Ulrichswoche

Frauenwallfahrt: Horchen auf den Herzschlag Gottes

10.07.2019 11:33

Augsburg (pba). Das Wegkreuz ging den Wallfahrerinnen voraus, viele blaue und weiße KDFB-Fahnen begleiteten sie: Auch heute in aller Frühe machten sich wieder rund 500 Frauen zur traditionellen Frauenwallfahrt in der Ulrichswoche auf den Weg, um gemeinsam zu beten und zu singen auf ihrer Prozession vom Hohen Dom zur Ulrichsbasilika. Begleitet wurden sie dabei von Domkapitular Msgr. Harald Heinrich, der auch dem anschließenden Gottesdienst vorstand.  

Rund 500 Frauen machten sich heute bei der Frauenwallfahrt singend und betend auf den Weg. (Foto: Maria Steber / pba)

Die Wallfahrt und der Gottesdienst standen unter dem Motto „Gottes Wort in uns zum Klingen bringen“.  Es wurde passend zum diesjährigen Leitwort der Ulrichswoche ausgewählt. „In der Botschaft Gottes gibt es vieles, was Frauen anspricht. Wir wollten die Wallfahrerinnen zum Nachdenken anregen, wie die Botschaft Gottes bei ihnen zum Klingen kommt. Denn nur wenn wir selber das Wort in uns zum Klingen bringen, können wir es auch weitergeben“,  erklärt Ursula Schell, geistliche Begleiterin beim Frauenbund Diözesanverband Augsburg. 

Auch Domkapitular Msgr. Harald Heinrich griff das Motiv vom „Hören und Hinhorchen“ in seiner Predigt auf: „Der Glaube kommt vom Horchen auf den Herzschlag Gottes“, verwies er auf die grundlegende Bedeutung des Hörens für eine gelingende Beziehung zwischen Mensch und Gott. Alle unsere guten Vorsätze, Anstrengungen, Lausch- und Stilleübungen blieben trocken und leblos, wenn nicht der zündende Funke Gottes hinzukomme. „Der Herr öffnet uns das Herz für ihn und für andere. Gott gerne reden hören, das ist die sprudelnde Quelle für gutes Leben und lebendigen Glauben“, betonte Heinrich.

Wie in der Beziehung zwischen den Menschen so sei auch die Gottesbeziehung von verschiedenen Varianten des Horchens geprägt: Hinhören, Aufhorchen und Gehorchen gehöre hier dazu. Er ermutigte die Frauen deshalb, mit Gott durch diese „vielfältigen Tonlagen der Beziehung“ des Horchens zu gehen. Gleichzeitig gelte es hierbei nicht nur den Dialog innerhalb der Beziehung zu pflegen, sondern auch die Dimension des „Anderen“ zu achten. Das „Hinhorchen auf die anderen, in der Gemeinde, im Bistum, im Verband“ habe etwas für die eigene Glaubensbeziehung zu sagen, erklärte Domkapitular Heinrich. „Nehmt Gottes Melodie in Euch auf“, rief er den Frauen abschließend in Bezug auf den Kirchenvater Ignatius von Antiochien zu. „So werdet ihr alle zu einem Chor. In Eurer Eintracht und zusammenklingender Liebe ertönt durch Euch das Lied Jesu Christi. Das ist das Lied, das Gott hört und erkennt.“   

Traditionell am Ende der Messe wurden auch heuer die Ulrichsbrote gesegnet. Sie standen in großen Körben vor dem Altar. Die Semmeln erinnern noch heute an die Ursprünge der Wallfahrt vor 72 Jahren: sie war geprägt vom Gebet um Frieden, Versöhnung und Solidarität.