Heilige Woche

„Lernen wir vom Fußpfleger Jesus!“

01.04.2021 21:27

Bischof Bertram hat mit einem Pontifikalamt zum Gründonnerstag das Gedächtnis des Letzten Abendmahles begangen. In seiner Predigt bezog er sich auf Jesus als „Fußpfleger“ der Menschen. Die traditionelle Fußwaschung am Gründonnerstag musste coronabedingt entfallen.

Ausgehend von Jesu Wort „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ (Joh 13,12) stellte der Bischof die Fußwaschung der Jünger durch Jesus in den Mittelpunkt. „Ihnen allen wäscht Jesus die Füße - einem nach dem anderen, und er schaut jedem von ihnen noch einmal in die Augen. Der Kreis der Apostel ist unser Kreis, Modell einer geistlichen Gemeinschaft, die sich hier versammelt.“ Passend dazu hatte er auch einen Bischofsstab ausgewählt, der in seiner Krümme die Szene bildlich darstellte.

Bemerkenswert sei diese Tat Jesu schon deshalb gewesen, weil die Aufgabe des Füßewaschens damals zum Dienst eines Sklaven gehört habe, betonte der Bischof. „Der Sklave, der die Füße wusch, nahm sie behutsam in seine Hände und prüfte, ob sie Wunden aufwiesen. Dann behandelte er die Wunden mit Öl und salbte sie. In der Antike war Öl das beliebteste Heilmittel. Diesen Dienst vollzieht Jesus an seinen Jüngern. Er pflegt den Seinen die Füße. Jesus – der Fußpfleger.“

Der Krummstab des Bischofs (Fotos: Annette Zoepf / pba)

Doch der Abendmahlsaal sei nicht als Wellness-Studio zu verstehen. Gott habe sich zu den Menschen herabgebeugt, ihnen die oft schmutzigen Füße gewaschen und sie an ihrem niedrigsten und verwundbarsten Punkt liebevoll berührt: „Solange wir als Jünger Jesu auf der Welt sind, werden wir uns immer wieder schmutzig machen. Und wenn wir uns auf die Seite der Armen und Kleinen stellen, der Kranken und Kinder, werden wir uns auch die Hände schmutzig machen und die Füße wund laufen müssen“, so Bischof Bertram.

Gleichzeitig verweise die Fußwaschung bereits auf Karfreitag, sagte der Bischof und zitierte ein weiteres Jesuswort: „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe“ (Joh 15,3). Die Gemeinschaft mit Jesus sei für seine Jünger wie ein heilendes Bad gewesen, exemplarisch verdichtet und auf den Punkt gebracht in der Fußwaschung als „Zeigefinger auf das Kreuz“. Am Kreuz habe Jesus sich der „Achillesferse des Todes“ gestellt und in der Fußwaschung gezeigt, dass er ebendiese Achillesferse liebevoll wasche, salbe und letztendlich heile.

Sein Dienst an den Jüngern verweise schließlich auf den Auftrag der christlichen Nächstenliebe, so Bischof Bertram: „Mit seiner Fußpflege hilft uns Jesus in den Schuh unserer Berufung: Wir waschen einander nicht den Kopf, sondern die Füße. Unsere Mission besteht nicht darin, einander auf den Fuß zu treten, sondern uns einander zuzuneigen, uns voreinander zu verbeugen, um unsere verwundbaren Stellen zu berühren und zu heilen.“

Verehrung des Allerheiligsten

Aufgrund der coronabedingten Hygienemaßnahmen musste die traditionelle Fußwaschung, die der Bischof normalerweise vorgenommen hätte, heuer entfallen. Nach der Feier der Eucharistie, liturgisch durch den besonderen Verweis auf Gründonnerstag als Feier des Letzten Abendmahles geprägt („Das ist heute“), wurde das Allerheiligte in Prozession zum Sakramentsaltar gebracht. Dort sang der Domchor den berühmten eucharistischen Hymnus „Pange lingua“ des mittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Der Bischof betete vor dem Allerheiligsten: „In dieser Nacht stellst du dich an die Seite aller, die in den Dunkelheiten leiden, kämpfen und ihnen auch erliegen. Steh allen Menschen bei, damit niemand untergeht im Dunkel des Leidens, der Sünde und des Todes“, bevor er in Stille aus dem Dom auszog.

Der Gründonnerstag wird im Gedächtnis an das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern gefeiert und gilt gemeinsam mit Fronleichnam als eucharistisches Hochfest. Im Anschluss wird an vielen Orten eine Ölbergandacht begangen. Zwischen dem Gloria des Gründonnerstags und dem des Ostersonntags schweigen traditionell die Glocken und Instrumente in der Kirche.