Requiem

Ein Augenzwinkern mit Blick auf die Ewigkeit: Trauer um Augsburgs Alt-OB Hans Breuer

25.06.2021 09:34

Vor rund zwei Wochen ist Augsburgs Alt-Oberbürgermeister Hans Breuer im Alter von 90 Jahren verstorben. An diesem Freitag gedachten seiner seine Angehörigen sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft bei einem Trauergottesdienst im Augsburger Dom. Bischof Dr. Bertram Meier würdigte ihn als Politiker und Mensch, der stets das Wohl der Stadt im Blick hatte.

+ Hans Breuer, Oberbürgermeister (1972-1990) und Ehrenbürger der Stadt Augsburg. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Wenn wir uns ein Motto für Oberbürgermeister Breuer suchen dürften, so Bischof Bertram in seiner Predigt, würde das Wort des Propheten Jeremia "Suchet das Wohl der Stadt" sein Wirken für Augsburg auf den Punkt bringen. Von diesem Gedanken sei Breuer zutiefst beseelt gewesen. Die 18 Jahre im Amt würden lediglich getoppt von 65 gemeinsamen Jahren mit Ehefrau Sieglinde, der er ebenso wie der Familie seine herzliche Anteilnahme zum Ausdruck brachte.

In den Schmerz des Abschieds mischten sich an diesem Tag aber auch Gefühle von Dankbarkeit und Wertschätzung. Der Dank für ein Leben, das vor allem in der Kindheit und Jugend nicht nur "Spaziergang, sondern auch Stationen des Kreuzwegs" beinhaltete. Arbeitslager, Flucht und Vertreibung, Neustart mit Berufsausbildung zum Elektrotechniker, Gewerkschafter und SPD-Mitglied, 1972 das erste Mal zum Oberbürgermeister der Stadt Augsburg gewählt.

Bischof Bertram beschrieb Breuer als einen "Mann mit feinem Humor, ein nachdenklicher Optimist", der offen auf Menschen zuging, Vertrauen weckte und es bewahrte. "Und am liebsten lockte er die guten Seiten der Menschen hervor." Weggefährten, Freunde und frühere politische Gegner berichten gleichermaßen von Begegnungen mit einem Demokraten, "der möglichst ohne Vorurteile, neugierig und großherzig auf andere Menschen zuging". Die Suche nach Ausgleich und Konsens sei ihm stets ein Herzensanliegen gewesen, so der Bischof.

Zudem stellte er den anwesenden Trauergästen den Verstorbenen bildlich vor Augen. Wer Porträtfotos von Hans Breuer anschaue und tiefer betrachte, entdecke einen offenen Menschen mit einem schelmischen Lächeln, einem verschmitzten Augenzwinkern. Eines, das Bände spricht, und scheinbar ohne Worte auf das hinweist, was nach dem irdischen Leben kommt, nämlich das ewige Leben. Bischof Bertram weiter: "Lassen wir uns von diesem Breuerschen Augenzwinkern die Neugier wecken auf das, was der Jesuit Alfred Delp im Angesicht des Todes, von den Nazis ins Gefängnis gesperrt, mit gefesselten Händen geschrieben hat": Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.

Am 16. September 1930 in Troppau/Ostsudetenland in der ehemaligen Tschechoslowakischen Republik geboren, kam Hans Breuer 1949 nach Augsburg. Über drei Legislaturperioden hinweg prägte er 18 Jahre die Stadt als Oberbürgermeister, insgesamt 34 Jahre gehörte er dem Rat der Stadt an. Von seinen zukunftsweisenden politischen Erfolgen wie dem Bau des Klinikums, der Konzeption eines Gesamtverkehrsplans und dem europaweit modellhaften Projekt der Müllentsorgung profitiert die Stadt noch heute.

Die Stadt Augsburg denkt in Dankbarkeit an sein Wirken zum Wohl der Augsburgerinnen und Augsburger. Zu Ehren des verstorbenen Ehrenbürgers richtet die Stadt an diesem Freitag, 25. Juni, um 13.00 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses einen Trauerakt aus, der im Livestream übertragen wird.