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Aus den Pfarreien

Renovierung der Kirche – Renovierung des Herzens

Drei Jahre lang wurden an der Pfarrkirche St. Leonhard im Wessobrunner Ortsteil Forst umfangreiche Sanierungsarbeiten sowohl im Innen- als auch Außenraum durchgeführt, um dem barocken Kleinod wieder zum alten Glanz zurückzuverhelfen. In seiner Predigt anlässlich des Abschlusses der Renovierung betonte Bischof Bertram diesen Sonntag, dass es freilich nicht damit getan sei – und formulierte Gedanken von einer „Renovierung des Herzens“, die manchmal ebenso nötig werde.

Die Kirche St. Leonhard in Forst bei Wessobrunn vor Abschluss der Sanierungsarbeiten (Fotos: Mattana / Wikimedia Commons)

„So wie wir bei einer Beichte tief in unserer Seele graben und manch dunkle Flecken finden, zeigen auch die Renovierungsberichte dieser Kirche, dass man manchmal mehr an Schäden entdeckt, als man ursprünglich vermutet hatte, wenn man erstmal anfängt, an der Außenfassade zu kratzen“, begann der Bischof in seiner Festpredigt, die Verbindungen zwischen einer baulichen und der seelischen Renovierung herauszustreichen: So wie in der Kirche die tiefersitzenden Ursachen für Schäden oder statische Mängel behoben werden müssten, erfordere auch die Renovierung des Herzens eine genauere Betrachtung des Problems: „Eine lebendige Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass wir jeden Tag mit dem Herrn verbunden sind, sei es durch bewusstes Beten, sei es durch das Hören auf seine Stimme in unserem Inneren oder indem wir bei allem, was wir sagen und tun, das Vorbild Jesu im Hinterkopf haben.“

Das Bewusstsein, mit Gott verbunden zu sein, und das stete Suchen nach seiner Gegenwart schenke inneren Frieden – der wiederum wichtig für eine gesunde und konfliktfreie Beziehung zu den Mitmenschen sei, so der Bischof weiter. Gerade dies sei allerdings nicht immer einfach zu erreichen. „Wenn Menschen enttäuscht oder verletzt werden, tun sich tiefe Gräben auf, und es vergeht oft eine lange Zeit, bis diese wieder überwunden werden können. Damit das gelingt, braucht es etwas, wozu wir teils über Jahre nicht fähig sind: Vergebung.“ Dies sei wiederum nicht so zu verstehen, dass erlittenes Unrecht einfach so vergessen werden könne oder dass Gerechtigkeit letztendlich keine Rolle spiele – wohl aber so, „dass ich den Wunsch nach Vergeltung nicht mein Herz beherrschen lasse und stattdessen Gott das Urteil überlasse.“ Denn Gott sei es ein Anliegen, den Menschen in ihren Beziehungen zu helfen und all die Risse zu schließen, die durch zwischenmenschliche Konflikte entstanden seien.

Der Innenraum der Kirche.

Diese Risse täten sich bisweilen auch in der Beziehung zu einem selbst auf, betonte Bischof Bertram abschließend in seiner Predigt: „Was zeichnet meine Person aus? Wie bin ich der Mensch geworden, der ich heute bin? Mit Blick auf die Risse unseres Lebens: Was ist unheil in mir? Wo habe ich willentlich oder unwillentlich etwas kaputt gemacht?“ Das Sakrament der Versöhnung könne dabei helfen, diese Risse nicht nur zu entdecken, sondern sie auch zu kitten. Im Beichtstuhl spiele die Vergangenheit keine Rolle, sondern nur die eigene Reue und Begegnung mit Christus, „dessen Barmherzigkeit größer ist als jede Schuld.“ Getragen von diesem Bestreben nach innerem und äußerem Frieden könne auch die äußere Erneuerung der Kirche mit einer inneren Erneuerung der ihr verbundenen Menschen einhergehen – „Menschen, die aus der Freude über die Liebe Gottes leben, sie weitertragen, und so zum Segen für sich und andere werden.“

Seit Ende 2023 fanden in der Forster Pfarrkirche St. Leonhard umfangreiche Sanierungsarbeiten im Innen- und Außenbereich an, bei denen nicht nur statische Mängel behoben, sondern auch die Kirche im Allgemeinen runderneuert wurde. Dazu gehörte unter anderem die Renovierung und Reinigung der Innenraumschale mit dem berühmten Wessobrunner Stuck. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf insgesamt rund 1,75 Millionen Euro, wovon wiederum rund eine Million Euro durch die Diözese Augsburg bereitgestellt wurde.

Die Pfarrkirche befindet sich im ehemaligen Klosterdorf St. Leonhard im Forst und wurde 1726 bis 1735 anstelle eines gotischen Vorgängerbaues errichtet. Der mittelalterliche Turm wurde dabei in den Neubau miteinbezogen und bereits Ende des 17. Jahrhunderts im barocken Stil erweitert. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit bestand zu der Kirche zudem eine umfangreiche Leonhardi-Wallfahrt.