Dekanate

Künftiger Bischof Prälat Dr. Bertram Meier sucht in Kempten den Kontakt zur Allgäuer Bevölkerung

12.03.2020 11:43

Kempten (pdke). Der designierte Bischof von Augsburg, Prälat Dr. Bertram Meier, stattete am Mittwoch Kempten einen Besuch ab, um schon vor seiner Bischofsweihe den Kontakt zu den Menschen im Allgäu zu suchen. Gemeinsam mit 250 Gläubigen feierte er in der Basilika St. Lorenz eine feierliche Vesper und sprach anschließend im Kirchenraum mit zahlreichen Anwesenden. Sie erlebten Dr. Meier als einen humorvollen, umgänglichen, aufgeschlossenen und menschennahen Geistlichen, der sich sowohl der Belange der Alten und Kranken als auch den Interessen der Jugendlichen annahm.

Der künftige Bischof von Augsburg, Prälat Dr. Bertram Meier, lässt sich von Oberministrant Michael Hock die Farbe für einen Handabdruck an der Wand des Ministranten-Treffs auftragen. (Foto: Verspohl-Nitsche / pdke)

Im Anschluss an die Begegnung in der Basilika ließ es sich der 59-jährige gebürtige Buchloer nicht nehmen, einen farbigen Handabdruck mit Signatur auf der Wand des Ministranten-Treffs zu hinterlassen. „Nehmen wir doch Orange – das ist noch nicht so oft vertreten“, wählte Prälat Meier aus dem großen Farbsortiment aus, das ihm Oberministrant Michael Hock gemeinsam mit Amelie Gülker und Anna Klement reichte.

Unter dem Thema „Miteinander unterwegs“ stand die feierliche Vesper in der Basilika St. Lorenz, die zur Vermeidung einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf eine Besucherzahl von 250 begrenzt worden war. Der geplante Empfang im Pfarrsaal war aus demselben Grund abgesagt worden. Die musikalische Gestaltung übernahm die Basilikamusik unter der Leitung von Benedikt Bonelli.

Stadtpfarrer Monsignore Dr. Bernhard Ehler begrüßte zahlreiche Politiker aus Stadt und Land, die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), deren Vorsitzender in Bayern Dr. Meier ist, sowie Vertreter der evangelischen Kirche. „Wir haben monatelang gebetet für einen guten Bischof und heißen Dich gemeinsam herzlich willkommen“, so der Stadtpfarrer.

Der ernannte Bischof im Gespräch mit Ministranten von St. Lorenz.

Mit persönlichen Worten wandte sich der ernannte Bischof in seiner Ansprache zunächst an Dr. Ehler und erinnerte an gemeinsame Begegnungen aus seiner Anfangszeit als Priester. Der Spruch „Den schönsten Liebesbrief der Weltgeschichte hat Gott selbst geschrieben“ zog sich als roter Faden durch seine Predigt. Gott habe den Liebesbrief an uns Menschen geschrieben. Briefe seien Geschenke, führte Dr. Meier aus und berichtete über persönliche Erfahrungen während seiner Studienjahre in Rom. Damals hätten Briefe, die aus der Heimat kamen, einen immensen Stellenwert gehabt. Briefe seien Zeugnisse der Zuwendung und Verbundenheit, gerade in einer zunehmenden Vereinzelung, wie wir es in der Coronazeiten erlebten, so der Geistliche. „Wir alle sind aufgefordert, den Liebesbrief Gottes zu beantworten mit unserem Leben“, richtete sich Dr. Meier an die Zuhörer.

Der Spruch vom schönsten Liebesbrief führe ihn an den Anfang seines Priesterlebens zurück. Denn als seinen Primizspruch habe er gewählt: „Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch.“ „Wir alle sind Briefe Christi“, stellte er klar. „Als Bischof möchte ich versuchen, ein Echo dieses Liebesbriefes zu sein“, griff Meier das Thema seiner Predigt auf. Mit Humor bemerkte er außerdem: „Das Allgäu ist kein Blinddarm des Bistums“. Das Allgäu und die schöne Basilika gehörten vielmehr mitten hinein und nicht weggeschnitten wie ein Blinddarm. Abschließend betonte der künftige Bischof: „Ihr seid Christi Visitenkarten. Wer auf euch trifft, soll wissen, ihr seid eine gute Adresse.“ Er bat die Gläubigen, ihn weiterhin auch als Bischof im Gebet zu tragen und stützen. „Ich bin auch nur ein Mensch“, bekannte Meier und wünschte sich für sein Amt konstruktive Kritik und Ermutigung. „In diesem Sinne legen wir den gemeinsamen Weg als pilgerndes Volk Gottes zurück“, schloss er und erhielt großen Applaus für seine Predigt.

Prälat Dr. Bertram Meier zieht in die Basilika St. Lorenz ein. Vor ihm gehen Diakon Georg Lechleiter und Monsignore Dr. Bernhard Ehler (rechts).

Stimmen nach der Vesper:

„Ich finde seine Aussagen sehr inspirierend und realitätsnah. Man kann daraus etwas mitnehmen“, bemerkte die Erzieherin Birgit Klement nach der Vesper, die Prälat Meier bereits mehrmals persönlich erlebt hat. „Der Eindruck, den man von ihm gewinnt, ist einfach nur positiv“, so die Lehrerin Friederike Mayr-Dir. Sie kennt den künftigen Bischof aus ihrer Heimat Dillingen, wo ihre Tante lange Zeit als Sekretärin für in tätig gewesen ist. „Er vermittelt ein so positives Gottesbild. Genauso, wie ich es auch selbst habe“, stellt sie fest.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EFL (Psychologischen Beratungsstelle für Ehe- Familien- und Lebensfragen) und der Außenstelle Kempten des Bischöflichen Seelsorgeamtes waren ebenfalls in die Basilika gekommen. Sie beglückwünschten den bisherigen Leiter des Seelsorgeamtes, Dr. Bertram Meier, im persönlichen Gespräch zu seiner Ernennung zum neuen Bischof von Augsburg. Er habe bislang immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen gehabt, lobten sie. Ebenso empfand es auch die Geschäftsführerin des Caritasverbandes Kempten-Oberallgäu, Jennifer Wörz, die mit ihrer sechs Monate alten Tochter zur Vesper und zum persönlichen Gespräch gekommen war.

Ob er denn aufgeregt vor der Bischofsweihe sei, wurde Prälat Meier gefragt. „Ein bisschen schon – schließlich empfängt man nur einmal im Leben eine Bischofsweihe“, gab er zu. In seiner offenen, gewinnenden Art plauderte er weiter: „Als Kind habe ich gern gespielt, Pfarrer zu sein, aber nie Bischof. Das muss ich noch ein bisschen üben.“ Er wolle zum einen ein hörender Bischof sein, der Stimmen aus den Gremien ernstnehme. Zum anderen wolle er die geistliche Erneuerung vorantreiben. Das Bistum stehe strukturell und finanziell gut da, „aber wir sollten die Zeit nutzen, das Evangelium voranzutreiben“, blickte er in die Zukunft.