Geschichte

Die Ursprünge der Pfarrei

Die Pfarrei Walchensee wurde am 16.1.1806 errichtet. Pater Landfried Harpf (geboren 1753 in Polling) wurde 1803 Vikar in Walchensee. Er war bis zur Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation Prior in Benediktbeuern. Er starb 1819 und wurde in St. Jakob begraben. Die Wohnung des Pfarrers war bis ca. 1965 im Klösterl.

Aus einem Artikel im Tölzer Kurier vom 22.10.1949:
„Unweit von Zwergern grüßt zwischen See und Wald das ‚Klösterlein‘ […].

Seit der Klosteraufhebung 1803 ist es der einsame und beschauliche Wohnsitz des jeweiligen Pfarrers von Walchensee, der auch den Schulunterricht an die etwa 10 bis 15 Schüler der Pfarrei zu erteilen hatte, die mit ihren Schifflein zur Schule kamen und bei Sturm oder trügerischem Eis oft nicht kommen konnten, bis 1923 im Ort selbst eine Schule mit eigenem Lehrer errichtet wurde, der z. Zt. mit einer Hilfskraft an 138 Kinder aus allen Ländern Unterricht erteilt.“

Pfarrer Magg und die St. Ulrichs-Kirche

Die längst Amtszeit als Pfarrer in Walchensee hat wohl Dr. Georg Magg, Geistlicher Rat, aufzuweisen. Fast ein halbes Jahrhundert hat er in Walchensee gewirkt und den Ort speziell durch die Errichtung der St. Ulrichs-Kirche geprägt. Für dieses Projekt konnte er den weltbekannten Architekten Prof. Dr. Clemens Holzmeister aus Wien gewinnen. Diese Kirche wurde am 26. Juni 1960 durch den Augsburger Bischof Joseph Freundorfer eingeweiht.

Einweihung St. Ulrich

Einweihung St. Ulrich Bischof Freundorfer, Pfr. Magg

Pfarrer Krasnitzky und die Kath. Integrierte Gemeinde

In der Mitte der 1980-er Jahre ließen fortschreitendes Alter und zunehmende Gebrechlichkeit Dr. Magg schließlich an den Rücktritt denken. Da für eine so kleine Pfarrei wie Walchensee kein Nachfolger zur Verfügung stand, wandte sich der Augsburger Bischof Dr. Josef Stimpfle an die Priestergemeinschaft der Integrierten Gemeinde mit der Bitte, die Pfarrei St. Ulrich zu übernehmen. Bereits im Jahr 1985 hatte Bischof Stimpfle dieser Gemeinschaft die St. Ambrosius-Pfarrei in Hergensweiler übertragen. Am 17. August 1986 war dann die feierliche Einführung der neuen Pfarrer, die gemäß can. 517 § 1 CIC ihr Amt „in solidum“ ausübten. Günther Krasnitzky – zugleich Kunsterzieher und Maler – war der „Moderator“ und damit der hauptverantwortliche Priester.

Bei seiner Antrittspredigt sagte Pfarrer Krasnitzky: „Die Fischer haben die ganze Nacht gefischt, sie haben alles getan, alles angewendet, was sie an Tricks kennen; sie haben geschuftet; sie sind müde, es war nichts, es hat nichts geholfen. Diese Erfahrung mussten sie machen. Nach dem Misserfolg, nachdem sie ihre Grenzen gesehen hatten, waren sie bereit, auf sein Wort zu hören und ihm zu vertrauen. Sie vertrauen auf Jesus und beginnen noch einmal, dort an der Stelle, wo sie eigentlich am Ende gewesen sind…

Schon bald darauf begann Günther Krasnitzky Jugendliche zu sammeln und neue Mitarbeiter für die Kirche zu gewinnen.

