Weltkirche

20.09.2015 21:42

Augsburg (pba). Das Geläut des Augsburger Doms erklang, als heute Nachmittag mehrere hundert Menschen schweigend von der Kundgebung für verfolgte Christen auf dem Rathausplatz in Richtung Kathedrale zogen. Die Glocken schlugen sinnbildlich für die vielen tausend Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt, vertrieben und getötet worden sind. Die Schirmherrschaft übernahm zum wiederholten Mal Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Für ihn sei diese inzwischen mehrjährige Tradition zu einer Veranstaltung des gegenseitigen Trostes geworden, die uns Mut und Zuversicht gäbe, so Gribl. Auf dem Rathausplatz verwiesen mehrere Vertreter aus Politik und Kirche, darunter Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, auf die aktuell prekäre Situation verfolgter und vertriebener Christen weltweit, speziell in Syrien und im Irak. Sie gaben gemeinsam mit den Teilnehmern der Kundgebung ein deutlich vernehmbares Zeugnis der Solidarität für die Glaubensgeschwister.

Das Kreuz als das Sinnbild für die Situation der verfolgten Christen weltweit. (Foto: pba/Nicolas Schnall)

Kauder kam direkt aus New York von einem internationalen Parlamentariertreffen, das sich mit dem Thema Menschenrechte und Religionsfreiheit beschäftigte. Es müsse konkret vor Ort mehr Hilfe geleistet werden, bekräftigte er. Dies schließt für ihn eine Grundvoraussetzung ein: „Menschenrechte und Religionsfreiheit müssen gewährleistet sein. Denn es gibt auf der ganzen Welt keine Freiheit, wenn es keine Religionsfreiheit gibt.“ Auf Dauer sei es nicht möglich, mit Ländern zusammenzuarbeiten, die die Religionsfreiheit nicht garantierten. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir bei diesem Thema nicht schweigen, so Kauder.

Für den syrischen Jesuitenpater Ziad Hilal sei der beste Weg, seinem Heimatland zu helfen, der Kampf für Frieden. Nur so könne die Flüchtlingswelle gestoppt werden. Der Nahostreferent des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, Dr. Andrzej Halemba, betonte bei der Kundgebung, die meisten Menschen, die gegenwärtig mit den Flüchtlingsströmen nach Europa kämen, liebten ihre Heimat. „Sie wollen bleiben. Sie wollen Frieden. Sie wollen ihr Land nicht verlassen. Aber welche Zukunft haben sie dort?“

Zu Beginn der ökumenischen Kreuzwegandacht im Dom verwies der Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog, Prälat Dr. Bertram Meier, auf die aktuelle Flüchtlingssituation in unserem Land. Dies stelle uns hierzulande vor die Herausforderung, einerseits Hilfsbereitschaft zu zeigen, andererseits den Blick in die Gegenden zu lenken, aus denen die Flüchtlinge und Asylbewerber kommen. „Sie lassen nicht grundlos ihre Heimat zurück. Gerade den Christen geht es dort schlecht. Aus dem arabischen Frühling ist für sie eine Eiszeit geworden. Der Kreuzweg Jesu geht weiter“, betonte Prälat Meier. Der Leib Christi, die Kirche, sei verwundet und blute, so dass wir an diesem Tag unseren Finger in diese Wunde legen müssten. Allein seit Beginn der Kämpfe in Syrien im Frühjahr 2011 seien Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen ums Leben gekommen, fast die Hälfte der ursprünglichen Bevölkerung – 12 Millionen Frauen, Männer und Kinder – auf der Flucht.

Der Bischofsvikar appellierte an die Verantwortlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft, sich den Herausforderungen der Flüchtlingsthematik in christlicher Weise zu stellen. „Als Christen haben wir die Pflicht, die Flüchtlinge aufzunehmen, aber Europa, das heißt wir müssen auch die eigene christliche und demokratische Identität wahren können.“

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautete: „Glaube braucht Bekenntnis. Verfolgte Christen brauchen Hilfe“. Neben der katholischen Kirche und dem evangelisch-lutherischen Dekanat Augsburg beteiligten sich die evangelische Allianz, der assyrische Mesopotamien Verein und der Suryoye Kultur- und Sportverein Augsburg an der Aktion.