.

Eine Herzschwäche, die nicht mit medizinischen Mitteln zu heilen sei, stellte Bischof Bertram hingegen als ein Leiden aktueller Zeit vor. „Auch in Corona-Zeiten erleben wir täglich, dass wir wenig Herz haben. Jeden Tag werden Neid-Parolen laut.“ Bei allen Transparenz- und Anstandsdebatten gelte es neben der Gerechtigkeit auch eine „Kultur der Barmherzigkeit“ aufzubauen: „Eine Barmherzigkeit, die ins Leben greift.“

„Josef ist beweglich um Gottes willen“, bescheinigte Bischof Bertram dem Heiligen einen hörenden Gehorsam. Er sei Wege gegangen, die er sich nicht erträumt habe. Sein Leben sei vom „aufbrechen“ gekennzeichnet worden. Als Wanderer und Pilger sei Josefs Weg im Zeichen Abrahams gestanden: „Josef wusste um seine Grenzen. Er war ein Grenzgänger zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.“ Verantwortungsvolles Christsein bedeute auch heute, die Grenzen des Menschen zu achten, betonte Bischof Bertram: „Christsein ist weder Weltverachtung noch Weltflucht, sondern die Bereitschaft, alles Menschen Mögliche dafür einzusetzen, um die Welt humaner zu gestalten.“

Rund um die Kirche St. Josef in Nördlingen wird dieser Auftrag in der kommenden Zeit in die Tat umgesetzt werden. Auf dem Areal soll neben einem Kindergarten ein Sozialzentrum sowie ein Hospiz entstehen. Darüber hinaus sehen die Planungen eine Versammlungsstätte für Menschen aller Generationen vor. „Als Bischof freue ich mich, dass in Nördlingen an einem Quartierszentrum geplant wird“, äußerte sich Dr. Meier zu den Baumaßnahmen. Gerade einer Pfarrei, die dem heiligen Josef geweiht sei, stehe es gut an, sich um Menschen zu kümmern, die vom Netz der Nächstenliebe getragen würden. „Die Diözese ist stolz, dass es solche kreativen Ideen gibt. Sie findet keinen Grund, etwas gegen dieses wichtige Projekt zu erinnern. Ich wünsche mir, dass die beteiligten Partner auch im Hinblick auf eine solide Finanzierung bald in die Zielgerade kommen. Die Kindertagesstätte ist schon gesichert.“ Eine Förderung des Bundes wird hierzu weitere Schritte bahnen.

Ein besonderes musikalisches Geschenk wurde Bischof Bertram zu Beginn der Messe zuteil: Mit einer Vertonung seines Wahlspruchs „vox verbi - vas gratiae“ hieß ihn der Kirchenchor in Nördlingen willkommen.  

Bereits am Vormittag feierte der Bischof einen Pontifikalgottesdienst mit Mitarbeitenden der KJF Klinik „Josefinum“ in der benachbarten Kirche St. Peter und Paul in Augsburg. Die gemeinsame Feier der Messe zu Ehren des Heiligen Josef ist für die Mitarbeitenden der KJF Klinik eine lang gepflegte Tradition. Domkapitular Armin Zürn und Stadtpfarrer Bernd Weidner waren beim Festgottesdienst als Konzelebranten dabei.

Im Rahmen seiner Predigt brachte der Bischof den Anwesenden die Rolle Josefs als Ziehvater näher, der sich trotz seiner offenkundigen Zweifel mutig zu Maria und deren unerklärlicher Schwangerschaft bekannte. Der Zimmermann wurde vom Ungläubigen zum Geheimnisträger – und sein Herz über Nacht zum Resonanzkörper für die Botschaft Gottes. „Ich schlief, aber mein Herz wachte“, zitierte der Bischof aus dem Evangelium.

Im Anschluss an den Gottesdienst führte Bischof Dr. Bertram Meier Gespräche mit den Klinikseelsorgern des Josefinums sowie mit der Klinikleitung, Chefärzten, Vertretern der Mitarbeitervertretung sowie den Mitarbeitenden des Pflegedienstes.

Die beiden Gottesdienste fanden im Rahmen des „Josefjahrs“ statt, das Papst Franziskus für das Jahr 2021 ausgerufen hat. Vor 150 Jahren wurde Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche.

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zum Josefsfest