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50 Jahre Ständiger Diakonat im Bistum Augsburg: Studientag mit über 100 Diakonen
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Berufe der Kirche

50 Jahre Ständiger Diakonat im Bistum Augsburg: Studientag mit über 100 Diakonen

29.10.2018

Augsburg (pba). Vor fast 50 Jahren, im Jahr 1969, wurden im Bistum Augsburg die ersten verheirateten Männer zu Diakonen geweiht. Im Hinblick auf das kommende Jubiläumsjahr haben sich am vergangenen Samstag über 100 Diakone, teilweise auch mit ihren Ehefrauen, sowie Interessierte zu einem Studientag im Exerzitienhaus in Leitershofen getroffen. Vier Referenten nahmen in Fachvorträgen eine Standortbestimmung für das Diakonat in Kirche und Gesellschaft vor und zeigten unterschiedliche Facetten des Dienstes auf.

Auch Bischof Dr. Konrad Zdarsa nahm am Studientag teil und richtete sich in begrüßenden Worten an die Diakone und ihre Ehefrauen. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil habe die Kirche das Ständige Diakonat wieder eingeführt. „Das Diakonat“, so Bischof Konrad, „stellt für die Kirche eine wichtige Bereicherung dar. Diese Bereicherung ist auch in unserem Bistum nicht mehr wegzudenken“. Der Diakon sei ein Zeichen des dienenden Christus und der dienenden Kirche. 

Weihbischof Dr. Michael Gerber aus dem Erzbistum Freiburg nahm in seinem Vortrag einige biblische Ortsbestimmungen vor und stellte diese in Bezug zum Diakonat heute. Das Leben und Wirken Jesu sei von Tiefpunkten geprägt gewesen. An diesen Tiefpunkten des Menschen anzusetzen und seinen Sehnsüchten nach Stille Raum zu geben, sei Aufgabe der Diakone, so der Weihbischof. Die Kirche verglich er mit einem Gewächshaus und ermunterte die Männer dahingehend, den Blick auf das Wachsende zu richten. Gerade Diakone könnten aus ihren Erfahrungen mit ihren Familien erkennen, was richtungsweisend sein könne für Veränderungen in der Pastoral.    

Eine Aufgabenbeschreibung des Ständigen Diakons 50 Jahre nach der Wiedereinführung seines Amtes nahm Prof. Dr. Rupert Scheule, Professor für Moraltheologie an der Universität Regensburg vor. Der Ständige Diakon habe vor allem Geistlicher zu sein, stellte der Professor und in Augsburg geweihte Diakon in sieben Thesen fest. Geistliche, so Scheule, würden das voraussetzungsfreie Entgegenkommen Gottes in die Welt repräsentieren. Müssten zwar alle Amtsträger diesem Entgegenkommen Gottes dienen, sei es vor allem Aufgabe der Diakone in ihrem Zivilberuf, in Ehe und Familie von Gottes Zugehen auf die Welt zu erzählen. Statt Stillstand zu pflegen, ermunterte er die Diakone „Virtuosen des ersten Schrittes“ zu sein. Da der Diakon zwar ein sakramentales Amt, aber keine diözesane Leitungsmacht habe, könnte er ein „Vorreiter der Trennung von Sakrament und jurisdiktioneller Macht sein“, betonte der Moraltheologe. 

Über seine Erfahrungen mit der katholischen Kirche im Osten der Bundesrepublik referierte der Augsburger Diakon und Prof. Dr. Johann Hafner, Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Christentum an der Universität Potsdam. „Religion nimmt in den meisten europäischen Ländern ab“, stellte Hafner gleich zu Beginn seines Vortrages fest. Hierbei sei es so, dass sich Glaube und Religion nicht einfach transformierten, sondern vielmehr komplett verschwänden. Dieser Trend der Abnahme sei jedoch nicht steuerbar von den Kirchen, sondern dem allgemeinen Modernisierungsprozess geschuldet. „Wir brauchen Menschen, die den Eingangsbereich des Religiösen bilden und zwischen den Bereichen vermitteln“, forderte der Professor als Konsequenz daraus. Gerade der Diakon könnte hier als „Grenzwächter“ fungieren, betonte er und stellte Beispiele aus seiner Arbeit als Diakon in Potsdam vor. „Begrüßer“ („Greeter“) würden dort die Neuen ansprechen und willkommen heißen. „Der Grenzbereich der Unentschiedenen“ könne dadurch in den kirchlichen Bereich mit hineingezogen werden, sagte Hafner und rief die Diakone auf, das Willkommen-Heißen ernst nehmen.

Einen Blick in die Weltkirche bot abschließend Dr. Stefan Sander, Geschäftsführer des Internationalen Diakonatszentrums und Ausbildungsreferent im Bistum Osnabrück. Die meisten Diakone seien in Nord- und Südamerika tätig, in Asien und Afrika gäbe es dieses Amt hingegen kaum. Bestehende und klare Rollenverteilungen könnten hierfür der Grund sein, stellte Sander fest. Mit einem Film gab Dr. Sander in seinem Vortrag Einblicke in die Arbeit von Diakonen auf Kuba. Vor allem den Ehefrauen der Diakone kommt dort eine wichtige Bedeutung zu. Als Katechetinnen gehen sie vielfach den gleichen Aufgaben nach wie ihre Männer.      

Eine gemeinsame Vesper mit Bischof Konrad beendete den Studientag. Diakon Stefan Reichhart, Referent in der Abteilung Fortbildung für pastorale Berufsgruppen und Organisator des Tages, freute sich über die große Resonanz des Tages. „Es ist schön, dass sich so viele Diakone auf den Weg gemacht haben, um gemeinsam Themen und Dinge weiterzudenken“, so Reichhart gegenüber der Pressestelle des Bistums.  

Neben einer Festveranstaltung mit Dankgottesdienst am 30. März 2019 wird es im Jubiläumsjahr eine Wallfahrt nach Rom und Assisi speziell für Diakone geben. Eine Wanderausstellung gibt zudem Einblicke in das Arbeitsfeld des Diakons. Weitere Informationen zum Jubiläumsjahr und dem Tätigkeitsfeld der Diakone finden Sie auf den Seiten des Ständigen Diakonats.