Palmsonntag

„Mitlaufen reicht nicht!“

28.03.2021 13:01

Bischof Bertram hat am Palmsonntag in einem Pontifikalamt im Hohen Dom den Einzug Jesu in die heilige Stadt Jerusalem gefeiert. In seiner Predigt sprach er über die menschliche Natur der Kirche und die Einladung Jesu an alle, mit ihm mitzugehen.

Die traditionelle Palmprozession musste heuer coronabedingt ausfallen. Stattdessen kam Bischof Bertram zusammen mit den Konzelebranten im Westchor des Hohen Doms zusammen, um dort in einer Statio das Gedächtnis vom Einzug Jesu in Jerusalem zu begehen und die vorhandenen Palmbuschen zu segnen. Die anschließende Messfeier fand im Ostchor der Kathedrale statt, wo auch die Passion Jesu vorgetragen wurde.

„Die Kirchen schrumpfen. Wer das Gesundschrumpfen nennt, muss sich in Acht nehmen vor Schönfärberei. Für mich ist jeder Kirchenaustritt ein Frageauszeichen: Warum kehrt dieser Mensch uns den Rücken?“, fragte der Bischof zu Beginn seiner Predigt. „In der Kirche sind nicht nur die Perfekten, die Reinen, die Unbefleckten. Kirche ist ‚simul iusta et peccatrix‘, gerecht und sündig zugleich. Daran ändert auch unser Bekenntnis zur ‚heiligen Kirche‘ nichts“, betonte er und zitierte den spätantiken Kirchenlehrer Ambrosius, der bereits im 4. Jahrhundert die Kirche eine „keusche Hure“ nannte.

Palmsonntag 2021 im Hohen Dom zu Augsburg (Foto: Annette Zoepf / pba)

„Die von Weihrauchschwaden umwölkte Mystik und das Geheimnis des Entrückten, des ‚Keuschen‘, gehören zur Kirche; sie machen weltweit für viele Millionen bis heute ihre Faszination aus“, so der Bischof weiter. Doch die oft beanspruchte und oft nicht eingelöste „Heiligkeit“ habe ihren Preis: „Hinter der sakralen Nebelwand - gerade hinter ‚Brüdern im Nebel‘, wie Kardinal Joachim Meisners sein Geheimdossier über dunkle Priestergestalten nannte - blüht nicht nur die Fantasie des Himmlischen und Göttlichen, sondern auch die der weltlichen Laster und Leidenschaften, der Sünden und Verbrechen.“

Eine unbefleckte katholische Kirche könne es ebenso wenig geben wie einen unschuldigen, sündenlosen Menschen: „Denn die Kirche sind wir selbst, Spiegel des Menschseins. Obwohl wir dem Allerheiligsten dienen, sind wir oft alles andere als heilig. Das müssen wir zugeben. Das können wir beklagen. Ändern aber können wir es nicht.“ Abschließend dankte der Bischof den Anwesenden für ihr „Mitlaufen“ mit der Kirche auch durch schwierige Zeiten – „nicht als unkritische Mitläufer, sondern als konstruktive Wegbegleiter und -gestalter“, vereint mit dem Kreuz als gemeinsamem Ziel.