Katholische Arbeitnehmerbewegung

Gedenkfeier zum 100. Geburtstag Marcel Callos

06.12.2021 21:07

Bei einem Pontifikalamt und einer Statio vor dem Marcel-Callo-Haus in Augsburg haben heute die Mitarbeiter/-innen und Engagierten der Katholischen Arbeitnehmerbewegung des Namensgebers ihres Bürogebäudes, Marcel Callo, gedacht. Der Patron der Christlichen Arbeiterjugend wäre am heutigen 6. Dezember 100 Jahre alt geworden. Ausgezehrt und todkrank starb er im März 1945 im Konzentrationslager Mauthausen bei Linz. Bischof Bertram bezeichnete ihn als einen Menschen, der von einer tiefen Liebe zu Christus und den Menschen durchdrungen war. Mit einem besonderen Gebetsanliegen wandte er sich am Ende des Gottesdienstes an die Gläubigen.

Bei einem Pontifikalamt mit Bischof Bertram und einer Statio haben die Engagierten der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) des seligen Marcel Callos zu seinem 100. Geburtstag gedacht. (Foto: Maria Steber / pba)

Marcel Callo habe seinen Auftrag darin gesehen, als „Missionar“ unter seinen Schicksalsgenossen zu wirken, betonte Bischof Bertram in seiner Predigt und erinnerte an das Strohblumenkreuz, vor dem er und seine Mitgefangenen im Gefängnis von Gotha Gottesdienst gefeiert hatten: „Sein Glaube war nie Strohfeuer, er war wie eine Sonnenblume, die hineinstrahlte in die Dunkelheit dieser Zeit.“ So wie sich Franz von Assisi zu Beginn des 12. Jahrhunderts vom Evangelium und der göttlichen Stimme in seinem Herzen führen habe lassen, so sei es auch bei Marcel Callo gewesen, der am Gedenktag des hl. Franziskus von Assisi, am 4. Oktober, seliggesprochen wurde: „Beide jungen Männer setzten alles auf eine Karte, ließen sich auf das Wagnis ein, die unsichtbare Wirklichkeit Gottes höher einzuschätzen als die sichtbare, dem lebendigen Gott mehr zu gehorchen als Menschen“, so der Bischof.

Marcel Callo, dem es laut zweier Reden bereits in seiner CAJ-Gruppe der Pfarrei darauf angekommen sei, in all seinen Handlungen dem göttlichen Vorbild, Christus dem Arbeiter, nachzueifern, sei 1991 ein kleiner Bruder geboren worden, stellte Bischof Bertram in Verweis auf die Seligsprechung von Carlo Acutis im vergangenen Jahr in Assisi fest. Acutis, der mit 15 Jahren an Leukämie starb, sei wie Callo zu einem beeindruckenden Christen geworden, der sich für die Benachteiligten in seiner Schule einsetzte und die tägliche Eucharistie über alles schätzte.

„Franziskus von Assisi, Marcel Callo und Carlo Acutis: drei Namen, drei Leben und drei Zeugen der Liebe, die dem Ruf Christi gefolgt sind“, betonte Bischof Meier in Bezug auf die jungen Männer aus ganz verschiedenen Zeiten. Vereint habe diese eine tiefe Liebe zu Christus und zu den Menschen, die Gott ihnen als Weggefährte geschickt habe.

Mit einem besonderen Gebetsaufruf wandte sich Bischof Bertram schließlich noch ganz am Ende des Gottesdienstes an die Festgemeinde. So betonte er, wie gerne er doch eine neugebaute Kirche oder Kapelle dem seligen Marcel weihen würde, wenn die anwesenden Gläubigen dies zu ihrem inständigen Gebetsanliegen machen würden. "Beten Sie, dass aus Häusern aus Stein, lebendige Glaubenshäuser werden. Starten wir eine große Gebetsinitiative für die Verlebendigung der Kirche von Augsburg", rief Bischof Bertram den Gläubigen zu. 

Neben dem Bischöflichen Zeremoniar, Domvikar Ulrich Müller, waren beim Gottesdienst auch Verbändereferent Dominik Zitzler, Pfarrer Franz Götz sowie der Stadtpfarrei von St. Ulrich und Afra, Christoph Hänsler, dabei. Im Gedenken an das Leben und Wirken Marcel Callos wurden noch während des Pontifikalamts Texte von Rosemarie Pabel, Vize-Postulatorin des Seligsprechungsprozesses sowie dem ehemaligen KAB-Diözesansekretär, Herbert Fitzka, vorgelesen.

Bereits vor dem Gottesdienst hatten sich die Engagierten in einer Statio vor dem Marcel-Callo-Haus versammelt. Dabei segnete Bischof Bertram das Bürogebäude, die Mitarbeiter/-innen und Aktiven des Verbands. Eine kurze Prozession führte die Festgemeinde danach in die benachbarte Basilika St. Ulrich und Afra. Vorangetragen wurde eine geschnitzte Form des Strohblumenkreuzes, vor dem Marcel Callo im Gefängnis mit seinen Mitgefangenen Gottesdienst gefeiert hatte.     

Marcel Callo wurde am 6. Dezember 1921 im bretonischen Rennes als zweites von neun Kindern geboren und wuchs in einfachen Familienverhältnissen auf. Früh engagierte er sich in der Jugendarbeit, zunächst bei den Pfadfindern, später bei der Christlichen Arbeiterjugend. Von den Nationalsozialisten wurde er 1943 zum Arbeitsdienst nach Deutschland einberufen und zum Dienst in einem Rüstungsbetrieb in Thüringen bestellt. Weil er Gottesdienste organisierte und eine katholische Aktionsgruppe gründete, verhaftete ihn die Gestapo im Jahr 1944 und überführte ihn in die Konzentrationslager Flossenbürg sowie Mauthausen bei Linz. Ausgezehrt und todkrank starb Marcel Callo am 19. März 1945 im Krankenrevier des Lagers.   

Marcel Callo wurde am 4. Oktober 1987 in Rom seliggesprochen. Seit 1988 trägt das Bürogebäude der CAJ, KAB und Betriebsseelsorge seinen Namen.

Mit dem traditionellen Adventskalender an den Fenstern des Marcel-Callo-Hauses machen die Engagierten des Verbands heuer auf den 100. Geburtstag ihres Patrons, sein Leben und Wirken, aufmerksam. Jeden Tag öffnet sich in der Weite Gasse 5 ein Türchen mit Zitaten des Seligen oder Würdigungen seiner Person.     

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zum 100. Geburtstag von Marcel Callo

In einer Prozession zog die Festgemeinde vom Marcel-Callo-Haus zur benachbarten Basilika St. Ulrich und Afra. (Foto: Maria Steber / pba)
In einem bewegenden Gottesdienst wurde des Lebens und Wirkens des Seligen Marcel Callos gedacht. (Foto: Maria Steber / pba)
Das Marcel-Callo-Haus in der Weiten Gasse in Augsburg. Derzeit schmückt ein Adventskalender das Dienstgebäude der Arbeitnehmerbewegung. (Foto: Maria Steber / pba)