Bischöflicher Stuhl

Umfangreiche Sanierungsarbeiten am Bischofshaus

30.09.2021 14:14

Augsburg (pba). Am Bischofshaus in Augsburgs Stadtmitte haben derzeit länger andauernde Sanierungsarbeiten begonnen. Bei einer gründlichen Untersuchung des Gebäudes, das in Teilen noch Bausubstanz aus der frühen Neuzeit aufweist, waren zuvor erhebliche Schäden festgestellt worden. Sie gehen vor allem auf Umwelteinflüsse und die permanente Erschütterung aufgrund der Lage an der von Straßenbahn und Kraftfahrzeugen stark befahrenen Domkurve zurück.

Nachdem die Straßenarbeiten vor dem Bischofshaus kurz vor dem Abschluss stehen, wird das denkmalgeschützte Haus nun ebenfalls saniert. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

Besonders gravierende Schäden wurden am Dachstuhl entdeckt, der in Teilen noch von den Vorgängerbauten aus dem 16. bzw. 18. Jahrhundert stammt. Dies gefährdet auch die Statik des Gebäudes insgesamt. Daher muss nicht nur die Dachkonstruktion ausgebessert werden, auch die Auflager der Holzbalkendecken sind renovierungsbedürftig.

Da Bischof Dr. Bertram Meier bereits direkt nach seiner Ernennung im Januar 2020 erklärt hatte, aufgrund der geringen Entfernung seiner bisherigen Wohnung zum zukünftigen Amtssitz keinen Umzug ins Bischofshaus zu planen und auch nicht auf einem sofortigen Einzug der bischöflichen Verwaltung in das Gebäude bestand, konnte das Bischofshaus nach fast vier Jahrzehnten erstmals wieder gründlich untersucht werden - vom Fundament bis zum Dachstuhl.

Die bisher letzte grundlegende Sanierung hatte in den 80er Jahren der damalige Bischof Dr. Josef Stimpfle veranlasst, der auch Abriss und Neubau des Nordflügels entlang des Kustosgässchens in Auftrag gegeben hatte, um angemessene Wohn- und Büroräume für sich und seine engsten Mitarbeiter zu schaffen. Inzwischen sind die Elektrik, Heizung, Lüftungs- und Sanitäranlagen veraltet und sollen nun auf das heute übliche technische Niveau nachgerüstet werden.

Auftraggeber ist der Bischöfliche Stuhl – Kirchliche Stiftung öffentlichen Rechts. Damit fallen die Kosten für die Sanierungsarbeiten nicht dem Kirchensteuerzahler zur Last.

Auf Wunsch von Bischof Bertram, der für sein Bistum die Klimaneutralität bis 2030 auf den Weg bringen will, soll dieses Sanierungsprojekt eine Pionierrolle hinsichtlich einer angestrebten DGNB-Zertifizierung übernehmen. Denn die „Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V.“ begleitet bislang fast ausschließlich Neubauten, kaum aber Sanierungen. Bischöflicher Stuhl und Planerteam haben sich zum Ziel gesetzt, bei den Arbeiten am Bischofshaus den Ansprüchen von Ökologie und Denkmalschutz gleichermaßen gerecht zu werden.

Nach Aufstellung der Gerüste sollen Ende Oktober die Zimmererarbeiten im Dachstuhl beginnen. Die derzeitige pandemiebedingte Baumaterialknappheit, der Boom der Baubranche und die damit verbundenen Marktengpässe erschweren die Planungen. Dennoch hoffen die Verantwortlichen auf einen raschen Fortgang der Arbeiten während der Wintermonate.