Aus der Osterpredigt 1987 von Günther Krasnitzky:
„Mitten in unserer Welt gibt es seit Ostern ein Stückchen von der neuen Welt, Glauben, Vertrauen – eine ganz neue, ungeahnte Brüderlichkeit unter Fremden, Aufhebung der Grenzen zwischen Herren und Sklaven, Armen und Reichen, Kranken und Gesunden, Lebenden und Toten. Ein Stück neue Welt, das durch nichts bedroht werden kann.“

Pfarrer Krasnitzky machte aus einem Fest wieder zwei: Neben dem Jahrestag des Trachtenvereins gab es jetzt auch wieder eine eigene Fronleichnamsprozession. Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt verunglückte Pfarrer Krasnitzky bei einem Autounfall tödlich. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof hinter der Ulrichskirche.

Weitere Entwicklungen unter Bischof Josef Stimpfle

Nach ihm übernahm Pfarrer Dr. Bernhard Koch das Amt des Moderators in der Pfarrei. Ein Jahr später, im September 1988, konnte auf Initiative von Mitgliedern der Integrierten Gemeinde eine Grundschule mit den Klassen 1 bis 4 eröffnet werden, nachdem im Jahr 1968 die Walchenseer Schule geschlossen worden war. Der Schulunterricht begann in den Räumen des Marlene-Kirchner-Hauses in Urfeld und wurde später nach Walchensee, in das ehemalige Schwesternerholungsheim, Kastanienallee 1, verlegt.

Von bestimmten Kreisen in München ausgehend gab es immer wieder Verleumdungskampagnen – auch in der lokalen Presse – gegen die Integrierte Gemeinde und die Tätigkeit ihrer Priester. Aus diesem Anlass schrieb Bischof Stimpfle am 13. November 1988 einen eigenen Hirtenbrief an die beiden Pfarreien Walchensee und Hergensweiler:

„Liebe Pfarrangehörige,
zum Hochfest Jesu Christi, des Königs, entbiete ich Ihnen Gruß und Segen im Namen des Herrn. ER erhalte Sie in seiner Gnade, in seinem Frieden und in geschwisterlicher Eintracht!
Wie ich höre, sind einige von Ihnen beunruhigt worden, weil von auswärts in Ihren Gemeinden Gerüchte verbreitet werden, die das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihren Seelsorgern belasten. Lassen Sie sich nicht verwirren von Leuten, die Misstrauen gegen die Priester der Integrierten Gemeinde säen! Sie kennen das seelsorgerliche Wirken Ihrer Pfarrer und ihr vorbildliches Leben lange genug. Durch ihren Dienst am Wort und am Altar erbaut unser Erlöser und König Jesus Christus Ihre Gemeinden als seine Kirche. Halten Sie zu Ihren Priestern und bleiben Sie eins in Jesus Christus, dem Haupt der heiligen Kirche!
Ich empfehle Sie, liebe Pfarrangehörige, der Gnade des Herrn und segne Sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
+ Josef Stimpfle, Bischof von Augsburg.“

Durch diese Worte ermutigt entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Zusammenarbeit, die sich beim weiteren Ausbau der Grundschule, bei zahlreichen Festen und im gesamten Leben der Pfarrei positiv auswirkte. Es entstand eine Bläsergruppe, ein Singkreis und im Jahr 1990 auch ein Kindergarten.

Am 9. Juli 1989 weihte Bischof Stimpfle Dr. Bernhard Anderl zum Priester, der seitdem auch in seinem ursprünglichen Beruf als Bauingenieur an zahlreichen Orten der Katholischen Integrierten Gemeinde, vor allem in Italien und in Tansania tätig ist. Am 22. November 1989 kam Bischof Stimpfle zur Firmung von 15 Jugendlichen in die Pfarrei nach Walchensee. Im Sommer 1990 starb der frühere Pfarrer Dr. Magg und wurde unter dem Taufstein der Ulrichskirche beigesetzt, wie er es geplant und gewünscht hatte.

