Grundsteinlegung im neuen Begegnungszentrum
Das Pastorale Begegnungszentrum und der neue Kindergarten im Füssener Westen nehmen nach Abriss der Kirche vor knapp zwei Jahren zunehmend Gestalt an. Ein neuer Meilenstein wurde an diesem Freitag gesetzt: Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts segnete Bischof Dr. Bertram Meier den Grundstein des Gemäuers. Eine Zeitkapsel mit Gebeten, Wünschen und persönlichen Notizen trägt unter anderem fortan die Handschrift von Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft.
In einer liturgischen Feier im zukünftigen Pfarrsaal des Gebäudes zeigte sich Bischof Bertram erfreut über den Fortschritt des Bauprojekts, das sich auf Basis der Vergangenheit mutig den Herausforderungen der Zukunft stelle. „Wir gehen als Kirche immer auf der Linie der Kontinuität mit allen und allem, was vor uns war. Zugleich steht das Begegnungszentrum dafür, dass wir als Kirche im 21. Jahrhundert neue Wege zu gehen wagen. Es ist kein Trauerspiel, sondern der ‚Versuch‘, adäquat auf die neue pastorale Ausgangslage zu antworten. Ich gratuliere Füssen zu diesem zukunftsträchtigen Projekt.“
Wie dieses zukünftig pastoral mit Leben gefüllt werden könne, dafür gab Bischof Bertram den Gläubigen drei Impulse mit auf den Weg. So sei es zunächst einmal wichtig, der Begegnung mit Gott in verschiedenen Formen des Gebets oder in Gesprächsrunden Raum zu geben. „Kirche sein heißt, um Christus versammelt zu sein, in einer Beziehung mit ihm zu leben.“ Dies bedeute auch, den Glauben inhaltlich zu verkünden. „Inhaltlich heißt keinesfalls trocken, sondern im Gegenteil: Glaube soll erfahrbar werden.“
Darüber hinaus komme es darauf an, den Raum als gemeinsame Einheit zu pflegen. „Kirche als Gemeinschaft darf nicht auf Gott und Mensch beschränkt werden. Jesus hat die Jünger mit ihren unterschiedlichen Charakteren zu einer Gemeinschaft zusammengefügt, in der gemeinsam gegessen, gelacht, geweint und gefeiert wurde.“ Gerade in Städten bestehe die Gefahr, in den Gemeinden anonym aneinander vorbeizulaufen. „Lernen wir uns in der Unterschiedlichkeit anzunehmen“, rief Bischof Bertram den Gläubigen zu und lud sie ein, als Gemeinschaft zu leben, in der Menschen sich gegenseitig unterstützen.
Dies bedeute auch, offen zu sein für unbekannte Menschen oder Gruppierungen, gab der Bischof den Gläubigen als dritten Impuls mit auf den Weg. „Wo Gott Raum gewinnt und gute Beziehungen authentisch gelebt werden, kann das auf Außenstehende positiv wirken - so positiv, dass Interesse entsteht, sich dieser Glaubensgemeinschaft anzuschließen.“ Dies setze jedoch voraus, dass Menschen leicht mit der Kirche in Kontakt kommen können, gab er gleichzeitig zu bedenken.
„Ich begrüße die bisherigen Überlegungen sehr, dass hier Christinnen und Christen aus Verwaltung, Caritas und dem Sozialdienst Katholischer Frauen anzutreffen sein werden. Auch Realschule und Kindergarten sind vor Ort“, schloss der Bischof mit einem Wunsch für die Füssener: „Gott Raum geben, einander im Glauben und für das Leben stärken und Neue dazugewinnen – das möge die Zukunft der PG Füssen mit dem Pastoralen Begegnungszentrum sein.“
Das Ziel, die Wurzeln der Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft des Hauses zu verbinden, wird im alten und gleichzeitig neuen Grundstein des Baus deutlich. So wurde der ursprüngliche, sehr große Grundstein um die Hälfte verkleinert, das damalige Bischofswappen belassen und um das neue Wappen von Bischof Bertram ergänzt.
Die Zeitkapsel enthält neben den üblichen zeitdokumentarischen Inhalten fortan auch besonderes: Denn als lebendige Bausteine der Pfarrei waren die Gläubigen dazu aufgerufen worden, Gebete, Wünsche oder persönliche Notizen zu formulieren. Zahlreiche Rückmeldungen sind eingegangen, die nun im Grundstein verewigt wurden.
Im Rahmen der Grundsteinlegung hatten die Gläubigen bereits die Möglichkeit, das pastorale Zentrum in seinen Grundzügen zu besichtigen. Außerdem berichtete der Architekt über Baufortschritte und gab Einblicke in die Gebäudestruktur. Nach aktueller Planung ist mit einer Fertigstellung des Projekts im Frühjahr 2027 zu rechnen.
Hintergründe zum Abriss und Neubau
Aufgrund des schlechten baulichen Zustands des Pfarrheims und Kindergartens vor rund 10 Jahren hatte der Bezirk Schwaben einer Renovierung der beiden Gebäude nicht mehr zugestimmt. Ein Neubau auf gleichem Grundstück war wegen baulicher Bestimmungen nicht möglich. Gleichzeitig standen umfangreiche Sanierungen für die Kirche Acht Seligkeiten an.
Die Konzentration auf ein Gebäude, das als „Begegnungszentrum“ sowohl Liturgie und Seelsorge, als auch Begegnung und Verwaltung ermöglicht, wurde als tragfähige Lösung für das zukünftige kirchliche Wirken im Füssener Westen gefunden. Ein langjähriger Beteiligungsprozess von Verantwortlichen der Pfarrei, Gläubigen und diözesanen Gremien begleitete das Projekt von Beginn an.