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Heilige Schrift

Das Wort Gottes neu aufklingen lassen: Studientag zur revidierten Einheitsübersetzung

Bischof Dr. Konrad Zdarsa mit den Referenten Bischof em. Dr. Joachim Wanke, Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Dr. Katrin Brockmöller und Prof. Dr. Stefan Schreiber (v.links). (Foto: Simone Zwikirsch / pba)
Bischof Dr. Konrad Zdarsa mit den Referenten Bischof em. Dr. Joachim Wanke, Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Dr. Katrin Brockmöller und Prof. Dr. Stefan Schreiber (v.links). (Foto: Simone Zwikirsch / pba)
06.03.2018

Augsburg (pba). Im September 2016 wurde die neue Version der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift vorgestellt. Mit Beginn des neuen Lesejahres im kommenden Advent werden die revidierten Texte auch in die Liturgie eingeführt. Aus diesem Anlass hat das Bistum Augsburg gestern zu einem Studientag über die revidierte Einheitsübersetzung eingeladen. Bischof Konrad begrüßte dazu im Augsburger Haus Sankt Ulrich fast 200 Priester, Diakone, pastorale Mitarbeiter/-innen und Religionslehrer/-innen. Er freue sich über die vielen Teilnehmer, die gekommen waren um sich die Texte der neuen Einheitsübersetzung „zu Ohren und Herzen gehen zu lassen“, betonte der Bischof. In vier Vorträgen wurden die Teilnehmer an die neue Version der deutschsprachigen Bibel herangeführt. Die Referenten, darunter der emeritierte Erfurter Bischof Dr. Joachim Wanke, informierten über die Neuerungen und erläuterten die Gründe der Neubearbeitung.

„Die Einheitsübersetzung von 1980 soll einer moderaten Revision unterzogen werden und keine Neuübersetzung sein“, fasste Bischof em. Dr. Joachim Wanke den Wortlaut des Auftrags zusammen, der vor zwölf Jahren die insgesamt 51 Revisoren der Einheitsübersetzung erreicht habe. Der frühere Bischof von Erfurt war von 2008 bis 2016 Vorsitzender des Leitungsgremiums für die Revision der Einheitsübersetzung. In seinem Vortrag „Warum eine Revision der Einheitsübersetzung der Bibel“ sprach er über die Gründe der Neubearbeitung. Hauptsächlich gehe es darum, alte und fremdsprachliche Texte für neue Generationen verständlich zu machen, so Wanke. „Es gibt laufend Änderungen im Sprachgebrauch, wodurch Begriffe neue Bedeutungen erhalten und alte Bedeutungen verloren gehen“, erklärte er. Jede Übersetzung sei letztlich eine Auslegung. Darum müsse man immer wieder überprüfen, was genau eigentlich der Urtext aussagt. „Die Revision ist eine Chance, das Wort Gottes, das in den Wörtern der Bibel zum Klingen kommt, neu aufklingen zu lassen“, betonte Wanke. Sie bewahre viel Vertrautes, vor allem aber mache sie „Fortschritte an Genauigkeit, an Texttreue und an zeitgemäßer Verständlichkeit“.  Darum ermutigte Wanke die Teilnehmer, die revidierte Einheitsübersetzung als vielleicht ungewohnte, aber dennoch willkommene Chance zu sehen, das bisher Gewohnte neu zu hören.

Auf den Vortrag von Bischof Wanke folgten Einblicke in die Werkstattarbeit zweier Bibelwissenschaftler. Anhand von Beispielen zeigten Prof. Dr. Franz Sedlmeier, Lehrstuhlinhaber für Alttestamentliche Wissenschaft an der Universität Augsburg, und Prof. Dr. Stefan Schreiber, Lehrstuhlinhaber für Neutestamentliche Wissenschaft an der Universität Augsburg, welche Neuerungen in der revidierten Einheitsübersetzung zu finden sind. Beide Professoren haben an der Revision der Einheitsübersetzung mitgearbeitet. Die Grundlage der Überarbeitung sei eine präzisere Wiedergabe des hebräischen beziehungsweise griechischen Urtextes gewesen, sagten sie. Dies habe beispielweise zu einer geschlechtersensiblen Sprache geführt, wie sie wohl in den Urfassungen auch angedacht gewesen sei. So schuf Gott für Adam im revidierten Text der Genesis nicht eine „Hilfe, die ihm entspricht“, sondern eine „Hilfe, die ihm ebenbürtig ist“. In der revidierten Übersetzung werden nun nicht mehr nur „Brüder“ angesprochen, sondern „Brüder und Schwestern“.

Eine weitere Neuerung gebe es bei der Aussprache des Gottesnamen, verdeutlichte Professor Sedlmeier. Das Tetragramm  JHWH sei in der revidierten Übersetzung nicht mehr zu finden. Ist von Gott, dem Herrn, die Rede, steht stattdessen das Wort „HERR“ in Kapitälchenschrift. Dadurch könne Gott auch deutlich vom menschlichen Herrn unterschieden werden. Die größte Schwierigkeit haben diejenigen Texte gemacht, die "vertraute und liebgewonnene Formulierungen" enthalten, so Professor Sedlmeier, der für die Revision des Buches Ezechiel verantwortlich war. Auch Professor Schreiber, er revidierte die Thessalonicherbriefe und das Lukas-Evangelium, sprach von diesem Problem. Gerne hätte er beim Text des „Vaterunser“ eine Veränderung vorgenommen, erklärte er während seines Vortrags. Aufgrund der Gebetstradition habe er allerdings darauf verzichtet.

Mit dieser emotionalen Bindung vieler Menschen war auch Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks e.V., während der Revisionsphase häufig konfrontiert. Im vierten Vortrag des Studientages sprach sie über „Bibelpastorale Aspekte“ und berichtete über Reaktionen auf die revidierte Einheitsübersetzung, die sie von Gläubigen und Hauptamtlichen erhalten hatte. Diese reichten von strikter Ablehnung und Entsetzen über eine wachsende Annahme der revidierten Texte bis hin zu Dankbarkeit und Begeisterung, so Brockmöller. Den Teilnehmern des Studientages gab sie einen motivierenden Rat für die pastorale Arbeit mit der neuen Einheitsübersetzung mit auf den Weg: „Jetzt ist die Chance, die Bibel neu zu lesen. Nutzen Sie das!“

Nähere Informationen und alles  Wissenswerte zur „Neuen Einheitsübersetzung“ finden Sie auf den Seiten des Katholischen Bibelwerks.