Seelsorge

Psychologische Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen legen Tätigkeitsbericht 2019 vor

20.07.2020 14:54

Augsburg (pba). Die psychologischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) in der Diözese haben heute ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2019 vorgestellt. Diözesanfachreferentin Helga Kramer-Niederhauser, Gesamtleiterin der EFL im Bistum, blickte vor Medienvertretern auf steigende Zahlen und neue Herausforderungen in Corona-Zeiten.

Tätigkeitsbericht 2019 vorgestellt: Helga Kramer-Niederhauser präsentiert Zahlen und Fakten aus dem Berateralltag. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Im Jahr 2019 wurden in den 25 Beratungsstellen für 7.210 (2018: 7.025) Personen 27.871 (2018: 27.552) Beratungsstunden geleistet. „Damit haben wir einen leichten Zuwachs bei den Klienten um 1,7 Prozent, bei den Beratungsstunden um 1,2 Prozent“, schilderte Kramer-Niederhauser. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund sei von neun auf 13 Prozent gestiegen. Der unverändert hohe Beratungsbedarf konnte zwar personell bewältigt werden, allerdings habe es an manchen Stellen wie in Augsburg Wartezeiten von deutlich mehr als sechs Wochen gegeben. „Lediglich bei akuten Krisengesprächen konnten wir kurzfristigere Termine anbieten.“

Auffällig sei laut Kramer-Niederhauser zudem eine Zunahme der Paar- und Familienberatungen um drei bzw. 4,5 Prozent. „Was wir bei Paaren feststellen, ist die zunehmend hohe Belastung durch die geforderte Flexibilität im Arbeitsalltag sowie die Mehrfachbelastung bei Versorgung von pflegebedürftigen Eltern bei gleichzeitiger Fürsorge für die Kinder“, erläuterte die Diözesanfachreferentin. Diese ohnehin schon herausfordernde Situation habe sich bei vielen während der Corona-Pandemie verschärft. Hier sei besonders deutlich geworden, wie wichtig einerseits die Präsenzberatung für Menschen in Krisen sei, wie es andererseits aber auch überaus wertvoll war, dass die Beratung während des gesamten Lockdowns telefonisch aufrechterhalten werden konnte. „Beratungsthemen waren und sind insbesondere der Umgang mit Stress, Vermeidung von Eskalationen, Umgang mit der geforderten sozialen Distanz, fehlende Außenkontakte, Sorge um Angehörige in Kliniken und Pflegeheimen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst, angesteckt zu werden“, so Kramer-Niederhauser.

(v.l.) Ursula Texier (Leitung EFL Donauwörth), Seelsorgeamtsleiterin Angelika Maucher, Diözesanfachreferentin Helga Kramer-Niederhauser.

Ursula Texier, Stellenleiterin der EFL in Donauwörth und seit 22 Jahren als EFL-Beraterin tätig, konnte in der Rückschau auf ihre berufliche Tätigkeit zuletzt vor allem eines feststellen: „Die grundsätzliche Akzeptanz von Beratung hat deutlich zugenommen.“ Allerdings seien die Mitarbeiter auch mit einer gestiegenen Anspruchshaltung der Klienten konfrontiert, so Texier. „Als Berater bieten wir eine verlässliche Bindung, wir bieten Zeit, einen sicheren Raum und laden Klienten ihrerseits zur Verbindlichkeit ein.“ Für Klienten bedeute das, sich einzulassen auf einen Entwicklungsprozess. Denn bei der Beratung erfahren sie, dass es auf ihre eigene Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung ankomme, wenn der Prozess erfolgreich sein soll. „Sie lernen mit Grenzen umzugehen, eigene Grenzen zu schützen und Unabänderliches zu akzeptieren.“ Genau diese Themen seien nämlich oft die Themen, die die Probleme in der Paarbeziehung widerspiegeln.

Zur Vorstellung des Berichts ging Angelika Maucher, Leiterin des Bischöflichen Seelsorgeamts, auf die gestiegene Anzahl der Kirchenaustritte und die in dem Zusammenhang häufig gestellte Frage „Wozu Kirche?“ ein. Während die meisten Menschen bei Kirche zunächst an Gebäude und Gottesdienste dächten, würden die vielfältigen Dienste für Menschen in besonderen Lebenssituationen oft nicht als kirchliches Engagement wahrgenommen. „Mit den Fachstellen der psychologischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet die Kirche Anlaufstellen, die nicht mit geringer werdender Nachfrage konfrontiert sind. Im Gegenteil: Hier kommt Kirche als konkrete Unterstützung zum Leben an“, betonte Maucher.

Die Bedeutung von Verbundenheit, die durch die Corona-Pandemie stark ins Zentrum gerückt sei, werde in vielen Paar- und Familienbeziehungen teilweise leidvoll als Verstrickung und Abhängigkeit erlebt. Gleichzeitig könne sie jedoch auch stärkendes Netz sein. „Beratung hilft klären, was in Beziehungen trägt. Sie gehört zum Zentrum kirchlichen Engagements.“