25 Jahre Bäuerliche Familienberatung

Bischof auf Bauernhof: Gottesdienst mit Stallgeruch

23.10.2021 23:52

Wahrlich „Stallgeruch“ hatte der Festgottesdienst, den Bischof Dr. Bertram Meier am heutigen Samstagabend in der Maschinenhalle eines Bauernhofs in Großkemnat bei Kaufbeuren gefeiert hat. Anlass seines Besuchs war das 25-jährige Jubiläum der Bäuerlichen Familienberatung im Bistum Augsburg. Bereits vor der Messe nahm sich der Bischof bei einem Hofrundgang ausführlich Zeit für die Anliegen der Bauernfamilie und stattete den Tieren im Stall einen ganz persönlichen Besuch ab.      

Freude auf beiden Seiten: Auch das kleine Kälbchen war sichtlich angetan vom bischöflichen Besuch (Fotos: Maria Steber / pba).

Während des Gottesdienstes gab Bischof Bertram den rund 70 Vertreter/-innen des Landvolks sowie der Bäuerlichen Familienberatung drei Grundprinzipien aus der Regel des hl. Benedikts von Nursia als Leitfaden gelungener Beratungstätigkeit mit auf den Weg. Diese seien „Hören“, „Nimm an“ und „Erfülle“. Unsere Kirche sei vielfach taub geworden, „wir nehmen Not und Elend nicht wahr, wir überhören“, griff er die erste Benediktsregel auf und erinnerte an die Notwendigkeit von „Aposteln des Ohres“. In der Bäuerlichen Familienberatung werde dieses Hinhören auf Sorgen und Nöte konkret. „Es waren Pioniere, die diesen spezifischen Beratungsdienst eingeführt haben“, betonte der Bischof.

Ebenso wichtig wie das aufmerksame Hinhören sei bei einer Beratung das Akzeptieren und Respektieren der jeweiligen Arbeits- und Lebenssituation. „Wir können nicht alles auf den Kopf stellen“, sagte Bischof Meier und erinnerte gleichzeitig an die Notwendigkeit aktiven Handelns. „Eine gelungene Beratung muss in die Aktivität gehen. Das Evangelium braucht Praxis“, betonte er und zollte den Beraterinnen und Beratern für ihren 25-jährigen Dienst größten Respekt: „Der Dreiklang von Benedikt von Nursia wird in Ihrer bäuerlichen Familienberatung konkret.“

Die Gläubigen ermunterte er weiter als „Christus-Träger“ unterwegs zu sein und Gott dorthin zu bringen, wo er nicht vermutet werde. „Ich habe vor dem Gottesdienst keinen Betrieb angeschaut, sondern ich durfte im Stall mitten unter den Lebewesen sein“, betonte der Bischof in Bezug auf den Hofrundgang vor der Messe, in welchem er Einblicke in das Arbeitsleben des Milchwirtschaftsbetriebs der Familie Steuer erhielt. Während er im Kuhstall die genaue Technik einer Melkmaschine kennenlernte und draußen Näheres zur Photovoltaikanlage erfuhr, hörte er auch von den Herausforderungen im Alltag des Familienbetriebs.       

Eine feierliche Begegnung mit Ehrung der Beraterinnen und Berater fand im Anschluss an den Gottesdienst statt. Ein Filmclip gab dabei Einblicke in das 25-jährige Wirken der Bäuerlichen Familienberatung. Einen besonderen Dank richtete Elisabeth Konrad, Vorsitzende der Bäuerlichen Familienberatung, in ihrem Grußwort an Bischof Dr. Meier: „Durch Ihr Dasein bei unserem Jubiläum zeigen Sie Ihre Wertschätzung gegenüber den bäuerlichen Familien und dem ehrenamtlichen Einsatz der Beratungskräfte.“ Dank der finanziellen Unterstützung von Seiten des Bistums könne eine kompetente Beratung von in Not geratenen Familien auch in Zukunft sichergestellt werden. Wie wichtig dies sei, zeigte sie mit einem Blick auf den zahlenmäßigen Bedarf an Hilfeleistung im vergangenen Jahr: so seien in 66 Beratungsfällen über 130 Gespräche geführt worden.

Neben dem Bischöflichen Zeremoniar, Domvikar Ulrich Müller, waren beim Gottesdienst in der Maschinenhalle auch der Pfarrer der PG Kaufbeuren, Bernhard Waltner, Verbändereferent und kommissarischer Landvolkseelsorger, Pfarrer Dominik Zitzler, Pfarrer Alois Linder, Vorstandsmitglied der Bäuerlichen Familienberatung und Pfarrer Anton Siegel als Mitglied im Diözesanverstand der Landvolkbewegung im Bistum Augsburg dabei.   

Die Bäuerliche Familienberatung in der Diözese Augsburg wurde 1996 durch die Katholische Landvolkbewegung ins Leben gerufen, bundesweit ist sie in zahlreichen Diözesen aktiv. Sie unterstützt Familien und Einzelpersonen aus dem landwirtschaftlichen Bereich in schwierigen Lebenssituationen und betrieblichen Problemfällen. Die ehrenamtlichen Berater/-innen helfen den Familien dabei, neue Blickrichtungen zu erkennen, Lösungswege zu finden sowie Mut und Selbstvertrauen zu eigenständigem Handeln zu gewinnen. Alle Beraterinnen und Berater durchlaufen zuvor eine knapp zweijährige systemische Ausbildung zum/r landwirtschaftlichen Familienberater/-in.     

Ein fachkundiges Gespräch führten Bischof Bertram und Thomas Steuer nicht nur im Kälbchenstall. Auch draußen gab der Landwirt Einblicke in sein tägliches Arbeitsfeld. (Foto: Maria Steber / pba)
Der Familienbetrieb wird von Birgit und Thomas Steuer geführt. Unterstützung erhalten die beiden von ihren drei Kindern im jungen Erwachsenenalter. (Foto: Maria Steber / pba)