Gottesdienst mit Bischof Bertram

„Die Weihe ruft nicht nur an Altar und Ambo“

03.05.2020 11:30

Der Apostolische Administrator Dr. Bertram Meier hat heute, am vierten Sonntag der Osterzeit, auf die vergangenen Wochen der Corona-Zeit zurückgeblickt. Mit Blick auf das heutige Tagesevangelium stellte er in seiner Predigt gute und schlechte Formen des Hirtendienstes vor. 

Bildmaterial: katholisch1.tv

Er rief dazu auf, Hirten nach dem Herzen Gottes zu werden und stellte die Frage, ob der Dienst aller getauften und gefirmten Christen und Christinnen nicht engagierter wahrzunehmen sei. Hinsichtlich der Livestream-Angebote warnte er vor einer Wende hin zu einer virtuellen Frömmigkeit. 

Wenn Jesus in seiner Rede vom Hirten von „Dieben und Räubern“ spreche, beschreibe er „Menschen, die ihre Macht missbrauchen und üble Absichten hegen“. Ihnen gehe es nur um sich und den eigenen Gewinn. Jesus hingegen lege ein Kontrastprogramm auf, indem er ein Hirtenbild zeichne, das Züge seiner Lebensgeschichte trage: „Seine Hirtenrede ist keine harmlose Schäferidylle. Es geht um Leben und Tod. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe“, betonte Bischof Bertram und nahm vor diesem Hintergrund auch die Kirche selbst ins Visier: „Können wir dieses Bild vom guten Hirten, wie Jesus es zeichnet, für die Hirten und Oberhirten der Kirche in Anspruch nehmen?“, stellte er als Frage in den Raum. Mit einem Verweis auf Papst Franziskus, der Priester als Hirten mit dem Geruch der Schafe sehen möchte, betonte Dr. Meier: „Man muss riechen können, dass ihr es mit den Menschen von heute zu tun habt – nicht wie sie sein sollen, sondern wie sie tatsächlich sind.“ Dabei gelte es der Versuchung zu widerstehen, geruchsneutral zu sein, steril. „Die Frohe Botschaft ist nicht nur gedacht für das Hirn, sondern auch für das Herz“, so der ernannte Bischof. 

Mit Blick auf die vergangenen Wochen der Corona-Krise richtete er ein Wort des Dankes an alle Priester, Diakone, Frauen und Männer, die dafür gesorgt hätten, dass Ostern nicht ausgefallen sei: „Mit Dankbarkeit und Respekt durfte ich in den Corona-Krisen-Wochen feststellen, wie reich an pastoralen Initiativen unsere Pfarreien, Gruppen und Orden sind.“ Corona habe Einfallsreichtum geweckt. „Danke für alle phantasievollen Projekte! Mögen sie nicht nur Notfallprogramm bleiben“, wandte sich Bischof Bertram an alle Engagierten und warnte gleichzeitig davor, den Gang in die Diakonie zu meiden. Das Kerngeschäft eines Hirten bestehe nicht nur darin, festliche Gottesdienste zu zelebrieren. Wir „dürfen in unserem Bistumsstall nicht bloß ein Aroma zulassen, etwa Weihrauchduft. Wir sollen an die Ränder gehen, Marginalität ernst nehmen.“ Viele Engagierte seien kreativ, wenn es darum gehe, Menschen zu erreichen, die niemanden haben und am Rande stünden. „Doch leider habe ich auch gemerkt, dass einige wenige sich vom Hirtendienst einfach frei genommen haben“, so der Apostolische Administrator und stellte weiter fest: „Es muss allen klar sein: Die Weihe zum Hirten ruft nicht nur an Altar und Ambo, sondern zu den konkreten Menschen.“ Alle Frauen und Männer ermunterte er unabhängig einer Weihe oder kirchlichen Beauftragung dazu, einander Hirtinnen und Hirten zu sein. Vielleicht sei „diese Zeit der Kirche“ die Stunde, den Hirtendienst aller Getauften und Gefirmten tiefer zu erfassen und engagierter wahrzunehmen: „Mit dem Ziel, den Menschen von heute eine neue Gestalt des Christentums zu präsentieren.“          

Das über Wochen währende Livestream-Angebot bezeichnete Bischof Bertram als einen „Segen der Technik“, sei doch die Bischöfliche Hauskapelle zum Mittelpunkt eines großen Netzes von Betern geworden. Diese Zeit müsse aber wieder aufhören, betonte er: „Es darf keine Wende zur virtuellen Frömmigkeit geben. Jesus will Realpräsenz.“ Der Ausnahmezustand sei der Notsituation geschuldet gewesen. Denn das Ideal der Kirche sei immer mit dem Volk und mit den Sakramenten, so der ernannte Bischof mit einem Verweis auf Worte von Papst Franziskus.