Christmette

„Gott Gerneklein ist Mensch geworden“

25.12.2019 09:41

Augsburg (pba). Worin liegt der tiefste Sinn der Heiligen Nacht? Für Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier besteht er in der Geburt von „Gott Gerneklein“. Diese habe es Gott ermöglicht, den Menschen groß und heilig zu machen. Zugleich bedauerte Prälat Meier heute Nacht während der Christmette im Hohen Dom zu Augsburg, dass in unserer Zeit vieles nicht mehr heilig sei.

In der Christmette im Hohen Dom hat der Diözesanadministrator heute des Geheimnis der Geburt Christi gedeutet. (Fotos: Annette Zoepf/pba)

Wie er betonte, sei Weihnachten weder Traum noch Mythos. „Weihnachten ist ein festes Datum, ein historischer Augenblick. Der Allerheiligste betritt die Welt als Kind.“ Dadurch, durch diese Geburt von „Gott Gerneklein“, erhalte jeder Mensch seine Würde von Gott. „Jeder Mensch ist heilig, wie klein und krank, schwach und zerbrechlich, jung oder alt oder angeknackst er auch sein mag“, so der Diözesanadministrator. Alles, was den Namen Mensch trage, müsse uns heilig sein. „Egal, wer er ist, wo und wie er lebt; egal ob im Mutterleib, behindert oder todgeweiht; egal, welche Lebenslinien und Lebensbrüche er mitbringt; egal was er vorweisen kann; egal, welcher Religion er angehört.“ Vor Gott sei jede und jeder geheiligt, weil Jesus der Heiland aller Menschen sei.

Diese Botschaft der Heiligen Nacht verpflichte uns. Prälat Meier: „Wenn es Tag wird, dürfen wir nicht vergessen, was in dieser Nacht geschah.“ Es gehe darum zu bezeugen, dass wir die Geburt des Heilands gefeiert haben. So werde die Heilige Nacht heilsam. „Die Heilige Nacht heilt Wunden als Nacht des Friedens und der Versöhnung.“

Denn heute, in unserer von Kommerz, Konsum und Kitsch geprägten und religionslos gewordenen Umwelt sei „so vieles um uns herum entheiligt“, hob der Diözesanadministrator hervor. Es sei nicht leicht, über die Heilige Nacht zu sprechen. „Der Heiligenschein ist verblasst. Und wir selbst sind nicht unschuldig daran.“ Könnten wir nach dem Missbrauchsskandal das Wort von der heiligen Kirche überhaupt noch in den Mund nehmen, fragte er. Die Glaubwürdigkeit der Kirche bröckele. Religiöse Gefühle würden mitunter belächelt oder sogar offen verletzt. Und während mit dem Islam in Deutschland bisher noch einigermaßen respektvoll umgegangen werde, nähmen die Aktionen gegenüber unseren jüdischen Glaubensgeschwistern merklich zu. „Ein Grund zu großer Sorge“, bekundete Prälat Meier.

Obwohl in unserer Zeit also nicht mehr viel als heilig gelte, feierten wir dennoch die Heilige Nacht. Das sei schon damals nicht viel anders gewesen. „Die Bewohner von Bethlehem haben geschlafen, und die Hoteliers und Pensionsbesitzer, die aus dem Schlaf gerissen wurden, wollten sich nicht stören lassen. Keine Spur von Heiliger Nacht!“ Nur die Hirten seien als einzige ganz Ohr für die Botschaft der Engel gewesen und für ihren Hymnus auf den Frieden.