Ulrichswoche / Wallfahrten

„Mit Gott sind wir vor Überraschungen nie sicher“

07.07.2021 11:08

Beim Pontifikalamt zur Frauenwallfahrt stellte Bischof Bertram den hl. Josef als vorbildhaften Familien- und Adoptivvater vor. Er griff Aspekte aus dem Leben des Ziehvaters Jesu sowie des hl. Ulrich auf und deutete deren wegweisende Botschaft für das Leben von Gläubigen heute. Den Frauen versicherte er, mit Gott nie vor Überraschungen sicher zu sein. Bereits gestern Abend feierte Domkapitular Harald Heinrich die traditionelle Messe zur Männerwallfahrt.

Den Gottesdienst zur traditionellen Frauenwallfahrt am Mittwochmorgen in der Ulrichswoche feierte heuer Bischof Bertram mit den Frauen des KDFB, aus Stadt und Umkreis. (Foto: Maria Steber / pba)

„Ein idealer Vater – ja, das wäre Josef auch heute noch: Ein Mann, der Verantwortung übernimmt für Frau und Kind, wenn sie es am nötigsten haben. Der sich mit seiner Hände Arbeit für ihren Unterhalt einsetzt, zuverlässig und ohne viel von sich reden zu machen“, stellte Bischof Bertram den Heiligen in seiner Predigt vor. Auch wenn die geheimnisvolle und göttlich gewirkte Empfängnis für den einfachen Zimmermann aus Nazareth „eine richtig schwere Nuss“ und „Belastungsprobe für seinen Glauben“ gewesen sei, so sei er nicht außer Rand und Band geraten. „Statt sich beleidigt zurückzuziehen oder gar Maria öffentlich anzuprangern“, sei Josef in sich gegangen. „Er überlegte, bevor er handelte – und bezog Gott in seine Überlegungen mit ein.“ Diese Tugend und Haltung sei heute selten geworden. Sie lohne sich aber „auch und gerade im Rahmen der traditionellen Frauenwallfahrt“, in den Blick zu nehmen, betonte der Bischof.

Bischof Bertram bei der Predigt (Foto: Maria Steber / pba)

Sowohl der hl. Josef, als auch der hl. Ulrich könnten als „Männer nach dem Herzen Gottes“ für unser gegenwärtiges Leben Vorbild sein, sagte Bischof Bertram und nannte Aspekte, die uns als Maßstab hierzu dienen könnten. So hätten beide genau jenen Platz in der Welt eingenommen, auf den sie gestellt worden seien: „Sie beuteten die Erde und die Menschen nicht aus, sie suchten nicht ihren eigenen Vorteil, sondern setzten sich tatkräftig dafür ein, dass Leben wachsen und gedeihen konnte.“ Josef habe gewusst, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land sein Dasein zu fristen. „Er lehrte seinen Sohn Ehrfurcht vor Gott und den Menschen, ohne Unterschied der Person.“ Der hl. Ulrich habe auf seinen weitverzweigten Freundeskreis gebaut, den er seit seinen Studienjahren im Kloster St. Gallen hinter sich wusste. So habe er in einer Zeit von Sarazenen – und Hunneneinfällen einem Netz von frommen Frauen und Männern vertraut, habe Frieden gestiftet und die Ärmsten an seinen Tisch geladen. Nicht die sentimentale, sondern „die tatkräftige, einfühlsame Liebe auf Augenhöhe“, sei Jesu Auftrag an uns betonte Bischof Dr. Meier dahingehend.

Hinsichtlich des synodalen Weges und aktuell diskutierter kirchlicher Fragestellungen ermunterte Bischof Bertram die rund 100 Frauen und Engagierten aus den Zweigvereinen des Frauenbunds auf Gott zu vertrauen: „Ich weiß nicht, was passieren wird, aber mit Gott sind wir vor Überraschungen nie sicher“. In Bezug auf die Berufung von Frauen und die Besetzung von Leitungspositionen wandte er sich mit einer Bitte an sie: „Fördern Sie sich als Frauen auch gegenseitig.“ Frauen in Leitungspositionen seien bei den eigenen Geschlechtsgenossinnen oft umstritten, gab der Bischof eigene Erfahrungen wider.    

Symbolisch machten die Frauen auf Probleme der Corona-Pandemie aufmerksam und brachten ihre Anliegen zu Gott (Foto: Maria Steber / pba).

Der Gottesdienst wurde vom Frauenbund Diözesanverband Augsburg vorbereitet und griff das Motto der Ulrichswoche aus frauenspezifischer Sicht auf. „Josef erahnt, spürt, hat Zugang zur Sprache seiner Seele. Er vertraut und handelt“, betonte Ursula Schell, geistliche Begleiterin des Frauenbunds in einführenden Worten zum Gottesdienst. „Auch wir Frauen können von ihm lernen, wenn es um das Hören auf den Ruf Gottes geht.“

Predigt von Bischof Dr. Bertram Meier zur Frauenwallfahrt am 7. Juli 2021

Am Vorabend hatte Domkapitular Harald Heinrich gemeinsam mit der Männerseelsorge des Bistums die traditionelle Männerwallfahrts-Messe gefeiert. In seiner Predigt stellte er das Josefsmotto der diesjährigen Ulrichswoche in den Mittelpunkt. Die Ähnlichkeiten zwischen dem heiligen Josef und dem Bistumspatron Ulrich seien vielfältig. Nicht umsonst singe man in einem Ulrichslied: „Bleib deiner Kirche väterlicher Schutzherr…“ Zwar werde Josef in der Heiligen Schrift nur knapp charakterisiert, doch könne man dennoch einiges über ihn herauslesen. So qualifiziere ihn die Bibel als „Gerechten“ – „einer also, der sich an Gott ausgerichtet hat; der durchlebt hat, wie es geht, dass es recht wird auf Erden, weil Gottes Vorgaben im gemeinsamen Haus eine Chance bekommen.“

Domkapitular Harald Heinrich beim Gottesdienst der Männerseelsorge (Foto: Annette Zoepf / pba)

Als nach damaliger Rollenauffassung Vorstand der Heiligen Familie habe er sich auch um das materielle Wohlbefinden kümmern müssen. Wie einst Mose in der Wüste habe er die nötigen Ressourcen letztendlich von Gott verliehen bekommen: „Du musst wissen, dass die Ressourcen, die mit dem wahren Leben in Verbindung bringen, nicht immer die sind, die sofort verfügbar sind und einem wie im Schlaraffenland von allein in die Kehle fließen; und dass du sie nicht wie ein Magier in der Hand hast, sondern beim Ich-bin-da 'anklopfen' musst.“ Eine ähnliche Rolle habe auch der heilige Ulrich gehabt, der als Bischof dafür verantwortlich war, das Wort Gottes den Menschen als „Ressource“ zu erschließen.

„Unsere Welt sehnt sich doch nach Menschen, die von einer größeren Ökonomie, von den Gesetzmäßigkeiten Gottes nicht nur eine Ahnung haben, sondern davon geformt sind“, betonte der Domkapitular. Einmal gefundene Lösungen gälten zwar nicht für immer, wollten aber doch durchgetragen werden – „im Wissen, dass du auch in der nächsten Krise mit der Treue Gottes und seiner Boten rechnen kannst.“