Caritas

Neues Wohnheim eröffnet

10.09.2021 15:26

Augsburg (pca). Bis zu 20 sucht- oder psychisch kranke Männer und Frauen können in Zukunft in einem neuerbauten Wohnheim des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg wohnen. Bischof Dr. Bertram Meier hat am Freitag, 10. September den Neubau in der Hofrat-Röhrer-Straße des Augsburger Stadtteils Spickel feierlich eingeweiht.

Gemeinsam mit dem Abbé-Pierre-Zentrum für suchtkranke Menschen (im Vordergrund) stellt das neue Wohnheim einen wichtigen Baustein in der sozialen Arbeit der Caritas Augsburg dar (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Da er die Woche zuvor Papst Franziskus persönlich von dem Bauprojekt erzählte, konnte er auch dessen „herzliche Grüße“ ausrichten. Den Bewohnerinnen und Bewohnern wünschte er in seiner Predigt, dass sie sich im Netz der Menschen und der Angebote dort „gehalten fühlen und dann auf einem festen Boden wieder neu in ihr Leben aufbrechen können.“ Damit dies gelinge, und Menschen in ihrer Not inder Gesellschaft wahrgenommen werden, wünschte er sich in seiner Predigt „Apostolinnen und Apostel des Ohres“.

Für das insgesamt 3,7 Millionen Euro teure Wohnprojekt hat die Diözese Augsburg zwei Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln beigesteuert. Die Küchen in den Appartements hat die Kartei der Not mit 53.000 Euro finanziert. Die Stiftung Obdachlosenhilfe hat mit 50.000 Euro die Ausstattung der Zimmer bezuschusst.

Mit dem Wohngebäude schließt sich für den Caritasverband eine „Lücke“ ihres Angebotes für Menschen in besonders schwierigen Notlagen. Zusammen mit dem Abbé-Pierre-Zentrum, der Tagesstätte für suchtkranke Menschen, das direkt neben dem neuen Wohngebäude steht, den Hilfen der Bahnhofsmission, an der die Augsburger Caritas beteiligt ist, wie auch der Wohn- und Begegnungsstätte für Frauen in Not kann der Caritasverband seine Hilfen für diese Menschen in Not abrunden. Die Segensfeier war deshalb für den Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg, Dr. Walter Semsch, „ein Tag der Freude“.

Bischof Bertram beim Einweihungsgottesdienst.

Es war Susanne B., die vor der gottesdienstlichen Segensfeier mit dem Bischof, den Mut hatte, den Festgästen davon zu erzählen, wer die Menschen sind, die ins Abbé-Pierre-Zentrum kommen und mitunter auch im Wohnheim ein Appartement beziehen. Aus gutem Elternhaus mit vielen Talenten begabt habe sie sich dennoch nicht in ihrem Leben zurechtgefunden und deshalb schon als 13-jährige begonnen, Alkohol zu trinken. Ihr Weg als Alkoholikerin auch während ihres Studiums und ihrer Arbeit als Lehrerin führte sie nach einem tiefen Einbruch im Jahr 2016 zur Caritas. „Es war das Abbé-Pierre-Zentrum und die Caritas, die mich vor dem Ertrinken gerettet haben“, sagte sie. Heute hat sie wieder eine klare Tagesstruktur, lebt seit über einem Jahr abstinent und hilft anderen Menschen in Not. „Ich bin total dankbar dafür“, schloss sie ihre mutige Erzählung.

Wie im Abbé-Pierre-Zentrum pädagogisches Personal, darunter auch die Ordensschwester Dorothée, arbeitet, um den alkoholkranken Menschen in ihrem Alltag zu begleiten, so teilen sich die Sozialarbeiterin Anna Wirth und der Sozialarbeiter Rainer Heider die pädagogische Vollzeitstelle in dem Wohnheim. Ihre Aufgabe ist es, die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Alltag zu begleiten, ihnen an die Hand bei der Hausführung zu gehen, sie bei Bedarf zum Arzt zu begleiten und ihnen dann, wenn sie soweit wieder gestärkt sind, auch bei der Wohnungssuche zu helfen. „Das Wohnheim hier ist eine Zwischenstation. Da kommen sie noch nicht allein wieder heraus. Das ist unsere Aufgabe, sie auf diesem Weg zu begleiten und zu stärken“, sagt Anna Wirth. Die Mietverträge sind befristet. Aus gutem Grund, wie Vorstandsmitglied, der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz in einem Grußwort sagte: „Dieses Haus ist ein fester Untergrund für Menschen, denen das Schicksal den Boden unter den Füßen entzogen hat. Hier wollen wir ihnen einen neuen Startpunkt für ihr Leben geben, damit sie ihr Leben wieder gänzlich selbst in die Hand nehmen können.“

Der Bischof weiht das neue Wohnheim ein. Als Weihwasserpinsel verwendete er dabei einen Büschel mit Blumen und Gräsern aus dem Garten des Abbé-Pierre-Zentrums.

Die Vollzeitstelle, die Wirth und Heider miteinander teilen, ist ein Novum. Denn sie wird gemeinsam von der Stadt Augsburg und dem Bezirk Schwaben finanziert. Die schwäbische Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann lobte daher das Projekt als ein „unglaubliches Projekt“. Diese Kooperation, auch die enge Abstimmung mit der Caritas, sei für sie wegweisend für die Arbeit mit den Menschen in Not, auf die das differenzierte, versäulte Sozialleistungssystem nicht abgestimmt sei. „Diese Menschen brauchen aber ein Hilfsangebot aus einer Hand.“ Auch Augsburgs Zweite Bürgermeister Martina Wild lobte das neue Wohnheim der Caritas als „zukunftsweisendes Projekt“. Gerade in Krisenzeiten sei es doch wichtig, „alle Kräfte zu bündeln, um schnell und unbürokratisch helfen zu können“.

Diese Worte waren ganz im Sinn von Caritas-Geschäftsführer Dr. Walter Semsch. Er sei einmal von einem Besucher des Abbé-Pierre-Zentrums gefragt worden, warum er denn so viel Zeit und Arbeit in das Zentrum und den Bau des Wohnheimes stecken würde. Seine Antwort: „Gott gibt niemanden auf. Und deshalb gibt die Caritas niemanden auf.“ Pfarrer Karl Mair, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes und Augsburger Caritas-Pfarrer zitierte Papst Franziskus’ Brief zum diesjährigen Welttag der Armen und gab die Richtschnur für die Arbeit der Caritas vor: „Die Armen müssen umarmt werden und nicht gezählt“.

Bischof Bertram im Gespräch mit Bewohner/-innen des neuen Wohnheims.
Das neue Caritas-Wohnheim bietet bis zu 20 Menschen Platz.
Anna Wirth und Rainer Heider begleiten als Sozialarbeiter die Bewohner in ihrem Alltag (Foto: Bernhard Gattner / Caritas Augsburg)