Wallfahrtsorte

Neuer Wieskurat: Pfarrer Florian Geis übernimmt Amt

05.09.2021 16:02

Augsburg (pba). Am Kirchweih- und Schutzengelfest der weltbekannten Wieskirche hat im Rahmen eines von Bischof Dr. Bertram Meier gefeierten Pontifikalamtes die „Stabsübergabe“ stattgefunden. Auf den langjährigen Wieskuraten Monsignore Gottfried Fellner folgt Bischöflich Geistlicher Rat Pfarrer Florian Geis, der zuvor in der Augsburger Stadtpfarrei St. Georg tätig war.

Der neue Wieskurat Pfarrer Florian Geis BGR (Fotos: Julian Schmidt / pba)

In seiner Predigt bezog der Bischof sich auf das bekannte Jesuswort an seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Diese Frage sei mutig und provokant zugleich gewesen und dürfe auch einen Wiespfarrer nicht loslassen, sie sei sogar eine „Nagelprobe für jeden Christen“. Ähnlich provokant wie die Frage sei auch die prächtig gestaltete und geschmückte Wieskirche, an deren Hochaltar eine zerschundene Christusfigur aus Holz stehe: „Das soll die Mitte der Wieskirche sein? Ja! In dieser Monstranz zeigt sich Gott von seiner menschlichen Seite. Pracht und Glanz dieser Kirche erschließen sich uns erst dann, wenn wir das Geheimnis dieses Gnadenbildes erfassen.“

Bischof Bertram bei der Predigt

Vor Christus könne man seine Sorgen und Leid, Kummer und Tränen hintragen und auf Verständnis und Linderung hoffen. Dieses Geheimnis des Schmerzes und Leidens müsse in der Wieskirche weiterhin lebendig bleiben. Auch die Treue zur Kirche und zum katholischen Glauben sei ein Markenzeichen der Seelsorge auf der Wies, die weiterhin zum A und O des dortigen Wirkens gehören müsse und werde: „Habt keine Scheu, eine Lanze für den katholischen Glauben zu brechen.“ Dies schließe Kritik nicht aus, doch müsse sie konstruktiv und im Geiste des „sentire cum Ecclesia“, des Fühlens mit der Kirche erfolgen.

„Pfarrer Fellner galt als Institution!“, betonte der Bischof und verwies auf die zahlreichen Spuren, die der künftige Ruhestandsgeistliche an seinen verschiedenen Wirkstätten hinterlassen habe: „Ganz frische Spuren werden sicher lebendig aus der Zeit, da Du der Wieskirche Deinen unverwechselbaren und nachdrücklichen Stempel eingeprägt hast.“ Er wünsche ihm und seinem Nachfolger, beharrlich und treu im Glauben an Gott und im Dienst an den Menschen zu bleiben.

Der Gottesdienst wurde live auf K-TV übertragen

Weiter sprach der Bischof Pfarrer Geis seinen Dank aus, dass er den Ruf vom Mozartpfarrer zu St. Georg zum Wiespfarrer im Allgäu sofort angenommen habe. Das berühmte Gotteshaus künde im Kern eine ernste Botschaft: „Das Gnadenbild erinnert uns, dass der eigentliche Hohepriester der Gegeißelte Heiland ist. Im Zentrum des hellen und bunten Festsaals, der nur so von Lebenslust strotzt, steht der Schmerzensmann.“ Wer ihn als Wiespfarrer treffe, möge spüren, dass er als Gottesmann keine Droh-, sondern eine Frohbotschaft verkünde und wie sein Vorgänger bodenständig und leidenschaftlich von der Freundschaft Jesu erzähle.

Am Ende des feierlichen, von K-TV live im Fernsehen übertragenen Gottesdienstes verlas Bischof Bertram das Ernennungsdekret für Pfarrer Geis und machte damit die Amtsübernahme auch formell komplett. In einer Ansprache bedankte der neue Wieskurat sich beim Augsburger Oberhirten für das in ihn gesetzte Vertrauen sowie bei seinem Vorgänger für die Einarbeitung und Unterstützung: Es sei schon etwas Besonderes, wenn man eine so schöne Kirche wie die Wies als seinen Arbeitsplatz bezeichnen dürfe.

Drei Generationen an Wiespfarrern (v.l.): Prälat Georg Kirchmeir (an der Wieskirche von 1978-2012), Pfarrer Florian Geis BGR (seit 2021), Bischof Dr. Bertram Meier und Monsignore Gottfried Fellner (2012-2021)

Pfarrer Florian Geis wurde 1965 in Augsburg geboren und empfing 1990 die Priesterweihe. Nach Kaplans- und Pfarrstellen in Manching und Söcking war er von 2002 ab Stadtpfarrer in Augsburg-St. Georg und später Leiter der neugegründeten Pfarreiengemeinschaft St. Georg/St. Maximilian/St. Simpert. Er folgt auf Monsignore Gottfried Fellner nach, der 1945 im österreichischen Altmünster geboren und 1974 für das Bistum Augsburg zum Priester geweiht wurde. Nach fast vier Jahrzehnten als Studienpräfekt, Religionslehrer und Pfarrer in Dillingen wirkte er von 2012 bis 2021 als Kurat in der Wieskirche. Monsignore Fellner wird auf Wunsch seines Nachfolgers auch weiterhin als Seelsorger in der Wies wirken und aushelfen.

Die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies in Steingaden, kurz Wieskirche genannt, gehört zu den meistbesuchten Kirchen der Welt. Sie geht auf eine seit 1739 bestehende Wallfahrt zum dortigen Gnadenbild zurück und wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts von den berühmten Baumeisterbrüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann errichtet. Seit 1983 ist sie UNESCO-Weltkulturerbestätte.

Die Wieskirche ist seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe
Das Gnadenbild zum Gegeißelten Heiland
Die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies