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Ulrichswoche

Tag der Priester und Diakone: „Wir glauben, dass Pfarrgemeinden eine Zukunft haben“

09.07.2018

Augsburg (pba). Entgegen der vielerorts vorherrschenden innerkirchlichen Stimmungslage hat der Leiter der neuen Hauptabteilung III Evangelisierung – Jugend – Berufung, Domvikar Dr. Florian Markter, am heutigen „Tag der Priester und Diakone“ im Rahmen der Ulrichswoche eine ermutigende These in den Raum gestellt: „Wir glauben, dass Pfarrgemeinden eine Zukunft haben.“ Dazu sei es vor allem notwendig, die eigene Identität wiederzuentdecken und das Evangelisieren als roten Faden aufzugreifen. „Denn der missionarische Blick auf unsere Pfarreien ist weitgehend verlorengegangen“, analysierte Domvikar Markter vor rund 60 Priestern und Diakonen im Haus St. Ulrich die aktuelle kirchliche Situation. „Geht … und macht Jünger …!“ lautete der Titel seines Vortrags. Dabei griff er neben zentralen Punkten aus dem Neuen Testament zum Thema „Jüngerschaft“ auch Impulse einer Konferenz zur Neuevangelisierung im kanadischen Halifax auf, die er mit einer Gruppe von Gläubigen aus dem Bistum soeben besuchte.

Der Sendungsauftrag Jesu „Macht zu meinen Jüngern“ ist dabei für Domvikar Markter Dreh- und Angelpunkt allen missionarischen Handelns der Kirche. Deshalb sei der Auftrag, zu den Menschen zu gehen, zu lehren und zu taufen auch keine Einbahnstraße. „Jüngerschaft funktioniert in beide Richtungen.“ Sie diene auch dazu, Menschen zu Jüngern zu machen. Nicht nur die, die eh schon mit Begeisterung dabei sind, sondern auch und vor allem diejenigen, denen es daran fehlt oder die noch gar keine Mitglieder sind. Jünger Jesu zu werden sei „lebenslanges Lernen, das nie aufhört. Jünger wird man immer mehr“, so der Domvikar. Am Beispiel des Neuen Testaments zeigte er auf, welche vier Eigenschaften es dazu braucht: eine echte Gemeinschaft um Jesus, eine persönliche Beziehung zu Jesus, die Erlaubnis zur Formung durch Jesus und die Bereitschaft zum Zeugnis für Jesus.

Warum es so wichtig ist, sich das Thema „Jüngerschaft“ in den Pfarreien und den Pfarreiengemeinschaften zum Herzensanliegen werden zu lassen, veranschaulichte er mit einer nüchternen Bestandsaufnahme: Viele Menschen heute erlebten in ihrer Pfarrei keine Gemeinschaft, in der Jesus die Mitte ist. Bei vielen Menschen fehlten das Glaubenswissen und die Glaubenspraxis. Und viele hätten nie gelernt, was es bedeute, Zeuge Jesu zu sein. Daher empfahl er den anwesenden Seelsorgern, sich und das Tun in den Pfarreien vor Ort regelmäßig zu reflektieren: „Wozu tun wir das, was wir tun? Zielt es wirklich darauf ab, Jünger Jesu zu machen?“

 

Aufbrüche fingen immer im Kleinen an. Am Beispiel des christlichen Orientierungsjahres „Basical“, das seit nunmehr vier Jahren durchgeführt wird, veranschaulichte Domvikar Markter, dass die Verantwortlichen jedes Mal aufs Neue im missionarischen Bewusstsein antreten würden, mit den jungen Teilnehmern die Welt, unsere Diözese, zu verändern. Oder auf den Punkt gebracht: „Missionarische Jünger auszubilden und Schritt für Schritt das Reich Gottes mitaufzubauen.“

Dass es dafür auch für die Seelsorge in den Pfarreien reichlich „Werkzeuge“ gäbe, davon konnten sich die Teilnehmer nachmittags vor der abschließenden Pontifikalvesper mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa in sechs Gesprächsrunden überzeugen. Die Priester und Diakone hatten die Möglichkeit, sich von Beispielen einer missionarischen Pastoral inspirieren zu lassen und sich darüber auszutauschen. Dabei dienten das „Basical“ und die Missionarische Woche ebenso als Anschauungsobjekte wie das Programm „Liebe leben“ über eine missionarische Ehepastoral und „Follow me“, eine Jüngerschaftsschule für junge Katholiken. Zudem gab es Impulse zu den Neuland-Zellen als Weg der Neuevangelisierung in den Pfarreiengemeinschaften und zum Angebot von Alphakursen in katholischen Gemeinden.

Bereits am Vormittag feierte Bischof Konrad gemeinsam mit seinen Mitbrüdern und Gläubigen, unter anderem mit Wallfahrern aus dem Dekanat Landsberg, einen Pontifikalgottesdienst in der Ulrichsbasilika. In seiner Predigt fragte der Bischof, wovon wir uns als Christen in der Kirche leiten ließen. Er sehe eine Gefahr darin, allein eine Kirche des Geistes und der Gefühle zu werden, in der der Begriff des Gewissens arg strapaziert werde. „Warum schöpfen wir nicht viel mehr Kraft aus der Einheitlichkeit der Kirche?“ „Wo ist die Gemeinschaft der Jünger?“ Wir müssten vielmehr auf den ersten Schritt achten, dieser müsste vor dem zweiten und dritten erfolgen, verwies der Bischof unter anderem auf den Empfang des Bußsakraments und den Besuch des Gottesdienstes. „Ein Handwerker legt sich auch zuerst die Werkzeuge bereit und bedenkt das Werk, das ihm aufgetragen ist.“ Vor den anwesenden Priestern und Diakonen hob der Bischof hervor, dass er angewiesen sei auf echte Mitbrüder und Weggefährten, die den Jugendlichen und Kindern, Frauen und Männern in ihren Pfarreien Möglichkeiten aufzeigen, zu entschiedenen Gläubigen zu werden.