Bischof Bertram

Aufruf zur Unterstützung freier Musiker

19.11.2020 11:10

Anlässlich des Fests der hl. Cäcilia am Sonntag hat Bischof Bertram in einem Brief auf die schwierige Lage hingewiesen, in der sich viele freischaffende Musiker/-innen derzeit befinden. Er forderte die Pfarreien dazu auf, als "gutes Zeichen der Kirche" gezielt betroffene Künstler in die liturgische Gestaltung der kommenden Festtage einzubeziehen und zu bezahlen.

Der Brief des Bischofs im Wortlaut:

Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, liebe Diakone, liebe Schwestern und Brüder!

Corona hat unser Leben weiterhin fest im Griff. Der neuerliche Lockdown des öffentlichen Lebens in der Corona-Pandemie in diesen Wochen trifft, wie bereits im Frühjahr, besonders die Künstler/innen, darunter viele Musiker/innen und Sänger/innen, die ihre Begabung oft schon seit vielen Jahren zu den Höhepunkten des Kirchenjahrs für die Kirchenmusik in unseren Pfarreien einsetzen. Die vielerorts traditionellen Orchestermessen sind nun 2020 weitestge­hend der Pandemie zum Opfer gefallen, weil die notwendigen Schutz- und Hygienekonzepte für die Gottesdienste dies nicht zulassen. Vielen soloselbständigen Musiker/innen fehlen des­ halb in diesem Jahr in der Folge die Honorare, die sie für ihr Musizieren im Gottesdienst er­halten hätten und dazu auch andere bisherige Einnahmequellen. Umgekehrt sind die einge­ stellten Kirchenmusikbudgets der Pfarrgemeinden bisher kaum für den vorgesehenen Zweck gebraucht worden, weil ja keine reguläre kirchenmusikalische Arbeit möglich war.

Es wäre nun ein gutes Zeichen unserer Kirche, wenn Pfarreien in diesen Zeiten soloselbstän­digen Sänger/innen, Musiker/innen, Künstler/innen dadurch unter die Arme greifen könnten, dass sie diese gerade jetzt "coronakonform", z. B. solistisch, in die Mitgestaltung der liturgi­schen Feiern in der kommenden Zeit einbinden und dies dann aus den entsprechenden, bisher nicht abgerufenen Mitteln des Kirchenmusiketats 2020 finanzieren. Einige Pfarreien setzen dies bereits um -wenn jetzt noch zahlreiche weitere dazukämen, umso besser.

Dass Kirche Künstler/innen in dieser Krisenzeit auf solche Weise ganz pragmatisch und un­kompliziert unter die Arme greift, wäre zudem ein sehr positives Signal nach außen - Kunst und Kirche gehören und wirken in der Erfahrung des Unsagbaren seit jeher zusammen und lassen deshalb einander in schwierigen Zeiten auch nicht allein.

Uns alle vertraue ich in diesen besonderen Zeiten Gottes Schutz und Segen an.

Zum Fest der hl. Cäcilia, dem 22. November 2020

Ihr

+ Dr. Bertram Meier

Bischof von Augsburg