Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx

Bischof Bertram: „Ein verlässlicher, ehrlicher und offener Mitbruder“

04.06.2021 14:05

Bischof Dr. Bertram Meier hat das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx mit "Achtung und Bedauern" zur Kenntnis genommen. Hier der Wortlaut seines Statements.

"Mit Achtung und Bedauern habe ich die Nachricht aufgenommen, dass Kardinal Marx den Papst um Annahme seines Amtsverzichts gebeten hat. Zunächst bedauere ich sehr, dass der Bischof, der mein Hauptkonsekrator bei der Bischofsweihe war, sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Zudem habe ich über viele Jahre hinweg, noch vor meiner Ernennung zum Bischof, Kardinal Marx als Menschen mit Leib und Seele, als Christen aus Überzeugung, als Priester im Dienst des Wortes Gottes und jetzt im Bischofsamt als verlässlichen, ehrlichen und offenen Mitbruder kennen und schätzen gelernt. Er ist eine Persönlichkeit, die wir Schwaben „geradeheraus“ nennen. Ich bin sicher, dass Papst Franziskus für einen seiner engsten Berater, nicht zuletzt in der Kardinalskommission zur Kurienreform, die Entscheidung treffen wird, die Kardinal Marx nahe an den Menschen sein lässt und dem Willen Gottes entspricht"

Zu möglichen Folgen des Rücktrittsgesuchs in Bezug auf den Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs äußert sich Bischof Bertram wie folgt:

"Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx ist ein Impuls für uns alle, die wir in leitender Verantwortung standen oder stehen, in uns zu gehen und Gewissenserforschung zu halten, inwieweit wir selbst in dieses Themenfeld verwoben waren und sind. Wenn Kardinal Marx die Kirche in Deutschland an einem „toten Punkt“ sieht, dann möchte ich aus meiner Erfahrung als Leiter eines Seelsorgeamtes und jetzt als Bischof hinzufügen, dass ich neben dem österlichen „Wendepunkt“ bereits Knospen der Hoffnung aufgehen sehe. Denn es gibt viele Menschen, denen die Kirche sehr am Herzen liegt und die auch unter diesen schweren Bedingungen der Vertrauenskrise versuchen, das Evangelium glaubwürdig anzubieten. Gerade in der jungen Generation darf ich dies in vielen Begegnungen erfahren."