Innovationsfonds

Bischof Bertram setzt bei pastoralen Projekten auf "viele kreative Köpfe und brennende Herzen"

12.10.2020 15:30

Augsburg (pba). In vielen Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften des Bistums Augsburg suchen Haupt- und Ehrenamtliche – nicht erst seit Corona - nach neuen Wegen in der Pastoral. Um solchen Initiativen künftig mehr Raum zu geben, hat das Bistum einen Fonds eingerichtet, mit dem innovative Projekte in der Pfarrseelsorge unterstützt werden sollen. Bischof Dr. Bertram Meier betonte heute vor Medienvertretern, dass es ihm mit dem Innovationsfonds darum geht, die geistliche Erneuerung und die Seelsorge in der Diözese zu fördern.

Bei der Vorstellung des Innovationsfonds im Haus St. Ulrich (v.l.): Dr. Thomas Wienhardt, Angelika Maucher, Bischof Dr. Bertram Meier. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

„Ich wünsche mir viele kreative Köpfe und brennende Herzen, die dazu beitragen, der Kirche von Augsburg ein Gesicht zu geben, das viele Menschen im Innern, aber auch über die Grenzen der Kirche hinaus anspricht“, so Bischof Bertram. Aus diesem Grund freue er sich sehr, dass das Bistum einen eigenen Fonds für innovative pastorale Projekte auflegen könne. Der Fördertopf hat ab dem Jahr 2021 ein Budgetvolumen in Höhe von 100.000 Euro, im noch laufenden Jahr ist er bereits mit 50.000 Euro dotiert.

Bischof Bertram ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass bei allem technischen Fortschritt der Weg der Kirche der Mensch sei, so wie es ihr Papst Johannes Paul II. zu Beginn seines Pontifikats ins Stammbuch schrieb. „Es braucht Menschen, die sie gestalten und erneuern.“ Die Kirche mit ihrer langen Tradition und ihren Glaubenswahrheiten müsse sich erneuern, um Wege zu den Menschen von heute zu bahnen, bekräftigte er. „Wir brauchen Menschen, die mutig auch neue Wege gehen, etwas ausprobieren, um nah bei den Menschen zu sein und ihnen das Evangelium anzubieten.“  

Dabei ist Bischof Bertram vor allem Folgendes wichtig: Die Erneuerung lebe von Menschen, die eine Idee haben, für die sie „brennen“. Dies gelte auch für die Kirche, die kein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen sei. „Uns geht es darum, die Frohe Botschaft bei veränderten Bedingungen unter die Leute zu bringen.“ Diese Menschen, die für eine Sache brennen, hätten zwar oft kein Patentrezept, aber doch eine Vorstellung, wo es hingehen könnte, so der Bischof. Schließlich benötige und Erneuerung „den langen Atem, der Leidenschaft und Geduld miteinander verbindet. Veränderung gibt es nicht im Hau-Ruck-Verfahren“. Und es werde neue Wege und Formate brauchen, um als Kirche den Menschen Zeitgenossenschaft anzubieten.

Wie konkrete Projekte aussehen könnten und was innovative Projekte auszeichnet, skizzierte Angelika Maucher, die Leiterin des Bischöflichen Seelsorgeamts, anhand von Beispielen. Denn bei der Errichtung des Innovationsfonds gehe es den Initiatoren nicht darum, „die Zahl der Events zu erhöhen, um möglichst spektakulär zu sein, sondern um Präsenz. Dort zu sein, wo die Menschen sind“, betonte sie.

Kirche müsse deshalb auch an unerwarteten Orten leicht zugänglich und ansprechbar sein, wie etwa auf einer „mobilen Kirchenbank“ auf dem Marktplatz, im Kurpark oder auf dem Friedhof. Analog zu Waldweihnachtsandachten könnten ähnliche Feiern im Innenhof oder im Park eines Neubaugebiets stattfinden, Segnungen zum 18. Geburtstag beispielsweise junge Erwachsene in ihrem Leben stärker begleiten oder Einrichtungen wie Familienzentren vermehrt in ein Wohnviertel hineinwirken. Zudem ermutigte sie dazu, dass Kirche verschiedene Anlaufstellen verknüpfe und Interesse an Kooperationen zeige. „Entscheidend ist auch hier, wie bei allen Projekten, dass es nicht nur Räume, sondern ein menschliches Gegenüber gibt.“ 

Dr. Thomas Wienhardt, Leiter der Abteilung Personal-, Organisations- und Pastoralentwicklung und einer der Mitinitiatoren des Innovationsfonds, erläuterte zudem die Kriterien, von denen bei den geförderten Projekten mindestens zwei erfüllt sein sollten. Das Projekt müsse eine Herausforderung aus dem sozialen Raum der Pfarrei oder Pfarreiengemeinschaft aufgreifen, es setze ein neuartiges Vorhaben um, eröffne neue Beteiligungsmöglichkeiten für inner- und außerkirchliche Kooperationspartner, habe Menschen im Blick, die in der Pastoral bislang nicht erreicht wurden, und sei auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, so Dr. Wienhardt. „Mit dem Innovationsfonds sollen bewusst Vorhaben unterstützt werden, die mit den sonst zur Verfügung stehenden Finanzmitteln nicht möglich sind und die der Entwicklung der Pastoral und damit der Kirche vor Ort dienen.“

Der Innovationsfonds ist in Kooperation von Bischöflichem Ordinariat und Seelsorgeamt entstanden. Die Broschüre mit Informationen u.a. zum Ablauf des Förderverfahrens und einem Antragsformular finden Sie auf den Seiten der Abteilung Personal-, Organisations- und Pastoralentwicklung des Bistums Augsburg.