Katholischer Verband für soziale Dienste (SKM)

„Sie holen Menschen in die Mitte“

19.01.2022 20:20

Gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen des Caritas-Fachverbandes für Wohnungslose, Straffällige und Bedüftige (SKM) hat sich Bischof Dr. Bertram Meier an diesem Mittwoch über deren Arbeit ausgetauscht. In der Augsburger Wärmestube berichteten rund 20 Mitarbeiter/-innen aus den SKM-Ortsvereinen über ihr Engagement, über Probleme, Erfahrungen und aktuelle Projekte. Ein Gottesdienst in der Kirche hl. Kreuz rundete den Nachmittag ab.

Das Leben verlaufe nicht immer in geordneten Bahnen, sondern sei dynamisch und oft von schleichenden Übergängen geprägt. „In diesen Grauzonen des Lebens sind Sie für die Menschen da. Danke, dass Sie sich hier einsetzen“, wandte sich Bischof Bertram an die Engagierten. Menschen ohne Dach über dem Kopf seien oftmals auch Menschen ohne Dach für die Seele. „Für diese Männer und Frauen tut dieses Zelt gut, nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele“, lobte der Bischof das vielzählige Engagement, das täglich nicht nur in der Augsburger Wärmestube den Obdachlosen zu Gute kommt. Tief bewegt zeigte er sich auch über seinen dortigen Besuch in den Tagen vor Weihnachten, von welchem ihm vor allem zwei Begegnungen in Erinnerung geblieben seien. „Man spürt, Sie schaffen hier ein Dach für die Seele“, betonte er.

Bei dem Gespräch war neben dem Diözesancaritsdirektor, Domkapitular Dr. Andreas Magg, auch der Generalsekretär des SKM-Bundesverbandes, Stephan Buttgereit, dabei. Dieser lobte bei dem Gespräch vor allem das diözesane Immobilienkonzept des Fachbereichs „Wohnen“, das auch im 2020 eröffneten Georg-Beis-Haus in Augsburg-Lechhausen sichtbar werde. Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen finden dort in Appartements und Wohnungen ein Dach über dem Kopf. „Im Bistum Augsburg haben Sie hier einen Schatz gehoben, der vorbildlich ist“, lobte Buttgereit die Sozialen Wohnraumhilfen des SKM.  

Von Wohnungsnot, die sich nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land zeige, berichteten auch die Engagierten aus den Vereinen vor Ort. Sie brachten dem Bischof konkrete Wünsche und Vorstellungen hinsichtlich ihres weiteren Tuns vor und sprachen über das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure vor Ort. Einen Tipp gab Bischof Bertram den Aktiven an dieser Stelle mit auf den Weg: „Versuchen Sie die Systematik des Denkens und Handelns zusammenzubringen. Auch in die Politik hinein.“ Eine „caritative Offensive“ deutete der Bischof im Hinblick auf das Ulrich-Doppeljubiläumsjahr an, das 2023 beginnt. „In der Caritas bekommt das Evangelium seine Glaubwürdigkeit“, betonte er dahingehend.

Diesen Aspekt hob er auch in seiner Predigt im anschließenden Gottesdienst in der Kirche Hl. Kreuz hervor. „Wo die am Rande sind, da ist die Mitte“, zitierte er aus einer Weihnachtskarte, die er von der Caritas bekommen habe und stellte dies in Bezug zur Geburt Christi. „Genau das hat sich bewahrheitet auf den Hirtenfeldern in Betlehem.“ Denn Jesus habe das Licht der Welt nicht in der Stadt, bei den Reichen und Angesehenen erblickt, sondern außerhalb auf freiem Feld. So seien es auch die damals als Randexistenzen geltenden Hirten gewesen, die sich aufgemacht hätten zu Jesus. „Meine lieben SKM’ler, ich freue mich, dass ich Sie in diesen Kontext stellen darf. Denn Sie holen Menschen in die Mitte, Sie sind an den Rändern“, betonte er.

Auch David sei durch die Salbung Samuels vom Hirtenjungen zum König geworden, stellte Bischof Meier im Hinblick auf den Lesungstext fest. „Bewahren Sie sich die Sensibilität des Hirtenjungen David. Gehen Sie an die Peripherie“, richtete er sich mit einem herzlichen Vergelt’s Gott an die Engagierten: „Danke, dass Sie durch Ihre Aktivität dem Evangelium Hand und Fuß und vor allem ein Herz geben.“