Gebetsstätte

Großer Gebetstag in Marienfried

18.07.2021 15:31

Jedes Jahr im Juli feiert die Gebetsstätte Marienfried bei Pfaffenhofen a.d. Roth (Dekanat Neu-Ulm) einen „Großen Gebetstag“. Zu diesem Anlass hat Bischof Bertram am Sonntag ein feierliches Pontifikalamt am Freialtar vor der Kirche zelebriert.

In seiner Predigt nahm der Bischof Bezug auf die biblische Erzählung der Hochzeit von Kana, in der zum Schrecken der Gäste plötzlich der Wein ausging. Erfahrungen dieser Art seien uns auch im alltäglichen Leben bekannt: Ehepaare, die sich „leer geliebt“ haben, Eltern, die sich zwischen Arbeitsleben und Familie „zerlebt“ fühlen, Kinder und Jugendliche, die im Rückblick ihre Zeit als „verlebt“ empfingen, ältere Menschen, denen die Kraft zum Leben ausgehe: „Dass wir ausgepumpt sind und erschöpft, verbraucht wie die Weinvorräte - daran kommt keiner vorbei. Die Energie fehlt uns, die Freude und der Mut. Leer sind wir - wie die Weinkrüge von Kana.“

Der feierliche Einzug wurde von einer Statue der Muttergottes angeführt (Fotos: Julian Schmidt / pba)

Der Große Gebetstag gebe vor diesem Hintergrund dazu Anlass, auf die Probleme in Kirche und Gesellschaft zu blicken. Während Deutschland jeden Tag aufs Neue die vom Robert-Koch-Institut herausgegebenen Inzidenz- und R-Wert-Zahlen studiere, blicke die deutsche Kirche derzeit auf die statistischen Eckdaten für das Jahr 2020. „Der Ton – auch kirchlicher Medien – klang melancholisch bis traurig, er pendelte zwischen Depression und Aggression.“ Oft könne man nun hören, dass strukturelle Systemveränderung das Einzige sei, was die Kirche noch retten könne.

Entscheidend sei allerdings die innere Ausrichtung auf Jesus Christus. Wenn auch in der Kirche sich der köstliche Wein in fades Wasser verflüchtigt habe, sei dies kein Grund zum Aufgeben. „Es ist sogar Entlastung und Erleichterung. Wir brauchen die Kirche nicht selber machen, sie ist uns vom Wesen her vorgegeben. Die göttliche Vorgabe umsetzen, das ist unsere Aufgabe. Nicht wir ,machen‘ die Kirche, Jesus schafft, baut uns auf als Kirche“.

Bischof Bertram bei der Predigt

Jesus sei indes kein Wunderdoktor, den man auf Wunsch bestellen könne. „Mit ihm sind wir nicht sorgenfrei. Er nimmt die Lasten nicht ab, aber er hilft sie tragen.“ Schon Maria habe bei der Hochzeit von Kana geraten: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5) Die Anweisung Jesu an die Diener des Hochzeitspaares, die Weinkrüge mit Wasser zu füllen, könne auch für die Menschen der heutigen Zeit verstanden werden. „Was käme da in Bewegung, wenn wir es machten wie die Diener von Kana und wirklich anfingen, die Krüge zu füllen mit unserem Wasser! Was könnten wir da alles wegschütten - wieviel Lustlosigkeit und Halbheit, wieviel Engherzigkeit und Erstarrung! Das wäre doch eine wirkliche Hoch-Zeit, wenn wir im Vertrauen auf Gottes Wort unsere wässrigen Ungenießbarkeiten wandeln ließen, um dann ganz Neues daraus zu schöpfen: den Wein seiner Freude.“

Hochgebet

Die Hochzeit von Kana mit der Wandlung von Wasser in Wein sei nicht nur als Vorandeutung der Wandlung in der Eucharistie zu lesen, sondern auch als Versprechen Gottes, dass er unser Leben wandeln könne: „Und bitten wir ihn auch darum, dass Kana nicht nur in Galiläa liegt, sondern bei uns geschieht - hier und jetzt!“

Die Gebetsstätte Marienfried geht zurück auf ein 1944 abgelegtes Gelübde der Pfarrgemeinde St. Martin in Pfaffenhofen a.d. Roth. Nachdem die Gemeinde im Krieg weitestgehend verschont blieb, wurde unter tätiger Mithilfe der dortigen Schönstatt-Bewegung 1947 eine der Muttergottes geweihte Kapelle errichtet. 1995 wurde sie von Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz unter dem Namen „Maria, Mutter des Friedens“ als eigenständige Kirchenstiftung errichtet. 2010/11 wurde die Kirche grundlegend umgebaut und in die heutige Form gebracht. Zum Großen Gebetstag kommen normalerweise jedes Jahr mehrere tausend Menschen. Der heuer gefeierte Festtag konnte aufgrund der Pandemiebestimmungen nur in kleinerer Form gefeiert werden und wurde live im Internet sowie auf Radio Horeb übertragen.

Die Kirche von Marienfried
Das Kircheninnere
Das Festzelt zum Gottesdienst