Liturgie und Brauchtum

Feier der Heiligen Woche 2020

31.03.2020 15:35

Aufgrund der anhaltenden Corona-Krise sieht sich das Bistum veranlasst, Einschränkungen in der Liturgie und im traditionellen Brauchtum rund um die Heilige Woche anzuordnen. Die bei vielen Gläubigen beliebte Segnung von Palmbuschen, Osterkerzen und Speisenkörben kann stattdessen in einem Hausgottesdienst selbst durchgeführt werden.

Der unten angeführte Text besteht aus den Informationen des Ordinariats zur Feier der Heiligen Woche  und den Hinweisen zu Palmbuschen/Osterkerzen/Segnung von Speisen etc. (beide vom 31. März). Diese Schreiben und alle weiteren Weisungen des Ordinariats im Bezug auf die Corona-Pandemie finden Sie hier.

 

Informationen zur Feier der Heiligen Woche (Schreiben des Generalvikariats vom 31.03.2020)

Die Osterfeier fällt in diesem Jahr nicht aus, sie muss angesichts der Not unserer Zeit aber anders gefeiert werden. Im Auftrag unseres Apostolischen Administrators und ernannten Bischofs Dr. Bertram Meier geht an Sie diese verbindliche Ordnung für unser Bistum Augsburg, die uns allen die Möglichkeit aufzeigt, wie wir unter den momentan geltenden Beschränkungen den Palmsonntag und die Drei Österlichen Tage im Kirchenraum unserer Pfarrgemeinden vor Ort feiern können.

Den Rahmen hierzu gibt die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung mit ihren Verlautbarungen vom 19. März 2020 und vom 25. März 2020 vor, den die Gemeinden vor Ort umsetzen und ausfüllen. Außerdem wurde uns am 31.03.2020, eine entschiedene Vollzugsfrage des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zu Onlinegottesdiensten“ zugeleitet. Dort heißt es wörtlich:

Was gilt für ehrenamtliche Tätigkeiten in den Kirchen, insbesondere bei der Durchführung von Videogottesdiensten?

„Die Mitwirkung Ehrenamtlicher bei der Durchführung und Aufzeichnung von Videogottesdiensten in den Kirchengebäuden ist selbstverständlich möglich. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass die Mitwirkung auf ein Minimum an einigen wenigen Personen (wie z.B. Organist, Lektor, wenige Ministranten) beschränkt bleibt und die Abstandsregeln eingehalten werden.“

Grundsätzlich gilt für alle Feiern:

Die Gottesdienste müssen ohne physisch präsente Gemeinde gefeiert werden. Die Zugänge zur Kirche sind während der Liturgie verschlossen zu halten, so dass für diese Zeit kein Zutritt für einen nicht von vornherein bestimmten Personenkreis besteht.

Es muss vor Ort entschieden werden, ob die Mitwirkung eines Minimums an wenigen Personen unverzichtbar erscheint. Die äußerst restriktive Handhabung was die wirklich physischen Teilnehmer eines Gottesdienstes anbelangt, bleibt davon aber gleichzeitig unberührt! In Umsetzung der obigen Anordnung des Ministeriums heißt dies für alle Gottesdienste, dass die Anwesenheit auf folgende Personen zu beschränken ist: Max. zwei Lektoren, ein Kantor/in und max. zwei Ministranten. Bei allen Diensten ist unbedingt die Abstandsregel von 1,5 Metern einzuhalten! Unsere besondere Sorgfaltspflicht muss den Ministranten gelten. D:h minderjährige Ministranten dürfen diesen Dienst nur mit schriftlicher Einwilligung ihrer Eltern übernehmen. Ich würde es bevorzugen, dass wir uns auf erwachsene Ministranten beschränken würden. Für deren Dienst in der Liturgie heißt dies, dass sie z.B. bei der Gabenbereitung jeweils nur einzeln zum Altar hinzutreten dürfen. Auch müssen alle liturgischen Dienste, z.B. Lavabo, vom Priester allein vorgenommen werden, wo der Abstand von 1,5 Metern nicht einhaltbar ist. An den liturgischen Feiern dürfen Mesner/-in und ggf. Organist/-in ihren Dienst tun.

Für alle gilt: Die an der Feier Mitwirkenden müssen gesund sein und dürfen keiner Risikogruppe angehören. Nicht einbezogen werden können ganze Ordenskonvente.

