175 Jahre Regens Wagner

„Zeigen wir, dass wir Lobbyisten des Lebens sind“

28.11.2021 14:04

Bischof Dr. Bertram Meier hat heute, am 1. Adventssonntag, alle Christinnen und Christen dazu aufgerufen, als Lobbyisten und Anwält/-innen des Lebens aufzutreten. „Lassen wir uns nicht unterkriegen, wenn wir für das Lebensrecht und Würde aller kämpfen“, betonte er bei einem feierlichen Pontifikalamt zum Auftakt des 175-jährigen Jubiläums der Regens Wagner Stiftungen in der Christkönigskirche in Dillingen.

Der Pontifikalgottesdienst in der Christkönigskirche in Dillingen wurde von den Bewohner/-innen der Regens-Wagner-Stätten feierlich gestaltet (Fotos: Maria Steber / pba)

„Mit diesem Gottesdienst danken Sie alle für 175 Jahre Ehrfurcht vor dem Leben“, wandte sich Bischof Bertram in seiner Predigt an die Bewohner/-innen und Mitarbeiter/-innen, die den Gottesdienst neben dem Direktor des Regens Wagner Werks, Pfarrer Rainer Remmele, und den dort tätigen Dillinger Franziskanerschwestern mitfeierten. „Menschen Liebe und Förderung schenken, die einen schweren Start ins Leben haben, ist Ausdruck der frohen Botschaft Jesu Christi“, betonte der Bischof mit einem Verweis auf Regens Johann Evangelist Wagner, den Mitgründer der Stiftungen. Wagner habe um die Not vieler Familien in Nordschwaben gewusst und bei der Meisterin des Franziskanerinnenklosters, Theresia Haselmayr, ein offenes Herz für sein Anliegen gefunden. „Der Liebesfunke sprang über und zog Kreise: Seit der Geburtsstunde des Regens Wagner Werkes haben zahlreiche Dillinger Franziskanerinnen und Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgeholfen und tun dies bis heute, damit aus einer bald 200-järigen Liebesidee Tag für Tag lebens- und hoffnungsspendende Tat wird.“ Als Lebens- und Glaubensgemeinschaft, die zu einem Beziehungsnetz weit über die Grenzen Bayerns geworden sei, „geben Sie Zeugnis von der Liebe Gottes“, richtete sich Bischof Dr. Meier dankend an alle Engagierten.    

In Bezug auf das Lebensrecht und die Würde aller Menschen warnte Bischof Bertram vor den Beschlüssen der neuen Ampel-Koalition und einer „Wegwerfkultur“ bestimmter Personengruppen, wie sie bereits Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ angemahnt hatte. „Wir sind berufen, unser christliches Welt-  und Menschenbild je neu zur Sprachen zu bringen, ihm Gehör zu verschaffen und es mutig zu verteidigen. Wo ein Mensch in seiner Würde verletzt ist, auch und besonders am Lebensanfang oder dessen Ende, da steht immer unser aller Menschsein auf dem Spiel“, griff der Bischof die Worte des Papstes auf.

„Wehren wir uns gegen jede Form von Übergriffigkeit und Einflussnahme auf die ganz persönliche Entscheidung werdender Eltern oder hilfesuchender Angehöriger“, rief Bischof Bertram hinsichtlich des viel bemühten Unterschieds zwischen Menschen mit und ohne Behinderung oder Einschränkungen auf. „Zeigen wir, dass wir als Christinnen und Christen Lobbyisten und Anwältinnen des Lebens sind, auch und gerade unter schwieriger werdenden gesellschaftlichen Verhältnissen“. Denn jedes Leben sei einzigartig, kostbar und immer ein Geschenk, so der Bischof.

Auf den Beginn des Advents machte Bischof Dr. Meier nicht nur mit dem Entzünden der ersten Kerze auf dem Adventskranz aufmerksam. Mit einer amüsanten Anekdote aus seiner Kindheit entlockte er dem ein oder anderen Gottesdienstbesucher zudem ein Lachen, erzählte er doch von einem Schoko-Adventskalender, der ihn aufgrund eines Tricks seiner Schwester mehrere Tage leer ausgehen ließ.    

Im Anschluss an die Messe wurde Bischof Bertram das erste Exemplar einer neuen Doppelbiographie über die beiden Gründerfiguren des Regens Wagner Werks im nahegelegenen Albertus-Magnus-Saal überreicht. Das Buch von Kapuzinerbruder und Autor Niklaus Kuster zeichnet das Leben und Wirken von Theresia Haselmayr und Johann Evangelist Wagner nach. Unter dem Titel „Wenn der Funke überspringt“ steckt Kuster nicht nur den fakten- und quellenbasierten historischen Rahmen ab, sondern spürt gleichzeitig dem zündenden Funken der beiden Gründer nach. Zitate und Sinnsprüche regen zum Nachdenken und Reflektieren an. Das Buch ist im Patmos Verlag erschienen und ab sofort für 19 Euro im Buchhandel erhältlich.  

Im Rahmen eines Festjahrs wird das Regens-Wagner-Werk in den kommenden Monaten auf sein 175-jähriges Tun zurückblicken. Den Höhepunkt wird hierbei ein großer Festakt mit Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft im April bilden.    

Das Regens-Wagner-Werk ist ein Verbund aus acht eigenständigen kirchlichen Stiftungen und arbeitet in 14 regionalen Zentren an über 50 Standorten in Bayern für und mit Menschen mit Behinderung. Ihr gemeinsamer Sitz ist in Dillingen/Donau. Gegründet wurde das Werk 1847 vom Leiter des Dillinger Priesterseminars, Regens Johann Evangelist Wagner sowie der Generaloberin der Dillinger Franziskanerinnen, Sr. M. Theresia Haselmayr. Noch heute bringen sich zahlreiche Ordensschwestern aktiv in den Einrichtungen der Stiftungen ein.

 

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zur Eröffnung des Jubiläums 175 Jahre Regens Wagner Werk 

Der gesamte Gottesdienst wurde von Dolmetscherinnen in Gebärdensprache übersetzt (Foto: Maria Steber / pba).
Die neue Doppelbiographie von Niklaus Kuster gibt Einblicke in das Leben und Wirken der beiden Gründerfiguren der Regens Wagner Stiftungen (Foto: Maria Steber / pba).