Geistliche Begleitung

„Impulse setzen, die an die Tür des Herzens klopfen“

20.11.2020 10:23

Heidi Esch (46) ist seit September Seelsorgerin für die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter/-innen. Sie folgt damit auf Pfarrer Reiner Hartmann, der ab Dezember als neuer Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte Haus Tobias der Katholischen Klinikseelsorge tätig ist. Im Interview spricht Heidi Esch über ihre neue Aufgabe, ihre Ziele und die Bedeutung geistlicher Begleitung.

Foto: privat

Seit ein paar Wochen sind Sie als Seelsorgerin für die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig. Was sind Ihre Aufgaben?

Meine Aufgabe ist es, als geistliche Begleiterin für die Gemeindereferenten/-innen, Pastoralreferenten/-innen und Pfarrhelfer/-innen da zu sein. Das heißt, dass ich für Gespräche präsent bin und geistliche Tage und Exerzitien anbiete. Gerne helfe ich auch dabei, einen geistlichen Begleiter oder eine Begleiterin zu finden. Bischof Bertram hat uns bei der diesjährigen Aussendungsfeier allen ins Stammbuch geschrieben, wie wichtig es ist, Jesus im Trubel des Alltags immer wieder dazwischen kommen zu lassen: Dieses Anliegen zu fördern ist im Kern meine Aufgabe.

  

Was ist Ihnen in Ihrem neuen Arbeitsfeld besonders wichtig?

In den Gesprächen ist es mir wichtig, sehr aufmerksam und liebevoll zuzuhören. „Zuhören heißt lieben“, diesen Satz habe ich von einem Bruder aus Taizé im Kopf. Der und die Begleitete sollen spüren: Ich bin ganz angenommen, akzeptiert und wertvoll, so wie ich bin. Denn wenn Menschen hauptberuflich für die Kirche arbeiten, ist es nicht automatisch so, dass sich alle Fragen und Zweifel erledigt haben. In den geistlichen Tagen und Exerzitien ist es mir wichtig, gute Impulse zu setzen, die an die Tür des Herzens klopfen. Gleichzeitig heißt das aber auch, immer wieder zurückzutreten, sozusagen an der Tür stehen zu bleiben und Gott wirken zu lassen. Dieses Geschehen zwischen Gott und dem Menschen kann ich nicht machen, ich kann nur den Boden dafür bereiten. Auf dieses Wirken Gottes vertraue ich, verlasse und freue ich mich!

 

Warum ist es für pastorale Mitarbeiter sinnvoll und notwendig, einen geistliche/n Begleiter/-in zur Seite gestellt zu haben?

Man könnte hier fragen: Reicht es nicht aus, einfach in die Selbstreflexion oder ins Gebet zu gehen und sich über das eigene Leben und den Glauben Gedanken zu machen? Hier möchte ich sagen: Nein – probier es aus! Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Sache vor jemand anderem zur Sprache bringt oder es nur in den eigenen Gedanken bleibt. Martin Buber hat es einmal so ausgedrückt: „Am Du wird man zum Ich“. Durch das Gespräch wird einem klarer: Wer bin ich? Was ist meine Vision? Was sind meine Bedürfnisse? Was will mir Gott heute für mein Leben sagen? Und die schönste Frucht der geistlichen Begleitung ist wohl die, immer tiefer zu verstehen und zu spüren, wie unendlich man von Gott geliebt ist.

 

Wie läuft die geistliche Begleitung genau ab?

Im Abstand von rund vier Wochen findet ein einstündiges Gespräch statt. In der Regel trifft man sich, eine telefonische Begleitung ist aber ebenfalls möglich. Am Beginn spreche ich ein kurzes Gebet und bitte Gott um sein Licht. Am Ende spreche ich ein Segensgebet. Im Gespräch bestimmt der/die Begleitete die Inhalte. Es darf dabei alles zur Sprache kommen, alle Emotionen und alle Gedanken, die gerade bewegen. Die eigenen Schatten und sogenannten negativen Emotionen dürfen genauso da sein, wie die Freude. Egal an welcher Seite eines Tischtuches man zu ziehen beginnt: alles darauf kommt in Bewegung. So ist es auch im geistlichen Begleitgespräch.

 

Gibt es neben der persönlichen Begleitung weitere Angebote, die Raum für die Begegnung mit Gott und die eigenen Lebensfragen bieten?

Ja, in verschiedenen geistlichen Tage und Exerzitien. Es gibt zum Beispiel Exerzitien mit dem Titel „Mit Leib und Seele“. Hier soll sich mit Hilfe einer Masseurin der angestaute Stress des Arbeitsjahres lösen und der Kontakt zu sich und Gott neu gefunden werden. Bei anderen Angeboten gibt es unterschiedliche kreative Ausdrucksmöglichkeiten. Bei der Suche nach passenden Kursen und Veranstaltungen bin ich gerne behilflich.

 

Können sich auch Menschen, die nicht in der Pastoral tätig sind, geistlich begleiten lassen und an den Angeboten teilnehmen?

Ja, das steht allen offen! Geistliche Begleitung ist immer kostenfrei und es gibt viele Geistliche Begleiter, die hierfür zur Verfügung stehen.

 

Was muss ich tun, um mich für eine persönliche geistliche Begleitung anzumelden? 

Nach der ersten Kontaktaufnahme führt man zunächst drei „Probegespräche“. Danach entscheidet man, ob man diesen Weg für eine gewisse Zeit zusammengehen will. Ob der/die Begleiter/-in zu einem passt, kann man spüren, wenn man in der inneren Freiheit, im Glauben und in der Liebe wächst. Ein Begleiter ist dazu da, wach zu machen, nicht den Weg vorzugeben.

 

Heidi Esch ist in Ruit a.d. Fildern geboren und in Kaufering aufgewachsen. Ihr Studium der Diplomtheologie hat die Pastoralreferentin an den Universitäten Augsburg und Freiburg absolviert. In den vergangenen 14 Jahren war sie als Mentorin für die Lehramtsstudierenden mit Fach „Katholische Religionslehre“ an der Katholischen Hochschulgemeinde in Augsburg tätig. Heidi Esch ist verheiratet und hat vier Kinder.

  

Interview: Maria Steber / pba