Ulrichswoche

Gottesdienst zum Innehalten in der Pandemie

10.07.2021 14:35

Bischof Bertram hat im Rahmen der Ulrichswoche einen Gottesdienst zum Innehalten, Gedenken und Bitten nach über einem Jahr der Covid-19-Pandemie gefeiert. Während der Heiligen Messe in der Ulrichsbasilika kamen auch fünf Zeugnisse von Menschen zu Gehör, die die Pandemie auf unterschiedliche Weise er- und durchlebt hatten.

Die fünf Zeugnisse gaben einen tiefen und oft auch sehr persönlichen Einblick in die vielfältige Art und Weise, wie die Pandemie das Leben der Menschen beeinträchtigt hat und nach wie vor prägt. Eine Mutter erzählte davon, wie das Ministrieren im Gottesdienst für ihre Kinder zum „Zufluchtsort“ wurde, da es alleine dort noch möglich war, sich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Auch eine Schülerin unterstrich dies und berichtete davon, wie sehr ihr der tägliche Umgang im Schulalltag gefehlt hatte. Die Tochter eines am Coronavirus Verstorbenen erzählte, wie sie ihren Vater noch ein letztes Mal besuchen durfte und wie er sich mit einem „stummen Winken“ verabschiedete, bevor er am Karfreitag des vergangenen Jahres starb.

Fünf Menschen gaben persönliche Zeugnisse ab (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Eine Krankenschwester im palliativen Bereich betonte, wie enorm kräftezehrend ihr Dienst an den Menschen gewesen sei und wie sie selbst am Ende eines überstundenreichen Tages oft das Gefühl gehabt habe, nicht genug getan haben zu können. Und schlussendlich berichtete ein Krankenseelsorger von den großen Herausforderungen der vergangenen Monate, unter den Umständen der Pandemie dennoch für die Patienten, ihre Angehörigen und das Klinikpersonal da sein zu können.

An diese fünf bewegenden Zeugnisse anschließend wollte Bischof Bertram anknüpfen und gab deshalb bewusst ohne Mitra ein kurzes „Predigt-Zeugnis“ ab, in dem er von seinen Erfahrungen als Bischof in der Pandemie erzählte und betonte, dass er trotz aller schwierigen Umstände die vergangene Zeit oft auch als „Hochzeit der Freundschaft und des Humors“ erfahren habe. „Humor ist seit jeher ein großes Thema gerade dort, wo Menschen leiden: in Krankenhäusern und Seniorenheimen, bei Todesfällen und in Zeiten politischer Unterdrückung. Der Humor hat – das hat mir Corona gezeigt – einen bevorzugten Platz in der Trauer.“ Das Lachen lösche den Kummer nicht aus, mache ihn aber erträglich, betonte der Bischof und verwies auf den berühmten jüdischen Humor, der selbst in Zeiten schrecklichster Verfolgungen und Demütigungen aufgeblüht sei. „Im Gegensatz dazu fällt mir auf, dass unsere christlichen Fanatiker manchmal so erschreckend humorlos sind … Im Namen Jesu darf man nicht lachen! Meinen sie, doch das Gegenteil ist der Fall: Humor haben heißt sich nicht so furchtbar ernst nehmen.“

Bischof Bertram schloss sich den Zeugnissen an

Die Monate der Pandemie hätten ihm aber auch gezeigt: „Nicht nur die Freiheit ist begrenzt, auch die Gesundheit.“ Der Tod stehe am Ende des Lebensweges aller Menschen. Dieses Wissen um die Begrenzungen des Lebens sei aber kein Grund zum Verzweifeln, sondern vielmehr Erleichterung und Trost, betonte Bischof Bertram und ermunterte abschließend noch einmal alle dazu, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, wenn sie es nicht schon getan hätten.

Die Messe wurde mit einem Gebet der württembergischen Theologin Margret Schäfer-Krebs beschlossen: „Gib uns Geduld und Kraft, diese Zeit zu bestehen. Lass uns nicht verzagen. Hilf uns, die Zeit zu nützen für gute Worte und Gesten der Liebe.“ Der Gottesdienst wurde von einem Vokalensemble unter Leitung von Peter Bader musikalisch gestaltet und live auf Radio Horeb übertragen.