Kirchweihjubiläum

Liebeserklärung an „Mutter Kirche“ und „Muttergemeinde“

08.05.2022 14:01

Es waren bewegte Zeiten, als nach Ende des Zweiten Weltkriegs auch im Markt Kaufering Heimatvertriebene Zuflucht fanden. Eine neue Heimat war für viele eng mit kirchlichem Leben verbunden. Und so entstand auch in der Siedlung nördlich des Bahnhofs - zunächst eine Notkirche -, bevor 1961 der Grundstein für die heutige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt gelegt wurde. Ein Jahr später, am 28. Juli, weihte Bischof Dr. Josef Freundorfer den modernen Kirchenbau ein. Sechs Jahrzehnte danach feierten an diesem Sonntag die Kauferinger voll Dankbarkeit für diesen Tag einen Festgottesdienst mit Bischof Bertram.

Gut gefüllt war die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zur Feier des 60-jährigen Kirchweihjubiläums. (Fotos: Nicolas Schnall / pba)

Sein Kommen hatte der bekannteste Sohn der Marktgemeinde bereits vor einem halben Jahr angekündigt, als er für die meisten überraschend zum ersten Mal als Bischof einem Sonntagsgottesdienst in der Kirche vorstand, in der er selbst die Erstkommunion empfing sowie die Heimatprimiz und das silberne Priesterjubiläum beging. Neben seiner Familie sei es die Pfarrgemeinde gewesen, die ihn hineinwachsen ließ in die Freude eines lebendigen Glaubens, betonte der Bischof an diesem Muttertag in seiner Predigt, die er als Liebeserklärung bezeichnete. „Auf diese Weise ist sie gleichsam zur Wiege dafür geworden, dass meine Berufung zum Priester wachsen und gedeihen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Er sei immer gerne in seine „Mutterkirche“, zu seinen Wurzeln, zurückgekehrt.

Beim „Gastgeschenk“ zum 60. Geburtstag entschied er sich für eine „geistliche Gabe“ und regte ein Nachdenken über die Mutterschaft der Kirche an. „Mutter Kirche“, eine Redensart, die in den 1920er Jahren noch mit einer positiven Einstellung zur Kirche verbunden war, heutzutage aber nicht mehr selbstverständlich sei. Selbst Christen, denen der Glaube viel bedeute, wüssten mit dem Bild von „Mutter Kirche“ nicht mehr viel anzufangen. „Doch was ist aus diesem Hochgefühl geworden?“, fragte Bischof Bertram. Schließlich verweise dieses Bild zurück auf die Wurzeln des christlichen Glaubens.

Wie ein Kind über die Nabelschnur Anteil am Leben der Mutter habe, so sollten auch Gottes Wort und Sakrament uns in Fleisch und Blut übergehen. Bischof Bertram machte deutlich, dass wir nicht die Macher seien, sondern die Beschenkten. Denn manche Worte könnten wir uns nicht selbst zusprechen: „Ich bin froh, dass es dich gibt. Du kannst auf mich bauen. Deine Schuld ist vergeben. Von mir kannst du zehren. Dein Leben hat Sinn. Ich liebe dich“. Aus diesen Worten lebten wir. Solche Worte möchte Gott, unser Vater, auch heute sagen – und Er tut es durch „Mutter Kirche“, so der Bischof. Er lud die versammelte Festgemeinde dazu ein, immer wieder aus diesen Quellen des Lebens und des Heils zu schöpfen.

Er schrieb ihr gleichzeitig aber auch mahnend ins Stammbuch, die unterschiedlichen Charaktere, Fähigkeiten und Standpunkte gelten und zu Wort kommen zu lassen sowie auch für Ausgetretene und Fernstehende offen zu bleiben. „Einheit in Vielfalt“ betreffe nicht nur die Weltkirche, die vom Papst zusammengehalten werde, und die Diözese, die im Bischof eine Klammer der Einheit habe, sondern auch eine Pfarrgemeinde wie Kaufering. Am Grundsatz des heiligen Augustinus „Im Notwendigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem die Liebe“ gelte es Maß zu nehmen, erklärte der Bischof. „Doch in diesem Rahmen spannt sich der Freiraum auf für die Vielfalt im Beten und Singen, eine Vielfalt an Glaubens- und Lebenswegen, an Standpunkten und Meinungen, an Aufgaben und Diensten. Wer diese Vielfalt einebnen möchte, nimmt der Kirche das Leben.“

Bischof Bertram erinnerte an diesem Tag dankbar an die geistlichen Väter der Muttergemeinde, an Pfarrer Josef Hartl, der den Kirchbau aus Steinen anregte und umsetzte, und an Pfarrer Ludwig Epp, der „mit Engagement und Herzblut dem geistigen Haus unserer Pfarrgemeinde ein Profil“ gab. Auf diesem Fundament hätte der kürzlich verstorbene Pater Franz Schaumann weiterbauen können. Er sei stets darauf bedacht gewesen, Bewährtes zu bewahren, aber auch Neues anzudenken und notwendige Veränderungen vorzunehmen. „Denn eine Gemeinde hat nur dann Zukunft, wenn sie sich nicht nur an gestern erinnert, sondern sich auch mutig für morgen verpflichtet weiß“, bekräftigte der Bischof.

Zum Abschluss des Gottesdienstes, an den sich ein kurzer Festakt mit Grußworten samt Stehempfang anschloss, dankte Pfarrer Helmut Friedl allen, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben, allen voran der Kirchenmusik unter der Leitung von Claudia Dahme, dem Altardienst und den Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine und Verbände.