300 Jahre Dominikanerinnen von Bad Wörishofen

„Danke für die Sehschule des Lebens“

24.10.2021 15:40

Das Dominikanerinnenkloster „Maria, Königin der Engel“ in Bad Wörishofen feiert heuer seinen 300. Gründungstag. In einem Festgottesdienst in der Klosterkirche würdigte Bischof Bertram die Schwestern für drei Jahrhunderte der tätigen christlichen Nächstenliebe und wünschte ihnen auch weiterhin viel Freude in ihrem Glaubensleben.

Die Dominikanerinnen von Bad Wörishofen feiern 300 Jahre Klostergründung. Im Vordergrund Priorin Sr. Franziska Brenner OP (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Mit Bezug auf die zum Jubiläumsgottesdienst verkündete Evangelienstelle des blinden Bettlers Bartimäus, der von Christus das Augenlicht zurückerhält, betonte der Bischof in seiner Predigt die Rolle des Lichts als uraltes Symbol der Gegenwart Gottes. Bartimäus vertraue darauf, „dass mit Gottes Hilfe die „finstere Schlucht“ (Ps 23) und das unwegsame, unübersichtliche Gelände unserer Lebenspfade ihren Schrecken verlieren. Neuland in Sicht! In Christus haben wir ein verlässliches Licht, das uns leuchtet.“

Die ersten Schwestern, die im 18. Jahrhundert als Folge eines päpstlichen Dekrets von St. Katharina in Augsburg in das damals noch sehr kleine Bad Wörishofen umzogen, hätten dies gewiss mit gemischten Gefühlen getan. Der Mut zu diesem ersten Schritt und das Beharren auch in schweren Zeiten weckten auch heute noch unsere Bewunderung: „Wir können nur erahnen, wieviel an Glaubenskraft dies jeder Einzelnen und dem Konvent insgesamt abverlangte.“

Die Abkehr von der strengen Klausur hin zur Arbeit in der Mädchenbildung und der Krankenfürsorge im 19. Jahrhundert sowie die Berufung des bekannten „Wasserdoktors“ Sebastian Kneipp zum Klostergeistlichen hätten eine neue Ära in der Klostergeschichte eingeleitet. Pfarrer Kneipp und die Schwestern hätten den Anspruch gehabt, die Wirklichkeit im Lichte Gottes zu sehen und zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund lasse sich auch die Erzählung der Blindenheilung weiter deuten. Jesus habe Bartimäus nicht nur medizinisch geheilt, sondern auch seinen Blick geöffnet für die göttliche Gegenwart.

Bischof Bertram bei der Predigt.

„Der Funke christlicher Nächstenliebe hat zahllose Herzen zur Dankbarkeit und Freude entzündet, die alle selbst zu Fackelträger/innen wurden“, betonte Bischof Bertram abschließend in seiner Predigt. Nach einem Wort des bekannten Komponisten Gustav Mahlers heiße Tradition nicht Anbetung der Asche, sondern Bewahren der Glut. Dies sei auch angesichts einer kleiner werdenden Schwesternzahl weiterhin Anspruch und Auftrag der Dominikanerinnen von Bad Wörishofen: „Danke für die Sehschule des Lebens mit der Brille des Glaubens!“

Das Pontifikalamt zum Gründungsjubiläum wurde in der Klosterkirche des Konvents gefeiert und über K-TV live im Fernsehen übertragen. Als Konzelebranten wirkten dabei der geistliche Assistent des Fernsehsenders, Pfarrer Thomas Rimmel, sowie der Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich P. Thomas Brogl OP beim Gottesdienst mit. Die Messe wurde musikalisch von einem Projektchor und -orchester unter der musikalischen Gesamtleitung von Musiklehrer Bernhard Ledermann gestaltet; dabei wurde die „Missa Sanctorum Apostolorum“ des fränkischen Barockkomponisten Valentin Rathgeber intoniert.

Das Dominikanerinnenkloster „Maria, Königin der Engel“ ist eine Tochtergründung des Augsburger Katharinenklosters und geht auf eine päpstliche Verordnung von 1717 zurück, die für jede Ordensprovinz zwei in strenger Observanz lebende Konvente vorschrieb. Bereits im Folgejahr kamen die ersten Schwestern nach Wörishofen und bezogen 1721 den neugebauten Klosterkomplex.

Nach der Säkularisation war es den Schwestern zunächst verboten, Novizinnen aufzunehmen. Dieses Verbot wurde erst rund vierzig Jahre später wieder aufgehoben, als König Ludwig I. dem Kloster die örtliche Mädchenschule übertrug. Unter dem Einfluss von Pfarrer Sebastian Kneipp verließ der Konvent 1896 die strenge Observanz. Die weitreichenden Schul-, Kur- und Landwirtschaftstätigkeiten der Schwestern wurden in den letzten Jahrzehnten größtenteils ab- oder weitergegeben. Heute leben noch acht Schwestern in dem Kloster.

Das Dominikanerinnenkloster "Maria, Königin der Engel" in Bad Wörishofen.
Die Klosterkirche.
Projektchor und -orchester musizierten vom Schwesternchor der Klosterkirche aus.