Eine Konzelebration ist allen Feiern nicht möglich. Die liturgische Teilnahme eines Diakons ist nur unter der Bedingung der genauen Einhaltung der Abstandsregel von 1,5 Metern möglich.

Die Liturgie dieser Tage ist möglichst liturgiegerecht, d. h. den liturgischen Büchern entsprechend zu feiern. Soweit Gesang möglich und sinnvoll ist, soll er in den Feiern gepflegt werden.

Alle, die in der Feier einen liturgischen Dienst ausüben, werden sich sinnvollerweise, vorausgesetzt die Abstandsregel von 1,5 Metern ist dabei gut einzuhalten, im Altarraum versammeln und sich der vorgesehenen liturgischen Orte bedienen. Dabei ist darauf zu achten, dass der vorgeschriebene Abstand unbedingt einzuhalten ist. Die Wortverkündigung betreffend ist in allen Gottesdiensten darauf zu achten, dass das Lektionar bereits von Beginn an auf dem Ambo liegt. Der Friedensgruß kann in der Feier nicht ausgetauscht werden. Auch kann keine Kelchkommunion gespendet werden.

Die Pfarrer sollen die Gläubigen über die Uhrzeiten der Gottesdienste informieren, damit sie sich zu Hause im Gebet vereinen und so die Gottesdienste mitfeiern. Hierzu bietet das Bistum auf ihrer Homepage die entsprechenden Gebetsvorlagen an.

Zur Mitfeier der Gläubigen kann auch auf Live-Übertragungen von Gottesdiensten verwiesen werden dabei insbesondere auch auf die Übertragung der Gottesdienste mit unserem ernannten Bischof Bertram, die deutlich machen, dass das medial zugesprochene Wort Gottes, das Gebet, der Lobpreis sowie der Schutz und die Hilfe Gottes auch über die Grenzen der physisch versammelten Gemeinschaft hinaus wirksam sind.

Alle Pfarrkirchen müssen tagsüber geöffnet sein, damit die Gläubigen sie zum privaten Gebet aufsuchen können. Auf geistliche Angebote/Hausgottesdienste soll verwiesen werden.

Auch wenn in der Heiligen Woche keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden können, sollen die Kirchen den Festtagen entsprechend – wenn auch zurückhaltend – geschmückt sein. Am Karfreitag soll im Kirchenraum das Kreuz aufgestellt werden, am Ostertag soll die brennende Osterkerze in der Kirche sichtbar sein. Auf den Aufbau eines heiligen Grabes ist zu verzichten.

 

Palmsonntag

Die Feier darf nur innerhalb des Kirchenraumes stattfinden. Es darf weder eine Palmprozession – auch nicht im Freien – stattfinden, noch dürfen zentral Palmzweige gesegnet und zur Verfügung gestellt werden. Die Pfarrer sollen die Gläubigen ermutigen, sich grüne Zweige aus der Natur zu holen und zum Kreuz/Bild zu stecken oder zu legen. Im Hausgottesdienst des Bistums zum Palmsonntag ist ein Segensgebet vorgesehen, das die Betenden über die Palmzweige sprechen können. Gesegnet werden die Zweige auch „intentionaliter“ in der medial übertragenen Hl. Messe mit dem Apostolischen Administrator bzw. es können die Gläubigen darauf verwiesen werden, dass auch der Pfarrer im nicht öffentlich gefeierten Gottesdienst in diesem Sinne eine Segnung der Palmboschen „intentionaliter“ vornehmen wird.

Zur Feier des Einzugs Christi in Jerusalem wird die dritte Form gewählt, wie sie im Messbuch angegeben ist: Während des Einzugs des Priesters und der Verehrung des Altares kann ein geeigneter Gesang angestimmt werden. Wenn ein Gesang nicht möglich ist, spricht der Priester nach dem liturgischen Gruß den Eröffnungsvers und setzt die Messfeier in gewohnter Weise mit dem Tagesgebet fort. Die Leidensgeschichte aus dem Evangelium nach Matthäus wird sinnvollerweise in Abschnitten von Priester und Lektor/-in vorgetragen.

Zur Eucharistischen Liturgie versammeln sich die anwesenden liturgischen Dienste in gebührendem Abstand voneinander um den Altar. Darauf ist unbedingt genau zu achten!

