Sebastianifest in Landsberg

„Klare Kante braucht die Kirche“

23.01.2022 13:31

Beim Festgottesdienst zum Sebastianifest in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg hat Bischof Dr. Bertram Meier dazu aufgerufen, klare Kante für das Evangelium zu zeigen. „Gerade jetzt sind überzeugte und überzeugende Christen gefragt: keine Schlaftabletten, sondern Vitaminspritzen für die Gesellschaft.“ Bereits vor der Messe besuchte er den Kindergottesdienst, sprach mit den Kindern und beschenkte sie mit einer „Kirchenmaus“.

Beim Sebastianifest in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg wurde des Patrons der Stadt, dem hl. Sebastian, gedacht. (Foto: Maria Steber / pba)

Jesus habe seinen Jüngern ein dreifaches „Fürchtet Euch nicht“ zugerufen, betonte der Bischof in seiner Predigt und deutete dies als Ermutigung für uns Christen im Heute. „Vermitteln wir nicht oft den Eindruck: Wir Christen fürchten uns? Wir meiden das Statement, das Bekenntnis mit Konsequenz.“ Doch gerade jetzt seien überzeugte und überzeugende Christen gefragt. „Wir sind weder Opium für ein aufgewühltes Volk noch Beruhigungsmittel für aufgescheuchte Seelen.“ Vielmehr gehe es darum unsere Zeitgenossen in heilsame Unruhe zu versetzen. „Klare Kante braucht die Kirche. Sie hat nicht den Auftrag Schalmeienklänge universaler Harmonie zu predigen, sondern Ernst und Freude am Evangelium.“   

Angesichts der Corona-Pandemie sei vielen Menschen die Angst auf die Pelle gerückt. „Die Pest von damals heißt heute Corona“, betonte Bischof Bertram. Der hl. Sebastian sei an dieser Stelle nicht nur als Pestpatron in der gegenwärtigen Pandemiezeit hochaktuell, sondern auch als Glaubenszeuge und Märtyrer. Corona lasse uns Christen in den Spiegel der Wahrheit schauen. Die Kirche(n) selbst würden in Frage gestellt: „Wozu braucht man uns? Welche Rollen haben wir in der multireligiösen Gesellschaft, die auch in Landsberg Einzug gehalten hat? Sind wir mit unserer Botschaft und den Angeboten, die wir den Menschen machen, systemrelevant?“, richtete er sich fragend an die Gläubigen und schob eine klare Antwort sogleich nach. Denn für ihn sei die Kirche in den zahlreichen sozial-caritativen Einrichtungen systemrelevant und in vielem, was den Bürgerinnen und Bürgern geboten werde, lebens- und sogar überlebensrelevant. „Mehr noch: Wir sind existenzrelevant“, betonte der Bischof. Die Kirche mache ein Angebot, das über das Irdische hinausreicht: „Wir Christen halten den Himmel offen. Wenn wir von der Erde reden, eine menschlichere Welt gestalten wollen, dann treibt uns der Glaube, dass der Himmel offensteht.“  

Hinsichtlich der Gestaltung von Gottesdiensten, die er oft als zu glatt und oberflächlich beschrieb, rief er jedoch zu mehr Gedankenreichtum auf. „Manche Predigten sind plätschernde Plaudereien, mit wenig Biss und kaum noch Trost.“ Die Kirche brauche mehr Tiefgang. „Das ist unser Kerngeschäft, nicht die Bürokratie.“ Die religiöse Antenne des Menschen werde oft vernachlässigt, sagte er und bezeichnete dies als „grob fahrlässig“.  Gerade jetzt bräuchten die Menschen Nahrung für die Seele. Die Kirche warnte er davor, zu einem „seelenlosen Apparat“ zu werden. „Wir werden nur punkten, wenn wir uns wieder auf unser Kerngeschäft besinnen: die Seelsorge“, so Bischof Bertram.

Eine "Kirchenmaus" als Handpuppe schenkte Bischof Bertram den Kindern für ihre zukünftigen Kindergottesdienste. (Foto: Maria Steber / pba)

Mit der Sebstianslitanei, dem Sebastiansgebet und -lied wurde am Ende des Gottesdienstes des Stadtpatrons von Landsberg gedacht und um seine Fürsprache gebeten. Auch im Kindergottesdienst, der parallel im Pfarrsaal gegenüber der Kirche gefeiert wurde, stand der hl. Sebastian thematisch im Fokus. Bischof Bertram stellte sich den Kindern zu Beginn des Kindergottesdienstes vor und erklärte ihnen seine Funktion als Bischof. Als Erinnerung an seinen Besuch und kommende gemeinsame Gottesdienste schenkte er ihnen eine „Kirchenmaus“ als Handpuppe.

Der Stadtpfarrer von Landsberg, Michael Zeitler, bedankte sich mit einer Schokolade für den Besuch in Landsberg. (Foto: Maria Steber / pba)

Das Sebastianifest in Landsberg geht auf eine lange Tradition zurück. So wird dem Stadtpatron bereits seit dem Jahr 1402 jedes Jahr mit einem feierlichen Gottesdienst und einer anschließenden Prozession durch die Altstadt gefeiert. Coronabedingt konnte diese heuer nicht stattfinden.

Ein Deckenfresko im Schiff der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zeigt Sebastian, der mit seinem Schild die Bürger der Stadt vor Blitzen des göttlichen Zorns schützt. Ein Engel neben dem Heiligen trägt dabei das Wappen der Stadt Landsberg.

 

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zum Sebastianifest in Landsberg am Sonntag, 23. Januar 2022