Porträtreihe: „Unsere Dekane“

Robert Walter: Seelsorger aus Leidenschaft

22.03.2019 12:05

(Uffing) Robert Walter (55) ist Dekan von Benediktbeuern. Als Gleicher unter Gleichen möchte er vor allem für den Zusammenhalt zwischen den Pfarrern und hauptamtlichen Mitarbeitern, den Ehrenamtlichen und Gläubigen sorgen. Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee treibt ihn ein besonderes Hobby um. 

Foto: Daniel Jäckel, pba.

Wenn Dekan Robert Walter durschnaufen muss, macht er sich erstmal unsichtbar. Dann zieht er seinen dicken Helm auf, seine feste Biker-Jacke und die gefütterte Hose an und dann ist er kurz mal weg – weg, um bei sich selbst wieder anzukommen. Er steigt auf seine Maschine und fährt irgendwohin, am besten dorthin, wo ihn keiner kennt. Das Motorradfahren ist sein Hobby, seine große Leidenschaft. Seit November 2015 ist Robert Walter Dekan des Dekanats Benediktbeuern und seit 15 Jahren Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee. Noch wichtiger als das Motorradfahren ist ihm sein Beruf: er ist Seelsorger aus Leidenschaft.

Sein Weg zum Pfarrer scheint auf den ersten Blick vorgezeichnet: In Hausen, einem kleinen Stadtteil von Dillingen, ist Robert Walter aufgewachsen, seine geistlichen Wurzeln liegen in der kirchlichen Jugendarbeit, zuallererst aber in der Familie mit den zwei Schwestern, die der Kirche ebenfalls nahestehen. „Seit der dritten Klasse war ich Ministrant, dann Oberministrant und parallel bei der Landjugend aktiv“, erzählt Robert Walter, ein leichtes „aber“ ist im Unterton bereits herauszuhören. „Nach dem Abitur wollte ich Maurer werden und ein Baugeschäft aufmachen. Dann habe ich mich doch für ein Studium der Vermessungstechnik entschieden, aber nur bis zum Vordiplom.“ Sein Schwager, ein Pastoraltheologe, habe ihn letztlich zum Theologiestudium gebracht und aus einer zweijährigen Testphase im Priesterseminar sei schließlich Berufung gewachsen, schildert Walter. Wie sich diese angefühlt hat? „Wie in einer Beziehung, wenn man spürt, da ist was“, versucht er zu beschreiben.   

Eine anpackende Art und pragmatische Sicht auf die Dinge ist Robert Walter auch in seiner Funktion als Dekan und Pfarrer wichtig: „Ich sehe mich als Kooperator, ich will die Menschen zusammenbringen“, betont er und spricht damit gleichzeitig eine seiner größten Herausforderungen in seiner derzeitigen Tätigkeit an. „Die Gegend hier ist sehr ländlich geprägt. Der Glaube ist noch fest verwurzelt, der Besuch des Gottesdienstes gehört einfach dazu. In kleinen Dörfern ist die Kirche regelmäßig voll. Mir ist es an dieser Stelle wichtig, die Kommunikation auch zwischen den Dörfern herzustellen“, betont der Dekan. 

An seinen bisherigen Einsatzorten in Schongau, Augsburg und als Regionaljugendseelsorger in der Region Altbayern haben Robert Walter ganz unterschiedliche Erfahrungen geprägt. Ein Erlebnis begleitet ihn bis heute: der Aufbau der Notfallseelsorge in Neuburg-Schrobenhausen. „Als Notfallseelsorger hat man das Gefühl, dass die Menschen es wirklich schätzen, wenn ein Seelsorger zu ihnen kommt. Bei diesen Begegnungen kann ich spüren, wie wichtig ihnen der Glaube ist.“ Bei Hochzeiten hingegen gehe es oft nur noch um Show, findet der Pfarrer. 

Die Begegnung mit Krankheit und menschlichem Elend ist Dekan Walter auch aus persönlicher Erfahrung vertraut: Jahrelang hat er seine Mutter gepflegt, jetzt ist er selbst schwer krank, hat eine Operation hinter sich. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben seien ihm dadurch bewusst geworden, sagt er. Seine tiefe Christusbeziehung ist es, die ihm dabei stets Halt und Unterstützung gibt: „Aus dem Gebet und der Meditation schöpfe ich Kraft. Das Gefühl, dass Jesus immer neben mir sitzt, ist für mich wesentlich“. Der Primizspruch seiner Priesterweihe (1994) könnte nicht passender sein: Jesus als guter Hirte, der seine Schafe zu einem Leben in Fülle führen will (Joh 10,10).   

Das Tagebuchschreiben hilft Robert Walter bei der Verarbeitung von Erlebnissen und bei Problemen weiter: „Man kann sich die Dinge einfach von der Seele schreiben“, sagt er. Schon immer sei er „ein großer Tagebuchschreiber“ gewesen, mittlerweile aber in digitaler Form auf dem Computer, gibt er zu. Manchmal hingegen gibt es auch Probleme, die Robert Walter auf sein Motorrad steigen lassen. Genau wie in seinen Urlauben, die er auch für dieses Jahr schon fest geplant hat. Während er früher von Russland über Tschechien bis nach Italien auf seiner Maschine unterwegs war, hat er sich seit einigen Jahren vor allem auf Deutschland konzentriert. „Zwanzig Bekannte habe ich auf meiner letzten Tour besucht, 80 neue Leute kennengelernt. Da erlebt man witzige Geschichten“, erzählt er begeistert, seine Augen beginnen zu leuchten.

Neben seiner „großen Liebe“, der Nordseeküste, wo er sein Motorrad auch gerne mal gegen das E-Bike tauscht, hat es Pfarrer Walter ein anderer, ganz besonderer Ort in seiner derzeitigen Heimat angetan: Der Schönberg bei Rottenbuch. „Das Panorama der Berge, der Ausblick, das ist ein wichtiger und schöner Ort für mich“, schwärmt der Dekan. Der Ort liegt im Nachbarlandkreis. Dort eben, wo ihn keiner kennt. 

Text: Maria Steber
März 2019