 

Chrisammesse

Die Chrisammesse und die Verteilung der Heiligen Öle werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die vorhandenen geweihten Öle sollen weiter verwendet werden.

Falls nicht genügend Öl für die Feier einer Krankensalbung im äußersten Notfall vorhanden sein sollte, ist die Segnung des Krankenöls im Rahmen einer Krankensalbung jedem Priester möglich, wobei Olivenöl oder anderes Pflanzenöl verwendet werden muss. Das Gebet zur Segnung des Krankenöls findet sich im Anhang des Rituale zur Feier der Krankensakramente.

 

Die Drei Österlichen Tage

 

Die Feier vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag

Das Gedenken an das Letzte Abendmahl Jesu am Gründonnerstagabend kann von jedem Priester "an einem geziemenden Ort" und ohne Anwesenheit von Gläubigen gefeiert werden.

Die Verkündigung des Wortes Gottes findet wie vorgesehen statt. Der Ritus der Fußwaschung entfällt in diesem Jahr.

Die Kommunion kann nur unter der Gestalt des Brotes empfangen werden. Die Kelchkommunion ist nicht möglich.

Das Allerheiligste wird ohne Prozession in den Tabernakel gebracht, wo es verbleiben soll. Die Messfeier endet mit dem Schlussgebet. Der Priester oder ein liturgischer Dienst deckt allein den Altar ab.

Wer darüber hinaus den Gründonnerstag geistlich begehen will, kann privat die Vesper beten oder eine Ölbergandacht abhalten.

Priester, die nicht in der Lage sind, die Heilige Messe zu zelebrieren, sollen stattdessen die Vesper des Gründonnerstags beten.

 

Die Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag

In gewohnter Weise sind die Kirchen am Karfreitag und Karsamstag leer und schmucklos. Ebenso schweigen an diesen Tagen die Glocken.

Die Leidensgeschichte wird in Abschnitten vorgetragen. Das Lektionar liegt hierzu bereits vor

Beginn des Gottesdienstes auf dem Ambo.

Einer besonderen Bedeutung kommt in diesem Jahr den „Großen Fürbitten“ zu, denn gerade hier wird die Verbundenheit im Gebet angesichts von Leid und Tod auch von der österlichen Hoffnung getragen. Zwischen der neunten und zehnten Fürbitte ist die von der Bischofskonferenz vorgegebene Fürbitte (siehe hier) einzufügen.

Zur Kreuzverehrung empfiehlt es sich, dass dieses vom Priester ohne Mithilfe anderer enthüllt wird. Zur Kreuzverehrung reicht eine Kniebeuge oder eine Verneigung zur Verehrung.

Auch andere öffentliche Gottesdienste wie Kreuzwegandachten und Prozessionen aller Art (auch im Freien) sind an diesem Tag nicht möglich.

 

Karsamstag

Die Gläubigen sollen ermutigt werden, in häuslicher Feier die Trauermette oder eine Andacht zur Grablegung zu beten.

 

Die Feier der Osternacht

Die Osternacht kann nur in der Kathedrale oder in einer Pfarrkirche gefeiert werden, aber auch ohne Beteiligung der Gläubigen. Der Ritus des Osterfeuers und die Prozession zu Beginn in die Kirche entfallen. Die Osterkerze wird mit einem Streichholz entzündet, dann folgen das Exsultet und wie vorgesehen die biblischen Lesungen.

Zum Gloria läuten die Glocken.

Bei der „Tauffeier“ ist nur die Erneuerung des Taufversprechens vorgesehen, zu welcher sich gegebenenfalls der gesamte liturgische Dienst um den Taufbrunnen versammeln kann.

Die Segnung von Osterkerzen und die Speisesegnung für die Gläubigen sind im Gottesdienst nicht möglich. Die Gläubigen sollen wie im Hausgottesdienst des Bistums vorgesehen – ein Segensgebet über die Speisen und die Osterkerze sprechen. Sie dürfen sich aber auch des Segens sicher sein, den der Bischof bei der Feier in der Kathedrale über die Speisen sprechen wird bzw. auch hier kann der Pfarrer darauf hinweisen, dass er dies bei der Feier der Osternacht unter Ausschluss der Öffentlichkeit diesen Segen sprechen wird.

