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Hoher Dom

Öffnung der Turmkugel: Fundstücke aus den Jahren 1598, 1848 und 1952

Fasziniert vom Inhalt der Domturmkugel: (von rechts) Bischof Konrad, Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg Ulrich Blickle, Diözesankonservator Dr. Michael Schmid und Summus Custos Domkapitular Armin Zürn (Fotos: Nicolas Schnall / pba).
Fasziniert vom Inhalt der Domturmkugel: (von rechts) Bischof Konrad, Leiter des Staatlichen Bauamts Augsburg Ulrich Blickle, Diözesankonservator Dr. Michael Schmid und Summus Custos Domkapitular Armin Zürn (Fotos: Nicolas Schnall / pba).
09.05.2018

Augsburg (pba). Das erste Mal seit 1952 ist heute Vormittag die Nordturmkugel des Augsburger Doms geöffnet worden. Die Kugel ist Teil des sogenannten Kaiserstiels und musste aufgrund von Reparaturarbeiten an der Nordturmspitze zusammen mit dem Kreuz abgenommen werden. Bei ihrer Öffnung im Garten des Domkreuzgangs kamen Dokumente aus den Jahren 1598, 1848 und 1952 zum Vorschein. Sie sind bei früheren Bauarbeiten in den jeweiligen Jahren in der Kugel hinterlassen worden. Neben Vertretern des Staatlichen Bauamts und der Denkmalbehörde begrüßte Summus Custos Domkapitular Armin Zürn zu dem historischen Ereignis auch Bischof Dr. Konrad Zdarsa, Dompropst Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger und Weihbischof Florian Wörner, Vertreter des Domkapitels sowie den emeritierten Weihbischof Josef Grünwald, der als einziger anwesender Zeitzeuge auch schon die Bauarbeiten im Jahr 1952 miterlebt hatte.

Bereits bei der gestrigen Abnahme entdeckten die Bauarbeiter in der Kugel zwei verschlossene Kapseln sowie drei lose, gut erhaltene Metalltäfelchen mit Hinweisen auf frühere Reparaturarbeiten an der Turmspitze. Das „erfreulichste dieser drei Fundstücke“ sei eine Tafel aus dem Jahr 1598, verkündete Diözesankonservator Dr. Michael Schmid. Diese zeige eine präzise Inschrift, die wohl im Zuge einer Kupferabdeckung des Turms entstanden sei. Die beiden weiteren Dokumente stammen von einer Instandsetzung des Dachstuhls im Jahr 1848 und von 1952, als wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg das geneigte Turmkreuz repariert wurde.

Im Anschluss an die Präsentation des losen Kugelinhaltes öffnete Bischof Konrad die verschlossenen Zeitkapseln. Darin verbargen sich Papierdokumente und Urkunden aus den Jahren 1848 und 1952, auf denen sich die damaligen Handwerker verewigt hatten und die Reparaturkosten festgehalten wurden. Zur Hinterlassenschaft der letzten Kugelöffnung gehört auch eine Ausgabe des Fachblatts „Der Zimmererlehrling“ sowie eine Ausgabe der Schwäbischen Landeszeitung vom 6. März 1952 mit der Schlagzeile „Dr. Adenauer für europäische Verfassung“. Dompropst Losinger, der die Überschrift laut vorlas, verwies auf den aktuellen Bezug dieser Nachricht. Dass die Kugel am heutigen Europatag, dem 9. Mai, eröffnet wurde, ist ein Zufall. Dennoch zeigten sich bei der Öffnung verblüffende Hinweise auf Europa. Neben der europapolitischen Zeitungsnachricht befindet sich auf der losen Kupfertafel aus dem Jahr 1848 auch folgender Text: „Dieser Bau wird der Nachwelt in einem Zeitpunkt übergeben, wo ganz Europa von einer tief in alle Verhältnisse eingreifenden Aufregung ergriffen ist, deren Lösung alles mit banger Erwartung erfüllt und noch verschleiert vor uns liegt.“

Bereits im Sommer 1999 wurden bei den Bauarbeiten am Südturm in der dortigen Kugel Materialien aus vergangenen Jahrhunderten gefunden. Diese reichten bis ins Jahr 1490 zurück. Damals hat das Diözesanmuseum die Gegenstände dokumentiert und dort in einer Vitrine ausgestellt. Wie und wo die Inhalte der heute geöffneten Kugel dokumentiert und aufbewahrt werden, wird das Domkapitel demnächst entscheiden. Es wird sich dann auch darüber beraten, ob die Kugel mit einer neuen Zeitkapsel befüllt wird und was der Inhalt der Kapsel sein wird. Bevor die restaurierte Kugel und das Kreuz in etwa acht Wochen wieder auf die Spitze des Nordturms aufgesetzt werden, werden diese gesegnet.

Seit zwei Jahren wird am Nordturm des Augsburger Doms gebaut. Der Orkan „Niklas“ hatte im Frühjahr 2015 das Kupferdach stark beschädigt, weshalb ein Großteil des Daches erneuert werden muss.

Foto: Siegfried Wameser
Foto: Siegfried Wameser