In den Jahren 1990/1991 wurde das Kirchendach unter tatkräftiger Unterstützung der Pfarrei, der Diözese und weiterer Spender erneuert. Am 26. Juli 1992 wurde die St. Jakobskirche nach ihrer Renovierung wieder eröffnet und ihr 700jähriges Jubiläum gefeiert. In ihr finden seither in den Sommermonaten regelmäßig Gottesdienste am Sonntagabend statt. Am 21.3.1993 singt der Singkreis auf Einladung von Pfarrer Dr. Bernhard Koch, der inzwischen nach Paderborn gezogen war, in der Gaukirche in Paderborn. Am 1. Juni 1996 spendet Erzbischof Josef Stimpfle im Rahmen eines Gottesdienstes mit der Integrierten Gemeinde im Dom zu Augsburg das Sakrament der Firmung. Auch acht Pfarrangehörige aus Walchensee – sieben davon sind zur Katholischen Kirche konvertiert – werden gefirmt.

In diesen Jahren finden im Pfarrhaus, das 1991 von der Diözese erworben worden war, regelmäßige theologische Abende statt. Bald zeigt sich, dass der Pfarrsaal erweitert werden muss, was im Jahr 1998 auch geschieht. In diesen Jahren gibt es neben den kirchlichen Festen auch vielfältige weitere Aktivitäten wie Ausflüge oder auch Informationsveranstaltungen über das Leben und die Erfahrungen der Katholischen Integrierten Gemeinde.

Die jüngste Pfarreigeschichte

Am 20. Oktober 2000 besuchte der damalige Augsburger Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz bereits zum zweiten Mal die Pfarrei. Er sagte am Ende des Treffens mit Vertretern der Pfarrei unter anderem:

„Wir dürfen Gott danken für das, was hier gewachsen ist – durch die Priester, aber auch durch die Mitglieder der Integrierten Gemeinde und natürlich durch alle, die daran mitgearbeitet haben. Heutzutage redet man oft von einer Umstellung von der ‚versorgten‘ zur ‚mitsorgenden‘ Gemeinde: Hier ist eine Gemeinde, die mitträgt. Wir können nur wünschen, dass der Samen, der hier ausgesät ist, weiter wächst und gute Früchte bringt. Ich kann Sie nur bitten, machen Sie so weiter.
Noch etwas: Es erreichen mich immer wieder Nachrichten, es wird geflüstert und kolportiert. Zu den Anschuldigungen gegen Mitglieder der Integrierten Gemeinde möchte ich sagen, dass die Integrierte Gemeinde voll und ganz in die Diözese eingebunden ist. Wer von einer Sekte spricht, weiß nicht, was katholische Kirche ist und was die Sekten sind. Die Integrierte Gemeinde hat unser volles Vertrauen. Man konnte auch sehen, dass die Integrierte Gemeinde nicht spaltet, sondern zusammenführt und Brücken baut. Und dafür möchte ich Ihnen danken.“

Von 4. bis 13. Februar 2005 unternehmen Mitglieder der Pfarreien Walchensee und Hergensweiler gemeinsam eine Pilgerreise nach Israel. Der damalige Pfarrer Dr. Achim Buckenmaier schrieb am 11. Februar 2005 an den damaligen Kardinal Ratzinger, den er persönlich kannte, in einem Brief unter anderem:

„Sehr geehrter Herr Kardinal,
mit einem Bild der Hirtenfelder von Betlehem grüßen wir Sie herzlich aus dem Heiligen Land – 49 Personen aus den beiden Pfarreien Walchensee und Hergensweiler haben sich zu dieser zehntägigen Israelreise aufgemacht. Unsere Fahrt ist seit fast einem Jahr geplant – im vergangenen Dezember waren wir aber überrascht und ganz besonders erfreut, als wir lasen, dass der Papst Pfarreien zu Reisen nach Israel aufforderte.
Unsere Fahrten führten uns von Galiläa, wo wir am Berg der Seligpreisungen wohnten, über Massada tief in den Negev und jetzt nach Jerusalem. Immer begleitet uns die Heilige Schrift. In ihrer Konkretheit lässt sie uns das Land kennen lernen, und das Land hilft uns, die Überlieferungen der Schrift in ihrer Geschichtlichkeit zu sehen.
Nach einem Treffen mit Joël Dorkam vom Urfelder Kreis in Moza besuchen wir nun Yad Vashem, die Erinnerungshalle, das Kindermemorial mit den tausendfachen Lichtern für die ermordeten Kinder und das Tal der zerstörten Gemeinden. Dass der Herr aus dieser übermächtigen Schuld noch einmal neues Leben erwachsen ließ, in Israel und in der Kirche, sehen wir als großes Wunder seiner Treue.
Auf unserer Reise im Heiligen Land denken wir an Sie im Gebet und sind Ihnen verbunden.
Im Namen aller Teilnehmer
Ihr Achim Buckenmaier.“

Der in diesem Brief erwähnte Urfelder Kreis wurde am 25. und 26. November 2006 einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht: Das Kino in Kochel zeigte einen Dokumentarfilm über diese bemerkenswerte Freundschaft zwischen Juden und Christen. Diese Verbundenheit führte auch dazu, dass am 24. März 2007 Frau Beate Green, eine ehemalige jüdische Bewohnerin von Walchensee, die Pfarrei besuchte. Sie ist die Tochter von Dr. Michael Siegel, eines in der Zwischenkriegszeit sehr bekannten jüdischen Rechtsanwaltes, der sich bis zuletzt unerschrocken für seine Klienten eingesetzt hatte. Zum Gedenken an diese und drei weitere jüdische Familien, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Walchensee vertrieben wurden, fand am 10. Februar 2008 die Enthüllung einer Gedenktafel in der Kirche St. Ulrich statt.

Am 21. Oktober 2007 fuhr eine Delegation von über 20 Personen aus der Pfarrei Walchensee nach Rouen in Frankreich um auf Einladung des dortigen Erzbischofs Jean-Charles Descubes an der feierlichen Rückgabe eines Kreuzigungsbildes teilzunehmen. Dieses war im 1. Weltkrieg vom Großvater eines Walchenseer Pfarrangehörigen aus einer zerstörten nordfranzösischen Kirche gerettet und nach Deutschland gebracht worden. Die Rückgabe fand im Rahmen eines Festgottesdienstes zum Patrozinium des Heiligen Romanus - Patron der Stadt Rouen - in der Kathedrale statt. Die Delegation, die auch einen zu diesem Anlass entstandenen zweisprachigen Sonder-Pfarrbrief mitbrachte, wurde vom Erzbischof und seinen Mitarbeitern mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Daraus ist inzwischen eine beginnende Freundschaft gewachsen, die im Februar 2008 einige junge Franzosen aus Rouen nach Walchensee führte.

Am 23. Dezember 2007 besuchte der Augsburger Bischof Dr. Walter Mixa die Pfarrei St. Ulrich in Walchensee und die Katholische Integrierte Gemeinde in Urfeld und hat dadurch seine Verbundenheit mit der Pfarrei und der Kath. Integrierten Gemeinde zum Ausdruck gebracht.

Zahlreiche Aufgaben in anderen Diözesen und Ländern (Tansania, Israel, Italien) haben die Priestergemeinschaft der Kath. Integrierten Gemeinde zu der Entscheidung geführt, die Verantwortung für die Seelsorge in der Pfarrei Walchensee an die Diözese zurückzugeben. In einem bewegenden Abschied wurde am 23. August 2009 der Priestergemeinschaft der Kath. Integrierten Gemeinde für ihren langjährigen Einsatz in Walchensee gedankt.

Seit 1. September 2009 wird die Pfarrei St. Ulrich von Pater Walter Schmidt SDB aus dem Kloster Benediktbeuern geleitet.

bis 2014 Rückbau von St. Ulrich in die von Holzmeister geplante Ansicht.

2015 konnte (durch eine großzügige Spende) eine neue Orgel durch den Abt von Ettal Barnabas Bögle Eingeweiht werden.