Auch hier sollen die Gläubigen über die Zeit informiert werden, in der die Feier der Osternacht stattfindet, damit sie sich im Gebet mit der Feier verbinden können.

Priester, die nicht die Möglichkeit haben, die Liturgie der Osternacht zu feiern, beten das für den Ostertag vorgesehene Stundengebet.

Am Ostersonntag brennt die Osterkerze den ganzen Tag über in der Kirche.

Ich hoffe sehr, dass diese Hinweise für die Feier der Heiligen Woche unter den momentan für uns alle sehr schwierigen Bedingungen, hilfreich sind. Vor allem muss ich Sie eindringlich bitten, v.a. die Anordnungen bezüglich der Mitwirkenden an den Gottesdiensten sehr genau zu beachten! Es wäre mehr als fatal, wenn ausgerechnet durch unsere Fahrlässigkeit sich Menschen bei der Feier eines Gottesdienstes mit dem Virus infizieren würden.

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Hinweise zu Palmbuschen/Osterkerzen/Segnung von Speisen in der Osterzeit etc. (Schreiben des Generalvikariats vom 31.03.2020)

In der aktuellen Krisensituation mehren sich die Anfragen, ob es möglich wäre unter Beachtung größtmöglicher Hygienevorschriften (z.B. durch das Tragen von Handschuhen) Osterkerzen/Palmbuschen oder den Pfarrbrief in der Gemeinde zu verteilen und vor die jeweilige Tür des Gemeindeangehörigen zu stellen.

Trotz unseres vollsten Verständnisses dafür, den Pfarreiangehörigen auch in dieser schweren Zeit Ostern etwas näher bringen zu wollen und dem Wunsch auf diese Weise Nähe zu den Gläubigen zu zeigen, müssen wir von diesen Vorhaben dringend abraten.

Leider kann trotz des Tragens von Handschuhen nicht ausgeschlossen werden, dass eine mögliche Übertragung des Virus durch die Kerzen/Palmbuschen erfolgen könnte. Um die Risikogruppen möglichst zu schützen, ist daher das von Ihnen geplante Vorgehen aus unserer Sicht leider nicht möglich.

Die derzeit in Bayern geltende vorläufige Ausgangsbeschränkung sollte restriktiv ausgelegt werden. Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle nochmals Ziffer 1 der Allgemeinverfügung anlässlich der Corona-Pandemie des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege vom 20.03.2020 wiederholt werden:

"Jeder wird angehalten, die physischen und sozialen Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Wo immer möglich ist ein Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,5 m einzuhalten."

Auch von der Möglichkeit die Osterkerzen oder Palmbuschen in der Kirche zum Mitnehmen aufzustellen, bitten wir abzusehen. Wobei die Möglichkeit Kerzen anzuzünden, die es in vielen Kirchen des Bistums unabhängig von Ostern bereits gibt, davon nicht betroffen ist. Eine Gruppenbildung an öffentlichen Plätzen ist nicht zulässig. Es ist dringend zu vermeiden, dass sich Menschenansammlungen bilden. Durch das Aufstellen von Palmbuschen, Osterkerzen oder ähnlichem könnte begünstigt werden, dass der Mindestabstand der Personen nicht eingehalten wird. Es sollten in einer Zeit, in der die Menschen durch die geltende Allgemeinverfügung angehalten sind zuhause zu bleiben, keine derartigen Aktionen in öffentlichen Räumen stattfinden.

Gleiches muss auch für die Segnung von Speisen in der Osterzeit gelten. Es ist leider nicht möglich, dass den Gläubigen angeboten wird, zu einer bestimmten Zeit in der Kirche/Pfarrheim Osterkörbe abzustellen und später wieder abzuholen. Die Übertragung des Virus durch die Speisen oder den erhöhten Publikumsverkehr kann nicht ausgeschlossen werden. Anbei finden Sie einen Hausgottesdienst zum Ostermahl mit Gebeten zur Segnung der Osterkerze und der Speisen, damit die Gläubigen sich durch diese Symbole ein wenig mit der ganzen Kirche verbunden fühlen können.

 

Wir raten Ihnen dazu, die Veröffentlichungen auf der Homepage der Diözese Augsburg zu verfolgen und von den dort vorgeschlagenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen.