Pfarreiengemeinschaft Vöhringen

Nach Kirchenschändung: Pfarrkirche in Bellenberg bleibt vorübergehend geschlossen

03.03.2017 12:56

Augsburg/Bellenberg/Vöhringen (pba). Bischof Dr. Konrad Zdarsa hat gestern nach der erneuten Schändung einer Kirche in der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen deren sofortige Schließung verfügt und untersagt, dass dort bis auf weiteres Gottesdienste gehalten werden. Er folgt damit einer Bestimmung des Kirchenrechts, das für solche Fälle zudem einen Bußritus vorsieht (CIC Can. 1211). Nachdem am Sonntag bereits die Stadtpfarrkirche St. Michael in Vöhringen durch Graffiti-Schmierereien erheblich beschädigt worden war, traf es nun am Donnerstag die Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ in Bellenberg, das ebenfalls zur Pfarreiengemeinschaft Vöhringen gehört.

Erneut sind die Graffiti über die ganze Kirche verteilt, wie auch an Altar und Ambo, und beinhalten Beleidigungen gegen den Glauben, die Kirche und die Polizei. Zuletzt hatte es vor Ort etliche Fälle auch an anderen öffentlichen und privaten Gebäuden gegeben. Während die Stadtpfarrkirche St. Michael jedoch geöffnet bleibt, hat Bischof Konrad – auch in Absprache mit Stadtpfarrer Martin Straub - nun entschieden, die Pfarrkirche in Bellenberg für den sakralen Gebrauch zu sperren. Wenn an heiligen Orten Handlungen wirklich beleidigender und gravierender Art geschehen, sieht das Kirchenrecht vor, dass der Ortsbischof eine Kirche schließen kann.

Generalvikar Harald Heinrich hat gestern die Gläubigen vor Ort persönlich in der Abendmesse in Vöhringen über die Entscheidung des Bischofs informiert. Zudem hat er unmittelbar nach Bekanntwerden des zweiten Falls angeordnet, dass alle Kirchen und Kapellen in den Dekanaten Neu-Ulm, Memmingen und Günzburg bis zur Ergreifung des/der Täter außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen bleiben müssen. Ausnahmen seien nur möglich, wenn Personen zur Aufsicht anwesend seien.

Wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West soeben mitteilte, konnte der Täter gestern Abend in Vöhringen überführt werden. Er habe alle bisherigen 13 Sachbeschädigungstaten eingeräumt. Somit ist die Sperrung der Kirchen in den drei Dekanaten mit sofortiger Wirkung außerhalb der Gottesdienstzeiten wieder aufgehoben. Die Kirche in Bellenberg bleibt bis zur Vornahme des Sühneritus geschlossen. Der Diözesanbischof wird diesen Ritus vornehmen, ein Termin hierfür steht noch nicht fest.

„Ich bin sehr froh, dass der Täter in relativ kurzer Zeit gefasst werden konnte“, blickt Generalvikar Harald Heinrich auf den Fahndungserfolg. „Allen, die dazu bei der Polizei beigetragen haben, gilt mein herzlichster Dank. Dennoch ist es sehr bitter für uns, dass der Täter in zwei unserer Kirchen sein Unwesen treiben konnte.“ Dieser Fall sei einmalig, so der Generalvikar weiter. Niemand im Bistum könne sich auch nur annähernd an etwas Vergleichbares erinnern. „Ich bin wie viele Menschen in der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen entsetzt und auch sprachlos.“ Er hoffe, dass nun wieder Ruhe einkehre. „Dieser schlimme Fall von Kirchenschändungen ist eine Provokation für alle Menschen im Freistaat Bayern. Sie fordert uns dazu auf, über Sinn und Bedeutung von Kirchen in unserem Land nachzudenken.“

Große Erleichterung herrscht beim Diözesanrat der Katholiken, der die Serie von Kirchenschändungen mit Sorge betrachtet: „Die Ungewissheit für die Gläubigen in der Pfarreiengemeinschaft hat aufgrund des raschen Fahndungserfolges der Polizei nun Gott sei Dank ein Ende“, erklärt Hildegard Schütz. Die Diözesanratsvorsitzende dankte am Freitag der Polizei und der Staatsanwaltschaft ausdrücklich für ihre effiziente Arbeit. Selten gelänge es – noch dazu in so kurzer Zeit – die Täter von Kirchenschändungen und -Diebstählen zu fassen. „Gleichwohl bleiben solche Taten befremdlich und sind für die Pfarreimitglieder erschreckend und verstörend.“

 

Hier gibt es die Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West