Diakonenweihe

Eingeflochten in das Netz der kirchlichen Tradition

07.05.2022 12:00

Bischof Dr. Bertram Meier hat an diesem Samstag Herbert Kramert aus Ruderatshofen durch Gebet und Handauflegung zum Diakon geweiht. Bei der anschließenden Übergabe des Evangelienbuches an den frischgeweihten Diakon erinnerte der Bischof an den lateinischen Ursprung des Wortes Übergabe - traditio: „Mit der Übergabe wird der Diakon eingeflochten in das Netz der kirchlichen Tradition. Tradition ist nichts Statisches, sondern gewachsen, lebendig. Sie ist auch nichts Willkürliches. Tradition bürgt für Treue. Den Glauben formulieren wir nicht eigenhändig, sondern treuhänderisch: uns von Gott in die Hände gelegt. Mit der Weihe lassen wir uns einbetten in den Strom der Tradition der Kirche.“

Mit der Handauflegung durch Bischof Bertram wurde Herbert Kramert zum Diakon geweiht (Fotos: pba/Annette Zoepf)

Das Evangelium, das Bischof Bertram dem neuen Diakon aushändigte, sei nicht nur ein Buch aus mit Goldschnitt und Ledereinband. Der Bischof: „Ich gebe das Wort Gottes in seine Hände; ich lege ihm das Wort Gottes ans Herz. Hinter diesem Ritus steckt ein tiefer Sinn: Das Wort Gottes sei Ihr täglich Brot. Lesen Sie in der Heiligen Schrift, beten Sie treu das Brevier, das ja wesentlich aus Psalmen und Hymnen besteht. Ihr Grundnahrungsmittel sei Gottes Wort."

Das fleischgewordene Wort, so der Bischof weiter, sei mehr als das, was zwischen zwei Buchdeckel passe: „Es lässt sich nicht in oft enge und selbstgemachte Systeme pressen; es ist nicht unser Machwerk, sondern göttliche Vorgabe...Betrügen wir die Menschen nicht um die Wahrheit, die frei und ehrlich macht! Helfen wir Ihnen, zu sich selbst zu finden! Verbiegen wir das Wort vom kantigen Kreuz nicht in die Rundungen eines Spazierstocks! Aufgabe des Diakons ist weniger, durch Rhetorik zu glänzen, mit seinen eigenen Worten zu klingeln, sondern Echo Jesu Christi zu sein.“

Mehr als ein "Buch mit Goldschnitt und Ledereinband": Bischof Bertram überrreicht dem frischgeweihten Diakon das Evangelium.

Bischof Bertram: „Unser Angebot ist größer als wir: Jesus Christus, dessen Wort ich Ihnen, lieber Herr Kramert, übergeben darf. Machen Sie was draus! Veruntreuen Sie das Wort Gottes nicht! Manipulieren Sie es nicht! Passen Sie es nicht einfach stromlinienförmig an – und denken Sie immer daran: An Ihrem Leben, an Ihrem Zeugnis, an Ihrer Vertrauenswürdigkeit werden Sie gemessen. Der Diakon soll Zeuge sein. Wenn er nicht glaubwürdig ist, braucht er gar nicht erst anzutreten.“

Diakon Herbert Kramert mit Bischof Bertram.

Der 52-jährige Herbert Kramert kommt aus der Pfarrei St. Jakobus maj. in Ruderatshofen. Nach dem Hauptschulabschluss war er zunächst als Maschinenschlosser und Elektriker tätig, bevor er im dritten Bildungsweg seiner geistlichen Berufung im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen (Rheinland-Pfalz) nachging und dort Theologie studierte. Seit September 2020 ist er als Diakonatspraktikant in der Pfarreiengemeinschaft St. Ulrich und Afra/St. Anton in Augsburg tätig. Im kommenden Jahr soll Herbert Kramert die Priesterweihe empfangen.