Bischofshaus

Sanierung soll Ende 2023 abgeschlossen sein

Hinter dem Gerüst werden in den kommenden Monaten zahlreiche Einzelmaßnahmen zur Ertüchtigung des Bischofshauses umgesetzt. (Foto: Nicolas Schnall / pba)
19.01.2022 12:50

Augsburg (pba). Die Erneuerung einer völlig veralteten und zum Teil gesundheitsgefährdenden Haustechnik sowie die Beseitigung von Gebäudeschäden stehen im Mittelpunkt der Sanierungsarbeiten, die jetzt am Augsburger Bischofshaus begonnen haben. In einem Pressegespräch haben Bischof Dr. Bertram Meier und die fachlichen Experten an diesem Mittwoch die Details der einzelnen Maßnahmen erläutert. Die Renovierung soll Ende 2023 abgeschlossen sein. Die erwarteten Kosten von rund zehn Millionen Euro werden vom Bischöflichen Stuhl, einer kirchlichen Stiftung öffentlichen Rechts, und somit nicht aus Kirchensteuermitteln beglichen.

Sanierung Bischofshaus: Schäden an der statisch relevanten Tragwerkskonstruktion (Foto: Dr. Schütz Ingenieure Kempten)

Für Bischof Bertram ist die umfangreichste Sanierungsmaßnahme des Gebäudes seit mehr als 40 Jahren eine große Chance: „Anders als meine Vorgänger wohne ich ja nicht im Bischofshaus und werde das auch künftig nicht tun. Das heißt zum einen, dass man jetzt, ohne improvisieren zu müssen, einmal von Grund auf alles untersuchen konnte, und zum anderen, dass man den frei gewordenen Platz in Zukunft für wichtige Verwaltungsbereiche nutzen kann.“

Architekt Rainer Heuberger erläuterte die Pläne für die Umnutzung des Gebäudes von einem Wohn- und Amtssitz zu einem Verwaltungsgebäude, die vor allem im Nordflügel des Gebäudes zusätzlichen Raum schaffen: „Die Gebäudestruktur mit den langen Fluren im West- und im Nordflügel eignen sich sowieso besser für eine Büro- als für eine Wohnraumnutzung. Deshalb sind hier nur geringfügige konstruktive Änderungen notwendig.“ Die umfangreichste Sanierung betreffe die Neuaufstellung der Haustechnik: Alle Installationen, so Heuberger, seien nach 35 bis 45 Jahren veraltet und brandschutztechnisch überholt. Zudem war bisher die Wärme- und Wasserversorgung mit bis zu 80 Meter langen Leitungen aus einem anderen Gebäude zugeführt worden, was zu Energieverlusten und hygienischen Problemen geführt hatte.

Den jetzigen Arbeiten vorausgegangen waren gründliche Untersuchungen des Hauses, das in Teilen noch von den Vorgängerbauten aus dem 16. bzw. 18. Jahrhundert stammt. Dabei, so erläuterte Diözesanbaudirektor Johannes Kerschensteiner, wurden gravierende Fäulnisschäden an der statisch relevanten Tragwerkskonstruktion entdeckt: „Diese Schäden finden sich massiv im Dachtragwerk, haben aber auch schon dazu geführt, dass der Erker zum Kustosgäßchen im ersten Stock sich abgesenkt hat.“ Zudem seien große Bereiche in der Dachkonstruktion schadstoffbelastet.

Beim Pressetermin stellten die Fachexperten gemeinsam mit Bischof Bertram die anstehenden Maßnahmen vor. (Foto Annette Zoepf pba)

Max Meixner vom Projektbüro Meixner+Partner erläuterte den Zeitplan: Die Baugenehmigung sei im Oktober 2021, rund sechs Monate nach Einreichung des Bauantrags, erteilt worden. Nach den Rohinstallationsarbeiten soll der Feinausbau im Januar 2023 beginnen und im November 2023 abgeschlossen sein. Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten danach neben der Generalsanierung des Bischofshauses mit einer Geschossfläche von 2.430 Quadratmetern auch die Sanierung der angrenzenden Kapelle und Ausbesserungen der Tiefgarage.

Die Kosten von laut Planung 10,1 Millionen Euro, so Stefan Klaiber, Stellvertretender Finanzdirektor der Diözese Augsburg, werden aus dem sog. Bischöflichen Stuhl, einer kirchlichen Stiftung öffentlichen Rechts, finanziert. Sie fallen damit nicht dem Kirchensteuerzahler zur Last.

Ein besonderes Kennzeichen der Gesamtmaßnahme ist die angestrebte Nachhaltigkeitszertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB). Die DGNB hat bisher fast ausschließlich Neubauten begleitet, kaum aber Sanierungen. Das Bistum Augsburg übernimmt hier eine Pionierrolle. Bischof Bertram: „Wir wollen als Bistum bis 2030 klimaneutral werden und sind auf einem guten Weg. Ich bin allen Planern und Ausführenden bei diesem Projekt dafür dankbar, dass sie den Ehrgeiz haben, hier den Ansprüchen von Ökonomie, Ökologie und Denkmalschutz gleichermaßen gerecht zu werden.“

Haustechnische Installationen: Lange Versorgungswege führen zu Energieverlust, nicht ökologisch. (Foto: Annette Zoepf / pba)
Schäden an der statisch relevanten Tragwerkskonstruktion_Geöffneter Fußboden im Erker Westflügel (Foto: Annette Zoepf / pba)
Sanierung Bischofshaus: Fäulnisgeschädigter Sparrenfuß, Dachtragwerk Westflügel. (Foto Dr. Schütz Ingenieure Kempten)