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Caritas

Diözesan-Caritasdirektor bittet Politik und Behörden "innezuhalten" und um neuen Blick auf die Migration

20.07.2018

Augsburg (pca). Als kürzlich 69 Menschen nach Afghanistan abgeschoben wurden, reagierten auch Vertreter aus der Wirtschaft empört. Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg bittet nun die Politik wie auch die zuständigen Behörden „innezuhalten“. „Es gilt, sich selbstkritisch die Frage zu stellen, ob die Gesetze und Regelungen in der Flüchtlingsfrage nur noch den Selbstzweck der Einhaltung von Ordnung und einer vermeintlichen Sicherheit erfüllen, aber das Hauptziel, dem Menschen und unserem Land zu dienen, aus dem Blick gerät.“

Wenn Menschen abgeschoben werden, die hier bei uns integriert sind und die durch ihr Arbeiten, ihre bewiesene Bereitschaft, sich in unsere Gesellschaft und unsere Ausbildungs- und Arbeitswelt zu integrieren, „ist das ein fatales, kontraproduktives Signal für alle Integrationsbemühungen von ehrenamtlichen Helfern und hauptamtlichen Beratern in der Flüchtlings- und Asylberatung“, so der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor. „Auch die Flüchtlinge, die sich bislang vorbildlich bemüht haben, an Alphabetisierungs- und Sprachkursen z.B. teilnahmen, verlieren dadurch ihre Motivation.“ Berater der Caritas hätten ihm berichtet, dass viele der Flüchtlinge die Hoffnung nun aufgeben, weil all ihr Bemühen nichts bringen würden. „Sie fallen bis zu einer endgültigen Entscheidung in ihren Fällen in ein emotionales Loch und werden depressiv.“
Deutschland sei, so Dr. Magg, mit das reichste und am besten organisierte Land der Welt. Es benötige Arbeitskräfte aus dem Ausland, um auch weiterhin erfolgreich bleiben zu können. „Ist es dann in unserem deutschen Interesse, Menschen abzuschieben, die alles getan haben und tun, um hier in Deutschland an unserem Erfolg teilhaben zu können und damit auch unser Land zu stärken, nur weil sie ein formales Kriterium mit sich herumtragen, das, so die Regelung, eine Abschiebung vorsieht?“  

Der Diözesan-Caritasdirektor wünscht sich deshalb, dass die gesetzlichen und behördlichen Vorgaben so abgeändert werden, dass bewiesener Integrationswillen und die entsprechende Verwirklichung im Alltag zu „einem anerkannten Kriterium“ für ein Bleiberecht wird. Wenn die Politik dies anerkenne, „dann fördern wir die Integrationsbereitschaft der Geflüchteten, statt den Frust der ehrenamtlichen Helfer, der hauptamtlichen Berater und der Flüchtlinge selbst“, so Dr. Magg.

Gleichzeitig bittet er Politik und die Gesellschaft darum, Flüchtlingsarbeit auch als einen wichtigen Aspekt der Entwicklungshilfe zu betrachten. „Je mehr Menschen wir erfolgreich fördern und ausbilden, je mehr es uns gelingt, so vielen Flüchtlingen und Asylbewerbern wie möglich unsere Werte ans Herz zu legen, nutzen wir nicht nur uns selbst. Wenn diese Menschen in ihr Heimatland zurückkehren, könnten sie für sich, aber auch für uns dort Entwicklungshilfe leisten.“ Der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor wünscht sich deshalb einen neuen Blick auf die Flucht und Migration nach Europa. „Es ist gleichzeitig eine Chancenwanderung, eine Wanderungsbewegung, die auf eine bessere Welt hier bei uns hofft. Wir müssen lernen, sie umzuwandeln in eine Entwicklungs- und Bildungswanderung, die diese Menschen ermutigt, mit neuem Wissen und neuer Hoffnung in ihr Land zurückzukehren.“