Bischof Bertram

Gruß zum neuen Arbeitsjahr

08.09.2020 08:23

Mit einem herzlichen Gruß zum neuen Arbeitsjahr hat sich Bischof Bertram an die Mitbrüder im Geistlichen Dienst und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bischöflichen Ordinariat gewendet. In seinem Brief bedankt er sich bei allen für ihr Engagement und ihren kreativen Einsatz vor allem in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zugleich formuliert er auch einen konkreten Wunsch und eine Bitte an die Beschäftigten im kirchlichen Dienst.

Foto: Bernd Müller /pba.

Herzlicher Gruß des Bischofs zum neuen Arbeitsjahr

 

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ordinariat,

schon nach meiner Ernennung zum Bischof von Augsburg und dem für mich beglückenden Auftakt im Dom, bei dem mir so viel Sympathie und Wohlwollen, ja Freude entgegenschlug, hatte ich vor, Sie bald nach der Weihe zu einem Treffen einzuladen. Dass es dabei ganz schlicht auch um das Kennenlernen des obersten Vorgesetzten gehen sollte, zeigten mir – Wochen vor Corona – Telefongespräche mit mehreren Mitarbeitern, die mit meinem Namen nichts anfangen konnten und deshalb meiner Bitte, mich zu ihrem Chef durchzustellen, nicht Folge leisteten.

Leider ließ die Viruspandemie alle Pläne, sich im persönlichen Gespräch auszutauschen, platzen und erforderte von uns erhöhte Flexibilität sowie eine neue Form der Solidarität. Jede und jeder von uns musste einen Weg finden, wie Beruf und Familie, privates und öffentliches Leben unter ungewohnten Bedingungen in Einklang zu bringen sind. Für alle in der Pastoral Tätigen hieß das: Seelsorge auf Sichtweite - und zugleich auf Distanz. Ich bin sehr dankbar für Ihr großes Engagement von Anfang an und eine aufblühende Kreativität, die überraschende Zugänge zu den Menschen ermöglichte. Nicht wenige standen ja in der Vorbereitung zum Empfang eines Sakramentes und sahen sich plötzlich blockiert oder alleingelassen. Familien und Einzelne kamen durch den Lockdown in psychische oder finanzielle Not, viele ältere Gemeindemitglieder und Nachbarn erlebten sich als stark gefährdet und waren extrem verunsichert. Hier ein möglichst engmaschiges Hilfe-Netz zu knüpfen, das auch an Pfarreigrenzen nicht endete, war das Gebot der Stunde: Innerhalb der diözesanen Stellen mussten Absprachen getroffen werden, Homeoffice-Arbeitsplätze waren einzurichten und vieles lief über Telefon- oder Videokonferenz.

Auch wenn im Rückblick sicher jedem von uns etwas einfallen würde, was man hätte besser machen können, so hatte ich selbst doch den Eindruck, dass wir insgesamt gut auf die Krise reagiert haben und bis jetzt unsere Offenheit und Reaktionsbereitschaft anhält.

Und das ist auch richtig so: Denn noch gibt es keine Entwarnung, wir müssen weiterhin lernen, mit dieser Situation umzugehen, immer im Bewusstsein, dass wir alle, ausnahmslos alle, die wir im Ordinariat arbeiten, im Dienst an den Gläubigen stehen. Sie sind es, die uns zum großen Teil – zumindest indirekt – finanzieren. Uns gibt es nur, weil es sie gibt. Um es biblisch auszudrücken: Ein Hirte ist nur dann Hirte, wenn er für eine Herde sorgt. Deren Wohl, nicht in erster Linie sein eigenes, steht im Vordergrund. So lade ich Sie alle ein, ganz gleich, ob Sie unmittelbar in der Pastoral stehen oder Dienste im internen, technischen oder kaufmännischen Bereich wahrnehmen: Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie diesem Auftrag in so herausfordernden Zeiten immer wieder neu gerecht werden können.

Im Grunde sind es folgende Haltungen, die von uns erwartet werden: Respekt und Wertschätzung gegenüber jeder Person, der wir begegnen; der häufige, ja selbstverständliche Einsatz von „Bitte, Danke und Entschuldigung“ (vgl. Amoris laetitia 133) und der erklärte Wille, Verantwortung für das eigene Tun und Lassen zu übernehmen.

Wo bleibt da das unterscheidend Katholische, werden manche denken. Tatsächlich: Christen erkennt man daran, dass sie Menschen sind und es selbst unter schwierigen Bedingungen und wenn es zu ihrem eigenen Nachteil ist, auch bleiben (vgl. 2 Kor 4,7-11). Bitte, Danke und Entschuldigung großzuschreiben, ist also nicht nur eine Frage der Rechtschreibung (Peter Weidemann), sondern diese drei sind nach Aussage des Papstes „Schlüsselworte.“ – Fragen wir uns: Sind unsere Kontakte untereinander deshalb oft so unverbindlich oder kippen bisweilen sogar in Misstrauen um, weil wir diese Worte nicht über die Lippen bringen?

Da es momentan so aussieht, als müssten wir noch Monate, vielleicht sogar Jahre auf Zusammenkünfte in größerem Stil verzichten, möchte ich Sie herzlich einladen, einen festen Termin doch hin und wieder wahrzunehmen: die Hl. Messe jeden Dienstag um 7.00 Uhr im Hohen Dom. Dem sog. Kapitelsamt, in dem der Bischof zusammen mit dem Domkapitel Eucharistie feiert, gehen die gemeinsamen Laudes, das morgendliche Stundengebet der Kirche, voraus. Ich bin überzeugt, ein Tag, der mit dem Aufblick zu Gott beginnt, ja vielleicht in seiner Gegenwart gelebt wird, kann seine Wirkung nicht verfehlen. Zu wissen, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, und ihm die Ehre zu geben, das wird uns den Herzensfrieden schenken, den wir in diesen aufgeregten Zeiten so dringend brauchen.

Für das neue Arbeitsjahr, das uns sicher noch einiges abverlangt, erbitte ich Ihnen und Ihren Lieben zu Hause den Segen unseres gütigen Gottes, den Beistand seines Geistes und unverwüstliche Zuversicht im Vertrauen auf seine Führung.

 

Ihr

Dr. Bertram Meier

Bischof von Augsburg